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Tonart | Beitrag vom 09.06.2020

Hautfarbe auf der OpernbühneEin schwarzer Mann stört das Regiekonzept

Thomas Stimmel im Gespräch mit Carsten Beyer

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Porträt von Thomas Stimmel. (Thomas Stimmel)
Alte Vorstellungen treffen auf neue Gesichter: Auch die Opernwelt sei bis heute von postkolonialen Strukturen geprägt, beobachtet der Sänger Thomas Stimmel. (Thomas Stimmel)

Die Wahrnehmung von Hautfarben sei immer noch von sehr alten Bildern geprägt, sagt der Opernsänger Thomas Stimmel. Auf der Opernbühne würden zum Beispiel schwarze Frauen eher besetzt als schwarze Männer.

Der Opernsänger Thomas Stimmel hat an der Münchner Musikhochschule studiert und seine Diplomarbeit über "Apartheid im klassischen Gesang" geschrieben. Die Thematik des "Schwarzseins in einer weiß gedachten Kultur" wie in Deutschland habe ihn schon seit seiner Schulzeit interessiert, so Stimmel.

Er selbst bekam gegen Ende seines Studiums von Regisseuren zu hören, er würde "zwar stimmlich-musikalisch sehr gut passen, aber optisch gäbe es Vorbehalte": Ein Schwarzer störe das Regiekonzept.

Schwarze Frauen waren auf der Bühne präsenter

In seiner Abschlussarbeit untersuchte Stimmel Biografien schwarzer Sängerinnen und Sänger in Deutschland. Dabei stellte er fest, dass vor allem ab den 1960er Jahren schwarze Frauen eher in der öffentlichen Wahrnehmung präsent waren als ihre männlichen Kollegen. Jessye Norman zum Beispiel oder Grace Bumbry, die 1961 als sogenannte "schwarze Venus" ihr Debüt in Bayreuth gegeben habe.

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Thomas Stimmel führt diesen Unterschied darauf zurück, dass auf der Bühne eine schwarze Frau mit einem hellhäutigen Spielpartner eher akzeptiert worden sei als ein dunkelhäutiger Mann mit einer weißen Partnerin. Für die USA gebe es sogar Statistiken, die belegen, dass schwarze männliche Sänger dort noch bis vor wenigen Jahren tendenziell eher für Lied und Oratorium und nicht für die Oper ausgebildet worden seien.

Wenig Chancen für einen schwarzen Heldentenor

Stimmels Vermutung: Darin komme zum Ausdruck, dass sie auf Engagements als Operntenöre wenig Aussichten gehabt hätten, weil sie in der Rolle als Liebhaber an der Seite einer weißen Partnerin auf vielen Bühnen nicht akzeptiert worden wären.

Dieser Befund gehöre in einen größeren Themenkomplex, sagt Thomas Stimmel. Auch in unserer Gesellschaft seien postkoloniale Strukturen noch immer erhalten: "Die Wahrnehmung von Hautfarben ist immer noch von sehr, sehr alten Bildern geprägt."

Um solche Vorstellungen zu überwinden, sei ein breiter Diskurs erforderlich, "vor allem auch mit Menschen, die Rassismus-Erfahrungen täglich erleben, um da Lösungsansätze zu finden, die tatsächlich auf Augenhöhe funktionieren", betont Thomas Stimmel.

(huc)

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