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Lesart / Archiv | Beitrag vom 27.12.2014

Haus WittelsbachEin Prachtband nicht nur für Bayern-Fans

Die Wittelsbacher: "Ein Jahrtausend in Bildern"

Von Christian Rabhansl

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Das Reiterstandbild von Otto von Wittelsbach Herzog von Bayern im Münchner Hofgarten (picture alliance / dpa)
Das Reiterstandbild von Otto von Wittelsbach Herzog von Bayern im Münchner Hofgarten (picture alliance / dpa)

Dieser mehr als vier Kilo schwere Prachtband erzählt in über 600 Bildern die Geschichte des Adelshauses der Wittelsbacher. Beim Blättern erlebt man Sozialgeschichte, Machtgeschichte und Kunstgeschichte hautnah. Ein Genuss, auch für Nicht-Royalisten.

Wer diesen Bildband kaufen will, wird erst den Buchhändler ächzen sehen und dann selbst stöhnen. Knapp 700 Seiten, schweres Farbdruck-Papier, weit mehr als 600 Bilder, meist im Großformat, größer als in manch einem Ausstellungskatalog, das Ganze unhandlich, weit mehr als vier Kilo bringt es auf die Waage, – so schwer kommt selten ein Buch daher.

Und dieser Eindruck von Gewicht dürfte der Absicht des Herausgebers entsprechen: Luitpold Prinz von Bayern. Ein Jahrtausend bayerischer Geschichte verspricht er in diesem Bildband, und gemeint ist damit: 1000 Jahre Wittelsbacher. Bayern als bloße Familienepisode.

Die Wittelsbacher - Ein Jahrtausend in Bildern (Volk Verlag)Die Wittelsbacher - Ein Jahrtausend in Bildern (Volk Verlag)Nun ließe sich spötteln über dieses Familienbuch. Wer sollte es wollen außer gestrigen Royalisten? Doch dann schlägt man es auf und blättert und blättert durch Porträts, Schlachtengemälde, Wappen. Sieht, wie ein bayerischer Herzog die böhmische Königskrone ablehnt. Staunt über die zahlreichen Siegel an der Bayerischen Primogeniturordnung. Beobachtet, wie die Gesichter schmaler und dann wieder voller werden. Wie Männer erst kämpfen, dann jagen. Wie die Kinder, all die Kinder mal würdevoll zurückblicken, dann blöde glotzen. Die Moden ändern sich, der künstlerische Malstil auch. Dieser Band erzählt Sozialgeschichte, Machtgeschichte, Kunstgeschichte – und alles sehr prächtig, die Zwischentexte sind kaum der Rede wert.

Klar, dass Prinz Luitpold als Urenkel des letzten bayerischen Königs die Wittelsbacher erstrahlen lässt. Ein wilder Ritt durch tausend Jahre, alles vergeht, nur diese Familie bleibt. Aber wer würde hier schon kritische Töne suchen?

Dass dieses Buch mit all seiner Wucht eine Bedeutung der Wittelsbacher bis in die Gegenwart behauptet – dem muss man nicht folgen, um diesen Prachtband zu genießen. Es gibt nicht viele solche Bücher.

Die Wittelsbacher: Ein Jahrtausend in Bildern
Herausgegeben von Luitpold Prinz von Bayern
Volk Verlag, München 2014
680 Seiten, 78 Euro

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