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Fazit / Archiv | Beitrag vom 20.11.2017

"Haus der Geschichte Österreich"Museum der Zeitgeschichte an historisch belastetem Ort

Von Stephan Oszváth

Hofburg in Wien (afp / Alexander Klein)
In der Wiener Hofburg soll das "Haus der Geschichte Österreich" entstehen. (afp / Alexander Klein)

In einem Jahr soll das "Haus der Geschichte Österreich" eröffnen, zum 100. Jubiläum der Republik. Es kommt auf sozialdemokratische Initiative und hat nicht nur Fans. Wird sich am Konzept etwas ändern mit einer rechts-rechtsaußen-Regierung?

Der berühmte Balkon der Neuen Hofburg am Wiener Heldenplatz, hat Geschichte geschrieben. Hitler erklärte hier 1938 den Anschluss Österreichs. Tausende jubelten ihm zu. Im März 2018 jährt sich dieses Ereignis. Das "Haus der Geschichte Österreich", in der Neuen Hofburg am Heldenplatz untergebracht, sieht sich in einer historischen Pflicht, sagt Direktorin Monika Sommer-Sieghart.

"Was wir derzeit planen und konzipieren ist eine künstlerische Installation auf dem Altan der Neuen Burg. Inhaltlich anleitend für diese Arbeit ist unter anderem eine Rede, die der Friedensnobelpreisträger und auch Holocaust-Überlebende Elie Wiesel auf diesem Altan gehalten hat. Er hat gesagt, der Balkon ist nichts, entscheidend ist, was unten passiert."

Hinterköpfe von Burschenschaftern mit roten Hüten auf dem Kopf (picture alliance / Bodo Schackow)Regieren bald in Wien mit - Burschenschaften (picture alliance / Bodo Schackow)

Unten passiert, dass seit Jahren Burschenschafter in der Hofburg Walzer tanzen. Und die werden bald in Wien mitregieren – die Konservativen wollen eine Koalition mit der rechtspopulistischen FPÖ bilden, einem Sammelbecken für Burschenschafter.

FPÖ stärker denn je von Burschenschaften geprägt

Bernhard Weidinger, Politologe am Wiener Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, meint: "Die FPÖ ist heute vielleicht stärker von den völkischen Studentenverbindungen geprägt denn je. Beispielsweise sind mehr als die Hälfte der Mitglieder des Bundesparteivorstandes in solchen Verbindungen organisiert."

Und die blicken mit anderen Augen auf den Staat Österreich, erklärt  Weidinger: Patriotisch ja, aber im Herzen Deutsch-National. Die FPÖ kritisierte in der Vergangenheit das "Haus der Geschichte", das aus sozialdemokratischer Feder stammt, immer wieder. Der FPÖ-Abgeordnete Walter Rosenkranz monierte: Das Projekt sei zu teuer, mal zu groß, mal zu klein dimensioniert.

"Österreich hat eine längere Geschichte als nur das 20. Jahrhundert und daher ist dieser Name eindeutig verfehlt, es muss "Haus der Republik" heißen und das Ganze in der Hofburg, vielleicht soll das jetzt die wahre Demütigung für das Haus Habsburg sein, die die Sozialdemokratie vorhat, ein gescheiter Platz ist es trotzdem nicht."

Neubau wäre historisch neutral, aber teuer

Der Ort ist umstritten. Ein Neubau wäre historisch neutraler, meint die Direktorin. Aber ob es dazu kommt, steht in den Sternen. Spardruck auch hier. Es ist ein Haus der Zeitgeschichte, ein Museum der Republik, gibt die Direktorin unumwunden zu. Offizieller Startschuss ist der 100. Geburtstag der Republik am 12. November 2018. Erziehungsauftrag: Demokratie.

"Was wir jetzt mal als Dauerleihgabe übernommen haben in das "Haus der Geschichte Österreich", das ist die Regierungsbank. In Österreich wird ja grade das Parlament saniert und diese Regierungsbank war im Einsatz bis vor ganz kurzem. Uns interessiert vor allem der Schwerpunkt Demokratieentwicklung. Wir haben lange überlegt, welches Objekt denn in unserer Sammlung die symbolische Nummer eins werden soll und haben uns auch hier für ein wichtiges Objekt entschieden, nämlich für eine Wahlurne."

Neues Geschichtsverständnis

Die Sammlung wird erst aufgebaut, sagt sie. Zum Fundus gehören auch Wahlplakate und Wahl-Gimmicks wie Kondome, mit denen die Grünen schon warben. Das "Haus der Geschichte" soll Debatten anregen, verschiedene Sichtweisen nebeneinander präsentieren – ein Ort der Ausgewogenheit sein. Nicht die EINE Sicht auf die Vergangenheit soll dominieren.

"Das ist vielleicht auch ein neues Geschichtsverständnis, das wir als Museum nicht mehr unbedingt ausschließlich die Institution sind, die dann die Deutungshoheit einnimmt und vorgibt, wie Geschichte zu sehen ist. Also, das ist ja ein Nationalmuseumskonzept aus dem 19. Jahrhundert, so agieren die Museen im 21. Jahrhundert nicht mehr.

Ich bin auch zuversichtlich, dass die künftige Regierung zu einem "Haus der Geschichte Österreich", mit einem differenzierten Blick auf die Geschichte, auch steht. Jetzt hat man so viele Jahre um die Existenz eines "Hauses der Geschichte Österreich" gerungen und ich kann mir nicht vorstellen, dass man da wieder hinter zurückschreitet."

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