Das Feature, vom 27.03.2012

Die Hilfmittel, mit denen im Frühjahr 1994 in Ruanda mehr als 800000 Angehörige der Tutsi-Minderheit ermordet wurden, waren denkbar einfach – Macheten, Knüppel, einige wenige Gewehre. Doch das wohl wichtigste Instrument des Genozids war das ›Radio-Télévision Libre des Mille Collines‹ (RTML).

Ein junges Mädchen läuft 1996 über den Nyaza-Friedhof bei Kigal, wo tausende von Opfern des Genozids von 1994 beerdigt sind.
Ein junges Mädchen läuft 1996 über den Nyaza-Friedhof bei Kigal, wo tausende von Opfern des Genozids von 1994 beerdigt sind.

Dort verkündete ein Moderator: »Alle, die ihr uns zuhört, erhebt euch, sodass wir alle für unser Ruanda kämpfen können. Wir müssen den Tutsi ein Ende bereiten, sie auslöschen, aus dem Land herausfegen.« RTML produzierte in seinen Programmen eine Atmosphäre aus ruhiger Autorität, hysterischer Mordlust und entspanntem Entertainement. Die Grooves der neuesten kongolesischen Bands und aggressive Rassenideologie befeuerten die Mordlust der Täter, die Moderatoren koordinierten mit Befehlen und Empfehlungen den Fortgang der Massaker.

Regie: Hermann Theißen
DLF 2012