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Lesart / Archiv | Beitrag vom 17.06.2015

Harry RowohltScheuer Mensch mit trockenem Humor

Hellmuth Karasek im Gespräch mit Frank Meyer

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Der Journalist, Autor und Kritiker Hellmuth Karasek (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)
Der Journalist, Autor und Kritiker Hellmuth Karasek war gut bekannt mit dem verstorbenen Harry Rowohlt (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)

Gemeinsame Kneipenabende, Marktbesuche und zahlreiche Gespräche: Der Literaturkritiker Hellmuth Karasek war gut bekannt mit dem verstorbenen Harry Rowohlt. Karasek weiß von Seiten zu berichten, die vielen Menschen verborgen geblieben sind.

Der Literaturkritiker Hellmuth Karasek kannte den verstorbenen Schriftsteller, Übersetzer und Schauspieler Harry Rowohlt persönlich sehr gut. Sie verbrachten gelegentlich auch gemeinsame Abende in einem Lokal im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Die Trinkgewohnheiten Rowohlts seien allerdings oft übertrieben dargestellt worden, sagte Karasek im Deutschlandradio Kultur:

"In Wahrheit verbarg sich hinter dem Porträt des großen Trinkers ein Mensch, der sehr scheu war. Und ein fast fieberhaft akkurat arbeitender Mensch. Deshalb ist er ein so wunderbarer Übersetzer geworden. Und in den Kneipen fiel er nur durch kurze Einwürfe trockenes Humors auf."

Diese scheue Art Rowohlts  habe sich auch bei gemeinsamen Marktgängen in Eppendorf gezeigt, so Karasek:

"Da guckte er gern zu Boden und versteckte sich. Und wenn man nicht gerade in der Laune war, ihn anzusprechen, dann musste man das auch nicht."

Erzählungen aus dem inneren Kosmos

Was waren die Gesprächsthemen bei diesen Unternehmungen? Rowohlt habe oft über sich selbst geredet, so erinnerte sich Karasek:

"Und da war er ein Kosmos. Er konnte sich über Sprachunsinn seiner Kollegen lustig machen. Er konnte über Partys lästern. Er konnte Dummheiten anderer erzählen. Und er war außerdem vor allen Dingen jemand, der auch zuhören konnte."

Karasek verwies auf die ungeheuer breite Palette der Arbeit von Harry Rowohlt – so sei er nicht nur ein begnadeter Kinderbuchübersetzer gewesen, sondern auch ein Vermittler irischer Literatur:

"Man könnte sagen, dass er das Karl-Kraus-Diktum befolgt hat: 'Übersetzen? Üb: ersetzen'. Er hat also Bücher neu geschaffen durch seine Übersetzung, kongenial in den deutschen Slang aus der irischen Alkoholsprache übertragen."

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