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Im Gespräch | Beitrag vom 20.05.2020

Harfenist Xavier de Maistre„Auch im Orchester bleibt man ein Exot“

Moderation: Britta Bürger

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Der österreichische Harfenspieler Xavier de Maistre. (imago images / Agencia EFE)
Der österreichische Harfenist Xavier de Maistre (imago images / Agencia EFE)

Xavier de Maistre hat das Harfenspiel revolutioniert: Der Franzose schrieb zahllose Arrangements für sein Instrument und spielt dieses als Solist wie nur wenige andere. Seine Familie hätte ihn allerdings lieber in einem anderen Beruf gesehen.

Die Harfe ist ein Instrument für Einzelgänger, sagt Xavier de Maistre. Er muss es wissen, gilt er doch als einer der bedeutendsten Soloharfenisten der Welt.

"Ich habe die Außenseiterrolle immer gerne übernommen", erinnert er sich an seine Anfänge in einer Zeit, als die Harfe als Saloninstrument galt, das von schönen Frauen in langen Kleidern gespielt wird.

Diesem Klischee trat er als sportlicher junger Mann entgegen, der das Instrument mit "Arbeiterhänden" voller Schwielen und Blasen zu spielen lernte – Xavier de Maistre war in seiner Jugend Mitglied der französischen Junioren-Nationalmannschaft der Ruderer.

Duett für Harfe und Kastagnetten

Nicht nur mit dem Image seines Instruments kann de Maistre gut leben, auch bei einem anderen Problem weiß er sich zu helfen: "Wir haben kein Repertoire von berühmten Komponisten wie Beethoven, Brahms oder Mozart", räumt er ein.

Darum erweitert er das überschaubare Sortiment von Kompositionen für Harfe, indem er Werke, die für andere Instrumente geschrieben wurden, für sein Instrument arrangiert. Das funktioniert bei Klaviersonaten von Mozart ebenso wie bei spanischer Musik, die er als Duett von Harfe und Kastagnetten einrichtet.

Seine Eltern hatten den exotischen Musikwunsch ihres Sohnes immer unterstützt, die Harfe wurde sogar in den Urlaub mitgeschleppt, damit der Junge üben konnte. Doch Xavier sollte auch einen Brotberuf erlernen.

So studierte er Politikwissenschaft an Eliteuniversitäten in Paris und London, obwohl er wusste, "dass ich ohne Musik nicht leben kann". Als er aber mit 22 Jahren eine Stelle als Harfenist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks bekam, schmiss er das Studium sofort.

Zu langes Warten auf den Einsatz

Doch das sichere Leben als Orchestermusiker reichte de Maistre auf die Dauer nicht. Denn im Orchester verbringe man an der Harfe 90 Prozent der Zeit mit Warten auf den Einsatz, dazu sei er zu ungeduldig.

Also wagte er den Sprung in die Solokarriere – mit durchschlagendem Erfolg. Heute gehört de Maistre zum internationalen Jetset der Musikszene, spielt 80 bis 90 Konzerte pro Jahr in den wichtigsten Sälen der Welt.

Zumindest war das so, bis Corona kam. Nun ist auch de Maistre im Lockdown, seit zwei Jahren geplante Konzerte sind bis auf Weiteres abgesagt.

Auch wenn es schön sei, mal nicht dauernd Koffer zu packen und dafür mehr Zeit für die Familie zu haben, die Unsicherheit, wie und wann es wieder losgeht, nagt an ihm. Ein Lichtblick immerhin: An seinem Wohnort Monaco sind gerade die Strände wieder geöffnet worden. Und so geht de Maistre nach dem Gespräch mit uns erstmal windsurfen.

(pag)

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