Seit 20:03 Uhr In Concert

Montag, 20.08.2018
 
Seit 20:03 Uhr In Concert

Im Gespräch | Beitrag vom 12.04.2018

Hardy Krüger wird 90"Es ist ihnen nicht gelungen, einen Mörder aus mir zu machen“

Moderation: Klaus Pokatzky

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der Schauspieler Hardy Krüger  (dpa)
Der Schauspieler Hardy Krüger (dpa)

Blond, blauäugig, ein wahrer Bilderbuch-Germane – keine idealen Voraussetzungen für eine internationale Filmkarriere in der Nachkriegszeit. Doch der Berliner Hardy Krüger wurde einer der ersten Filmstars aus Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute wird er 90 Jahre alt.

Bis heute versteht er sich als Geschichten-Erzähler – wenn er auf der Bühne steht und wenn er schreibt. Jetzt erscheint sein neues Buch "Was das Leben sich erlaubt. Mein Deutschland und ich", in dem er von seiner Kindheit und Jugend in der Zeit des Nationalsozialismus erzählt. Darüber, über seine Karriere, seine Sicht auf das heutige Deutschland – und seinen engagierten Kampf gegen Rechtsextremismus sprach der Filmstar mit Klaus Pokatzky. 

Als Nazi erzogen

"Ich bin als Nazi erzogen worden von meinen Eltern – bei uns zuhause stand eine Hitlerbüste auf dem Klavier. Ich bin als Nazi erzogen worden von den Lehrern in der Volksschule, im Gymnasium und als ich 13 Jahre alt war, hat man mich auf die Ordensburg Sonthofen geschickt, als 'Adolf-Hitler-Schüler'."

Doch noch während seiner Internatszeit begegnete Hardy Krüger in Hamburger Schauspielkreisen Regimegegnern, die ihm die Augen über Nazi-Deutschland öffneten – allen voran sein väterlicher Freund, der Schauspieler Hans Söhnker. Er fasste Vertrauen zu dem jungen Mann und wagte jenen Satz, der das Leben von Hardy Krüger von Grund auf verändern sollte:

"'Dein Halbgott, dieser Hitler, dieser österreichische Anstreicher, das ist ein Verbrecher.' Darauf aufbauend hat er mich umerzogen. Es hat ein paar Monate gedauert und das war natürlich für den 'Adolf-Hitler-Schüler' ein Riesenschlag ins Gesicht, dass der Hitler ein Verbrecher sein sollte."

Nur knapp der Hinrichtung entgangen

Hardy Krüger wandte sich von der Ideologie seiner Eltern und Lehrer ab, unterstützte eine Organisation, die Juden zur Flucht in die Schweiz verhalf, wurde in den letzten Kriegstagen zum Tode verurteilt und überlebte nur knapp. 

"Als ich exekutiert werden sollte, kam ein höherer SS-Offizier zufällig vorbei und hat mich und dieses Erschießungskommando da gesehen. Und, weil ich auch mit 16 noch ausgesehen habe wie 12  oder 13, da hat er diesen Kind-Soldaten gerettet, indem er die Exekution verboten hat."

Nach 1945 begann Hardy Krüger seine Weltkarriere als Filmschauspieler und Schriftsteller. Bis heute nutzt er seine Popularität, um Botschafter eines neuen, menschlichen Deutschlands zu sein und um rechtem Gedankengut, wo immer es sich zeigt, mutig entgegenzutreten.

"1957 gab‘s die ersten Hakenkreuze wieder an der Synagoge von Köln. Und seit der Zeit bekämpfe ich jeden Altnazi und jeden neuen Nazi."

 

Im Gespräch

Paul KustermannEin Clown für jede Gelegenheit
Der Clown Paul Kustermann kann tröstend witzig sein (Copyright: Wort & Bild Verlag / Michael Hughes)

Was ein Clown ist, versteht jeder, sagt Paul Kustermann. Er setzt sich für psychisch Kranke, Manager, Flüchtlinge und krebskranke Kinder die rote Nase auf. Ihm selbst macht der Tod keine Angst. Schon seit der eigenen Kindheit.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur