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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 23.01.2018

Harald Welzer über Georg Baselitz"Er sollte lieber einfach stille sein"

Harald Welzer im Gespräch mit Anke Schaefer

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Maler Georg Baselitz 
Der deutsche Maler Georg Baselitz am 19.01.2018 zur Eröffnung seiner Ausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel (Schweiz).

In den Chor der Gratulanten zum 80. Geburtstag von Georg Baselitz mag der Soziologe Harald Welzer nicht einstimmen: Der Maler vertrete neurechte Positionen und sei insofern politisch ein echtes Problem. Für den Jubilar hat Welzer einen Rat.

Er könne Baselitz nicht ausstehen, bekennt Harald Welzer - und sieht seine Haltung durch ein Interview in der "Zeit" bestätigt. Darin hatte Baselitz den Künstlern in Deutschland vorgeworfen, sie folgten dem, was die Demokratie befehle. Damit gehe verloren, was Kunst wichtig mache: der Widerspruch.

"Schwachsinn", meint Welzer:

"Wenn man zum Beispiel die Theorie vertritt, dass Demokratie ein System der Unfreiheit sei, dann hat man entweder etwas nicht verstanden - das unterstelle ich aber gar nicht - oder es ist eine böswillige Aussage, die sehr stark mit dem, was von der neurechten Seite propagiert wird, übereinstimmt. Baselitz ist, glaube ich, in der Hinsicht politisch ein echtes Problem."

Harald Welzer (dpa / picture alliance / Arno Burgi)Der Soziologe Harald Welzer (dpa / picture alliance / Arno Burgi)

Nur provozieren ist nicht interessant

Man dürfe Kunst und Künstler nicht miteinander verwechseln, so der Soziologe. Ein guter Maler könne in politischer oder kultureller Hinsicht ein "totaler Dummkopf" sein:

"Nur weil jemand provoziert, ist es ja noch nicht interessant. Diese Provokationsstrategie, so ein paar superkonservative oder neurechte Inhalte zu vertreten, ist ja letztlich genau die Strategie, wie sie Donald Trump - den Baselitz angeblich auch gut findet -, die AfD oder andere tatsächlich praktizieren. Nämlich immer provokative Äußerungen zu machen, über die sich dann alle aufregen, dann das mal dezent zurückzunehmen und zu sagen: Wir haben ja nur provoziert. Ich persönlich finde das schlicht und ich finde es auch perfide."

Welzer findet: 

"Achtzigster Geburtstag schön und gut - aber er sollte lieber einfach stille sein."

(bth)

Die ganze Sendung mit dem Soziologen Harald Welzer hören Sie hier:

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