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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 01.02.2020

Harald Welzer resümiert den BrexitMit der Unwahrheit auf politischem Erfolgskurs

Moderation: Axel Rahmlow

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Brexit Pro-Brexit supporters gather in Parliament Square, London, as the UK prepared to leave the European Union at 11pm UK time. (imago images / PA Images / Matt Crossick / Empics)
Pro-Brexit-Demonstranten in der Nacht in London: "Da hat die Demagogie gewonnen", sagt der Sozialpsychologe Harald Welzer. (imago images / PA Images / Matt Crossick / Empics)

Politik, die offensiv auf Lüge setzt: In westlichen Demokratien habe man keine Antwort auf dieses Phänomen, meint der Sozialpsychologe Harald Welzer. In der Brexit-Kampagne habe dieser Politkstil jedoch zum Erfolg geführt.

Großbritannien hat die Europäische Union verlassen. Die Tragweite dieser Entscheidung sei noch gar nicht auszumessen, sagt der Sozialpsychologe Harald Welzer. Die Angst, dass Nachahmer folgen könnten, sei nicht unberechtigt, betont er in unserem Programm.

Ein Politikstil, der offensiv auf die Lüge setze, sei in westlichen Demokratien bisher nicht bekannt gewesen. Nigel Farage oder Boris Johnson seien damit jedoch beim Brexit erfolgreich gewesen.

"Da hat die Demagogie gewonnen, da hat Populismus gewonnen, da hat eine bestimmte Form von Politik gewonnen, die wir vorher so nicht kannten", resümiert Welzer.

"Wahrheit keine entscheidende Kategorie mehr"

Welzer meint, dass wir es auf der Ebene der politischen Kultur und der politischen Verfahrensweisen mit einer "neuen Zeit" zu tun haben: 

"Was wir ja so nicht kannten bis vor wenigen Jahren, ist, dass tatsächlich so etwas wie Wahrheit keine entscheidende Kategorie mehr ist und dass Menschen sozusagen ganz offensiv die Unwahrheit sagen können, und ihre Anhänger sogar wissen, dass es die Unwahrheit ist, und sie trotzdem damit Zustimmung finden."

"Eine andere Dimension der Härte"

Wettbewerb und soziale Ungleichheit hätten eine andere Gesellschaft geformt. "Wir haben auf der Ebene des Umgangs miteinander eine andere Dimension der Härte. Und die dokumentiert sich in der Politik", sagt der Sozialpsychologe.

Daraus resultiere, dass diejenigen, die es gut finden, wenn man schlecht zu anderen ist, heute Chancen beim Publikum haben.

(huc)

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