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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.04.2016

Hans W. Geißendörfer wird 75Kreativer Wollmützenträger und Vaterfigur

Michael Meisheit im Gespräch mit Dieter Kassel

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 Der Regisseur, Autor und Filmproduzent Hans W. Geißendörfer im Studio am Mikrofon (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
Der Regisseur, Autor und Filmproduzent Hans W. Geißendörfer (Deutschlandradio / Ellen Wilke)

Hans W. Geißendörfer wird heute 75 Jahre alt. Doch an Ruhestand denkt der Vater der "Lindenstraße" deshalb noch lange nicht. Für den Drehbuchautor Michael Meisheit ist er wegen seiner nie versiegenden Produktivität ein großes Vorbild. Er habe viel von Geißendörfer gelernt - auch über das Leben.

Die Wollmütze ist sein Markenzeichen. Die setzt Hans W. Geißendörfer, Regisseur und "Vater" der "Lindenstraße", nie ab. Angeblich, weil ihm ein Arzt schon als Kind, das häufig an Nasennebenhöhlenentzündung litt, dazu geraten hat. Ein weiteres Markenzeichen ist sein Bienenfleiß als Filmemacher. TV-Hits wie "Der Sternsteinhof" oder "Der Zauberberg" gehen auf sein Konto, ganz zu schweigen natürlich von der ersten ARD-Dauersoap.

Er steckt noch immer voller Geschichten

Auch mit jetzt 75 Jahren und nach 30 Jahren am "Lindenstraßen"-Set stecke Geißendörfer noch immer voller Geschichten und lebendiger Charaktere, schwärmt Michael Meisheit, der seit 1997 Drehbücher für Geißendörfer schreibt, und als Student im zweiten Studienjahr andere Lehrveranstaltungen geschwänzt hat, um an einer Veranstaltung mit Geißendörfer teilnehmen zu können.

Geißendörfer sei im Laufe der Jahre so etwas wie eine Vaterfigur für ihn geworden. "Ich war ja erst 24 als er mich vom Studium weggeholt hat in die Lindenstraße. Und ich habe in diesen 20 Jahren wahnsinnig viel von ihm gelernt. Natürlich vor allem über das Drehbuchschreiben und das Serienmachen. Aber auch viel Persönliches. Er ist für mich ein Vorbild, was die Aufteilung von Arbeit und Familienleben angeht.Oder: Ich habe wahnsinnig viel über Wein von ihm gelernt."

Politisches Fernsehen in angelsächsischer Tradition

Meisheit sagt: Die "Lindenstraße" sei politisches Fernsehen – das habe ihn an der Serie besonders gereizt: Tabus zu brechen, gesellschaftliche relevante Themen zu transporten, Toleranz zu erreichen. Dass so etwas auch mit einer Soap möglich und nicht immer nur Aufgabe anspruchsvoller Spielfilme sei, habe Geißendörfer in England kennen- und schätzen gelernt. 

"Das wollte er auf Deutschland übertragen - und es ist ihm ja auch gelungen."

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