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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 16.06.2016

Hans-Joachim GelbergAls die "Orangene Revolution" zu den Kindern kam

Moderation: Ulrike Timm

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Honorarfrei (Foto: Stefan Geldberg)
Der Verleger Hans-Joachim Gelberg (Foto: Stefan Geldberg)

"Das Kind sollte lernen,'Nein' zu sagen." Mit dieser Absicht gründete der Verleger Hans-Joachim Gelberg vor über 40 Jahren beim Beltz-Verlag die Kinder - und Jugendbuchedition. Bis heute glaubt er daran, dass man mit Wörtern die Welt verbessern und dabei großen Spaß haben kann.

Es war eine Art orangener Revolution als der Verleger Hans-Joachim Gelberg vor über 40 Jahren beim Beltz-Verlag in Weinheim die Kinder - und Jugendbuchedition aus der Taufe hob. Zwischen orangen Buchdeckeln sollten die Kinderbücher aus dem Beltz&Gelberg-Verlag wie das "Nein-Sager-Buch" oder "Geh – und  spiel mit dem Riesen" die Kinder und damit die Welt verändern.

"Antiautoritäre Erziehung" lautete damals das Zauberwort. Und es sollte Schluss sein mit den niedlichen und harmlosen Büchern für die Kleinen.

"Die Kinder sollten vor allem lernen, nein zu sagen. Das war eine Zeit des Umbruchs. Kinderliteratur ist immer abhängig vom dem, was die Erwachsenen machen, und so kam es dann dass ich neben fantastischen Elementen, märchenhaften Elementen, aber auch den Realismus einführte. Das Kind sollte lernen, 'Nein' zu sagen. Was Kinder heute gerne tun."  

Die Erfindung des "Fantastischen Realismus"   

Der "Fantastische Realismus" war erfunden. Gelberg entdeckte Autoren wie Janosch, Christine Nöstlinger oder Jan Prochaska, verführte Günther Bruno Fuchs und Peter Härtling zum Schreiben für Kinder, tat den Dichter Josef Guggenmoos auf.  

"Mit Wörtern kann man Spaß machen. Wörter können sehr ernst sein, Wörter bringen auch Traurigkeit. Über diese Möglichkeit kann man sehr lange philosophieren. Ich glaube, dass wir die Kinderliteratur mit dem Erwachsenen zusammen führen müssen, der Erwachsene macht’s ja im Grunde, diese Literatur."

Eine weitere Mission: Kindern Gedichte nahebringen

Mit reich illustrierten Anthologien wie"Was denkt die Maus am Donnerstag" und "Großer Ozean" brachte er Kindern auch Gedichte nah. Bis heute ist er in dieser Mission unterwegs.

"Ich versuche ja, auch Kinder zu Gedichten zu verführen und ich habe viele Begegnungen mit Kindern in der Schule, in der Grundschule in Weinheim und wir machen zusammen Gedichte. Kinder können das sehr gut und ich habe einige dieser Gedichte – auch in meiner Anthologie von Kindern – also da gibt es sehr viele Möglichkeiten, Kinder an Lyrik, an Literatur, an das Wort heranzuführen."  

Zuletzt hat der heute über 85jährige Gelberg nach dem Tod seiner Frau den Lyrikband "Glücksvogel" heraus gegeben  - mit Gedichten über die Liebe.

Darüber, was Kinderliteratur ausmacht, warum ihm Gedichte so am Herzen liegen und wie ein Roman von Tolstoi seiner Familie im Krieg einmal das Leben gerettet hat, hat sich Hans-Joachim Gelberg mit Ulrike Timm in der Sendung "Im Gespräch"  unterhalten.

HINWEIS: Hans-Joachim Gelberg starb am 17. Mai 2020 im Alter von 89 Jahren in Weinheim.  Aus Anlass seines Todes können Sie an dieser Stelle das Gespräch mit ihm vom Juni 2016 noch einmal nachhören.

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