Seit 20:03 Uhr Konzert

Sonntag, 16.12.2018
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Kalenderblatt | Beitrag vom 29.11.2018

Hans Holbein der JüngereRenaissance-Maler mit diskreten Todesbotschaften

Von Carmela Thiele

Hans Holbeins Gemälde "Die Gesandten" zeigt die französischen Diplomaten Jean de and Georges de Selve und hängt in der National Gallery in London. (imago/Richard Wareham)
Hans Holbeins Gemälde "Die Gesandten" gilt als das bedeutendste Werk des 1497 oder 1498 wahrscheinlich in Augsburg geborenen Malers. (imago/Richard Wareham)

Hans Holbein der Jüngere war der Hofmaler von Englands König Heinrich VIII. Der Künstler feierte in seinen Werken die Schönheit der Welt, der Dinge, des Wissens - und erinnerte zugleich an die Vergänglichkeit alles Irdischen.

Wer würde heute seinen Namen kennen, hätte er seine Heimatstadt Augsburg niemals verlassen? Der talentierte und zielstrebige Maler Hans Holbein d. Jüngere dachte bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts in europäischen Dimensionen, was ihm die Position als Hofmaler in London einbrachte. Doch sein erstes Ziel war Basel, wo er innerhalb kürzester Zeit zum führenden Maler aufstieg.

Es war gut, dass der 15-jährige Hans und sein schon in Basel weilender älterer Bruder Ambrosius in ihrer neuen Heimatstadt noch Schreib- und Lateinstunden genommen hatten, und dass ihr Vater Hans Holbein d. Ältere beide daheim in Augsburg so gründlich ausgebildet und frühzeitig in seine Werkstatt eingebunden hatte. Doch nach zwölf Jahren hatte Holbein in Basel gemalt, was es für ihn zu malen gab.

"Hier frieren die Künste. Er will nach England gehen, um dort einige englische Goldmünzen zusammenzukratzen."

Schrieb der Humanist Erasmus von Rotterdam, den Holbein mehrfach porträtiert hatte, in einem Empfehlungsbrief. Es war für den Maler immer schwieriger geworden, in der Stadt, in der er Meisterbrief und Bürgerrecht erworben hatte, angemessene Aufträge zu bekommen. Sein Spektrum war vielfältig. Neben der Ausführung von Porträts, aber auch religiösen Gemälden und Wanddekorationen, hatte er Buchverlagen Illustrationen geliefert, auch Entwürfe für Glasfenster und Silberschmiedearbeiten gezeichnet.

Aufbruch nach London

1526 brach Holbein über Antwerpen nach London auf. Das Empfehlungsschreiben war an Erasmus' Freund, Thomas Morus in London, adressiert. Der gebildete Staatsmann nahm den Maler auf und beauftragte ihn während seines zweijährigen Aufenthalts mit einem großen Familienbild. An Erasmus schrieb Morus zurück:

"Dein Maler, lieber Erasmus, ist ein wunderbarer Künstler, aber ich fürchte, er werde England nicht so fruchtbar und gewinnbringend finden, wie er sich erhofft hatte. Doch will ich mein Bestes tun, um sicherzustellen, dass es nicht eine völlige Zeitverschwendung ist."

Es war keine Zeitverschwendung, denn Holbein malte bald riesige Dekorationsbilder für eine temporär errichtete königliche Festarchitektur und im Anschluss an diese Demonstration seiner Meisterschaft zahlreiche Porträts von Mitgliedern des Hofes. Nachdem er weitere vier Jahre kaum beschäftigt wieder bei seiner Familie in Basel verbracht hatte, zog es ihn ein weiteres Mal an die Themse, diesmal für immer. 1536 wurde er Hofmaler. König Heinrich VIII. über seinen Fang:

"Ich kann, wenn es mir beliebt, aus sieben Bauern sieben Grafen machen, aber aus sieben Grafen keinen einzigen Holbein."

Vieldeutige, raffinierte Bilder

Er malte für den englischen König potenzielle Heiratskandidatinnen wie Anna von Kleve und Christina von Dänemark, Heinrichs früh verstorbene Gattin Jane Seymour und den Monarchen selbst.

Doch als wichtigstes Werk Holbeins gelten "Die Gesandten", ein monumentales Freundschaftsbild, das Jean de Dinteville und Georges de Selves zeigt, die beide im Dienst des französischen Königs François I. standen. Die Freunde stützen sich auf eine zwischen ihnen stehende Etagere, die mit wissenschaftlichen Instrumenten und Musikinstrumenten gefüllt ist. Das Stillleben weist auf ihre gemeinsame Vorliebe für die freien Künste hin.

Auch ein raffiniertes, als rätselhafte Scheibe vor ihnen schwebendes Memento mori ist in dem Bild versteckt. Der riesige Totenkopfschädel erschließt sich dem Betrachter jedoch nur aus einem bestimmten Blickwinkel.

Holbein feierte mit seiner Malerei die Schönheit der Welt, der Dinge, des Wissens und gemahnte gleichzeitig an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Was wie lebensnaher Realismus wirkt, ist nur die Oberfläche verdeckter Anspielungen. Doch sind es nicht nur die Vieldeutigkeit und Raffinesse seiner Bilder, die Holbein bis heute interessant machen.

Im Jahr seines Todes malte er das Bildnis John Chambers. In dem Porträt des Geistlichen und Leibarztes Heinrichs VIII. spiegeln sich Spiritualität und Entschlusskraft auf subtile Weise. Hans Holbein starb am 29. November 1543 in London unter unbekannten Umständen – wahrscheinlich an der Pest.

Kalenderblatt

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur