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Tonart | Beitrag vom 20.12.2017

Hamburger Musikclubs gegen VerdrängungSchutz für den Kulturraum

Thore Debor im Gespräch mit Mascha Drost

Hamburg rockt - hier etwa beim Auftritt der Leoniden beim ReeperbahnfestivalLeoniden live auf dem Reeperbahnfestival 2017 (imago/Future Image)
Hamburg rockt - hier etwa beim Auftritt der Leoniden beim Reeperbahnfestival (imago/Future Image)

Hamburg ist Deutschlands Live-Hauptstadt – nirgendwo gibt es gemessen an der Einwohnerzahl mehr Orte, wo musiziert wird, als hier. Doch der Immobilienboom macht gerade auch vor Hamburg keinen Halt: Viele Clubs fürchten um ihre Existenz. Jetzt fordern sie für sich einen Schutzstatus.

Hamburg ist mit mehr als 120 Musikspielstätten, jedes Jahr mehr als 20.000 Musikveranstaltungen und rund vier Millionen Clubbesuchern ist Hamburg Deutschlands Live-Club-Hauptstadt. Gemessen an der Einwohnerzahl ist Hamburg die Stadt mit der höchsten Spielstättendichte.

Doch Hamburg expandiert: Die Mieten stiegen, auch Lärmbeschwerden machen den Clubs zu schaffen, erklärt Thore Debor im Deutschlandfunk Kultur. Er ist Sprecher des Clubkombinats Hamburg, in dem sich die Hamburger Musikclubbetreiber organisieren. Mit einer Unterschriftenaktion wendet sich das Clubkombinat jetzt an die Öffentlichkeit und fordert einen "Kulturraumschutz".

Stadtplanung zu "investorenfreundlich"

Zu diesem Schritt veranlasst sehen sich die Clubbetreiber wegen der Stadtplanung in Hamburg. Diese sei bislang ausgesprochen investorenfreundlich orientiert gewesen, erklärt Debor. Zwar gebe es in der Stadt in letzten Jahren viele neue Quartiere – doch Räume für Kultur seien bei der Planung nicht vorgesehen gewesen. Zudem seien viele Clubs von Sanierungsstau betroffen.

Insbesondere kleine Clubs stünden vor wirtschaftlichen Herausforderungen, die sie aus eigener Tasche kaum bewältigen können, so Debor weiter. Clubs mit größeren Kapazitäten stünden demnach wirtschaftlich besser da. Zwar zeige sich die Stadt in jüngerer Zeit offener für Forderungen – doch wünsche sich das Clubkombinat ein eindeutiges Bekenntnis dazu, dass die hohe Zahl der Musikstätten die Lebensqualität der Stadt erhöhe.

In London sind Clubs "Chefsache" des Bürgermeisters

Der Blick in andere Metropolen sei dabei lohnenswert, erklärt Debor im Weiteren. Vor allem die Londoner Szene sei seit geraumer Zeit vom Immobilienboom betroffen – hier sei ein deutliches Clubsterben zu verzeichnen.

Gegenmaßnahmen habe der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan jetzt "zur Chefsache erklärt", so Debor. Er wolle "die Grassroots-Clubs mit einem Masterplan schützen" und mit einem "neuen Planungsrecht" tatsächlich "radikale Forderungen umzusetzen".

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