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Aus den Archiven / Archiv | Beitrag vom 05.04.2010

"Hallo Fans, Opi Dopi"

Ewald Wenck, der beim RIAS nicht nur der älteste Discjockey der Welt war

Eine Sendung von Götz Gerson

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"Hier kommt Ewalds Schlagerparade ..."

Diese Schlagerparade für "reife Hörer" ist eine Idee von Hans Rosenthal und geht mit Ewald Wenck als Moderator 1970 alle 14 Tage auf Sendung – da ist der Discjockey Ewald bereits 79 Jahre alt.

Mit Witzen, Anekdoten und Bemerkungen über die Interpreten würzt Ewald seine Moderationen und versucht sich sogar einmal wie ein echter Discjockey in englischer Sprache.

Heute stellen wir Ihnen diesen wohl ältesten DJ der Welt vor, der aber natürlich schon vor der Plattenreiterei ein ausgefülltes Berufsleben hatte.

Geboren wird Ewald Wenck am 28.Dezember 1891 in Berlin, steht mit 17 Jahren zum ersten Mal auf einer Bühne, aber er selbst erzählte dies und noch mehr einmal in seiner unverwechselbaren Art in einer Rias "Seniorenclub" Sendung.

"Zweisprachig" sei er aufgewachsen gibt Ewald oft zum Besten – zu Hause wurde hochdeutsch gesprochen, auf der Straße berlinerte er. Und nölte, was das Zeug hielt.

Vielleicht ist dieses berlinische "Nölen" auch Schuld daran, dass er nie die ganz großen Rollen bekommt. Aber wann immer ein typischer Berliner gebraucht wurde, musste er ran. Schon beim Stummfilm ist er mit dabei, 1920 spielt dort seine erste Rolle!

Nach Engagements auf allerhand Provinzbühnen kommt Wenck in den "Goldenen zwanziger Jahren" in seine Heimatstadt zurück, entdeckt seine komische Ader und wird zu einer Institution, er spielt am Metropoltheater und im Admiralspalast. Denn er kann verdutzt und gleichzeitig verschmitzt sein.

Im Film ist er in den 30er und 40er-Jahren einer der meistbeschäftigten Nebendarsteller - immer wieder der Lustige oder der leicht Trottelige, setzt er seine Pointen mit leichter Hand.

So ist er auch mit dabei, als Günter Neumann in der Berliner Blockadezeit sein Rundfunkkabarett die "Insulaner" gründet. Er ist der Genosse Klaus Dieter, der naiv-raffiniert den Funktionär Walter Groß mit ideologischen Widersprüchen nervt, nach dem Motto: "Ick hab da ma ne Fraje" – ein Riesenerfolg damals in Ost und West!

Beim Rias tritt er von da an immer wieder vors Mikrofon, der Sender wird die berufliche Heimat seiner "alten Tage". Passend dazu sein Lied zum 40.Geburtstag des Rundfunks, geschrieben von Günter Neumann.
Hier ist er in den Insulanern 1962 als Leierkastenmann zu hören.
Die Schauspieler bekommen manchmal noch während der Sendung Änderungen ins Ohr geflüstert, so aktuell ist man.

Im "Roten Brettl" vom Rias werden Befindlichkeiten in der "Zone" unter die Lupe genommen – man befindet sich ja im Kalten Krieg, in Texten von Günter Neumann.

Und Ewald Wenck tritt in der Rubrik "Kennen se den?" auf, zeigt sein Können als Kabarettist.

In den großen Rias Serien "Pension Spreewitz" mit über 150 Folgen, "Familie Buchholz" und "Damals wars" ist Ewald mit dabei, drückt ihnen seinen Stempel auf.

Ewald Wenck war der typische Berliner mit Herz und Schnauze, jahrelang. Seine letzte, sehr erfolgreiche Radio Reihe "Ewalds Schlagerparade" gibt er erst hochbetagt auf: Nach 282 Sendungen rund um den Schlager, gewürzt mit Anekdoten des Moderators, ist dann am 26.Januar 1981 Schluss.

Auf eigenen Wunsch wollte der inzwischen 89-Jährige seinen Lebensabend genießen. Das sollte ihm leider nur kurz gelingen: Ewald Wenck stirbt am 30. April 1981.

In unserer heutigen Sendung "Aus den Archiven" erinnerten wir an Ewald Wenck – er war Schauspieler, Kabarettist und Moderator – eine Radiolegende.

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