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Konzert / Archiv | Beitrag vom 23.12.2016

Hänsel und Gretel konzertantFrische Lebkuchen

Live aus der Philharmonie Berlin

Die Sopranistin Alexandra Steiner (Shirley Suarez/RSB)
Alexandra Steiner singt die Gretel in Humperdincks Oper (Shirley Suarez/RSB)

Im Märchen sind die Rollen klar verteilt - in der Oper kann man sie mischen - an diesem Abend geht es fast durcheinander, denn Hänsel ist eine Frau und ein Tenor singt die Hexe. Das RSB spielt Humperdincks Weihnachtsoper. Es ist der vorletzte Abend mit Marek Janowski.

Es ist das bekannte Märchen von den Kindern, die bei der Knusperhexe landen, das Engelbert Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel" zugrunde liegt. Und weil das Haus dieser bösen Person aus Lebkuchen besteht, gilt die Vertonung der alten Geschichte, die die Gebrüder Grimm aufgeschrieben haben, als Werk zur Einstimmung auf den Heiligen Abend. Und deshalb führen es der Kinderchor der Staatsoper Berlin und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin auch an diesem Abend auf, als würziges Abschiedsgeschenk quasi für den scheidenden Chefdirigenten Marek Janowski.

Das Libretto für seine Oper "Hänsel und Gretel" ließ sich Engelbert Humperdinck von seiner eigenen Schwester Adelheid Wette verfassen  - ein Textbuch in rührender Schlichtheit endstand - und man kann spekulieren, ob Engelbert und Adelheid Ähnliches erleben mussten wie die beiden Kinderhelden der Märchenoper. Grundmotiv dieses Musiktheaters ist der Glaube an den Sieg des Guten über das Böse, ganz wie im Märchen der Gebrüder Grimm. Bei den Grimms werden Hänsel und Gretel aus ökonomischen Gründen in die Ungewissheit entlassen – das empfand die Librettistin als störend. Adelheid Wette hat diese vermeintliche Gefühlskälte der Eltern gemildert mit einem geschickten dramaturgischen Trick: Die Mutter kommt übermüdet heim, ärgert sich über die Kinder, die nicht nur gearbeitet, sondern auch gespielt haben, und stößt dabei den Krug mit wertvoller Milch um. Aus nicht eingestandener Wut über eigenes Versagen schickt sie die Kinder fort. Der angetrunkene Vater kommt erst später dazu und gibt den Besorgten.

In seine Märchenoper flicht Humperdinck viele Lieder im Volkston ein, manche arrangiert, manche neu komponiert, von denen einige erst später zu Volksliedern werden sollten wie der berühmte "Abendsegen". In der treffsicheren Einfachheit ist Humperdincks Oper der komplette Gegenentwurf zur erdrückenden Schwere der Opern Richard Wagners. Was die Pracht der Klangsprache angeht, steht der Spätromantiker Humperdinck dem Bayreuther Ringschmied in nichts nach, in der Klarheit übertrifft er ihn um Längen.

Live aus der Philharmonie Berlin

Engelbert Humperdinck
"Hänsel und Gretel", Märchenoper in drei Akten

Albert Dohmen, Bass – Peter, Besenbinder
Ricarda Merbeth, Sopran – Gertrud, sein Weib
Alexandra Steiner, Sopran – Gretel
Katrin Wundsam, Mezzosopran – Hänsel
Christian Elsner, Tenor – Hexe
Alexandra Hutton, Sopran – Taumännchen
Nora Lentner, Sopran – Sandmännchen
Kinderchor der Staatsoper Unter den Linden
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Marek Janowski

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