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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 07.03.2010

Gute Laune hält gesund

Werner Bartens: "Körperglück", Droemer Verlag, Februar 2010, 317 Seiten

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Wer sich gut fühlt, hat auch mehr Abwehrkräfte. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Wer sich gut fühlt, hat auch mehr Abwehrkräfte. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

Gute Gefühle machen nicht nur glücklich, sondern auch gesund, das ist die einfach wie zentrale These in Werner Bartens neuem Buch "Körperglück". Und wie immer überzeugt der Autor: Lebensklug und unterhaltsam nimmt er seine Leser mit auf eine Reise in die neuste Wissenschaftsforschung, die aller Kritik zum Trotz beweist, wie eng Seelenzustände und körperliches Wohlbefinden zusammen gehören.

Körperglück definiert der Autor als eine Mischung aus Gesundheit, Vitalität und Wohlbefinden – ein Leben im Einklang. Ist die Seele düster, kann auch der Körper nicht optimal funktionieren. Zugleich beeinflusst unsere Erwartung sowohl Krankheitsverläufe als auch Heilerfolge. Konstanter Stress, ausgelöst durch die Pflege kranker Angehörige, unerträgliche Arbeitssituationen oder Beziehungen, in denen ständig gestritten wird, schwächt das Immunsystem und verzögert die Wundheilung. Gute Gefühle und ein herzlicher Umgang hingegen fördern die Wundheilung – und lassen den Blutdruck sinken. In einem Experiment wurde nachgewiesen, dass eine liebevolle abendliche Begrüßung durch den Partner bei Bluthochdruckpatienten den Blutdruck um 2,5 Punkte vermindert. Genauso wie Frauen mit Brustkrebs und Männer mit Zwölffingerdarmgeschwür deutlich bessere Überlebenschancen haben, wenn sie Rückhalt durch ihre Partner spüren.

In elf Kapiteln widmet sich der Autor diesen überraschenden psychosomatischen Zusammenhängen – von der Frage, was Kinder stark macht hin zu den Auswirkungen chronischer Traurigkeit. Dazu findet sich am Ende jedes Kapitels eine Zusammenfassung der wichtigsten Thesen; eine ebenso prägnante wie leserfreundliche Auflistung. Dabei ist Bartens Argumentation nicht frei von Redundanz – ist die Seele gesund, freut sich der Körper. Falsch ist das nicht, wie die unzähligen Experimente, die er anführt, beweisen. Und zwar so gut, dass selbst Skeptiker überzeugt werden.

Denn unsere Einbildungskraft ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Heilung, der Placebo-Effekt spielt daher schon heute in der Medizin eine entscheidende Rolle. Kochsalzpillen sind ebenso wirkungsvoll wie echte Medikamente. Und auch der Nocebo-Effekt, die böse Seite des Placebos, hat Folgen: Wer etwa zu ausführlich einen Beipackzettel studiert, ist eher gefährdet die Nebenwirkungen auch tatsächlich zu bekommen. Darunter fällt auch das Verhalten von Ärzten, die ihre Patienten mit einschüchternder Fachsprache abfertigen; Angst kann tatsächlich Krankheiten auslösen.

Neu ist das alles nicht, werden Kritiker sagen. Auch das Werner Bartens es immer wieder schafft, den Zeitgeist zu bedienen, könnte man bemängeln. Dennoch besticht dieses Buch durch seine Klarheit und die große Fülle an Wissen. Der Mensch ist ein komplexes Geschöpf. Krankheiten lediglich als Funktionsstörung einer Maschine zu sehen wäre ebenso zu kurz gegriffen, wie alles auf psychische Prozesse zurückzuführen. Es ist der große Verdienst dieses Buches sowohl Raum für die unerklärliche Tragik des Lebens zu lassen, als auch den Einzelnen anzuspornen, sich um sein eigens Körperglück zu bemühen. Denn wie Werner Bartens betont: Eine positive Lebenseinstellung und ein liebevolles Umfeld sind die beste Investition in unsere Gesundheit.

Besprochen von Ariadne von Schirach

Werner Bartens: Körperglück. Wie gute Gefühle gesund machen
Droemer Verlag, Februar 2010
317 Seiten, 19,95 Euro

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