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Studio 9 | Beitrag vom 31.12.2016

Gustavo DudamelFrischer Wind fürs Wiener Neujahrskonzert

Von Ralf Borchard

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Der 35-jährige Dirigent Gustavo Dudamel aus Venezuela, der als "junger Wilder" der Klassik-Szene gilt. (picture alliance / Florian Wieser/EPA/dpa)
Der 35-jährige Dirigent Gustavo Dudamel aus Venezuela gilt als "junger Wilder" der Klassik-Szene. (picture alliance / Florian Wieser/EPA/dpa)

Mehr als 50 Millionen Menschen sehen oder hören jedes Jahr das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. 2017 wird es zum ersten Mal von Gustavo Dudamel dirigiert. Der 35-jährige Venezolaner verspricht Strauss mit etwas lateinamerikanischem Feuer.

Er kam in Turnschuhen, T-Shirt und Pullover zur traditionellen Pressekonferenz, noch dazu leicht unrasiert – und das in Wien, wo das Neujahrskonzert als eine Art Nationalheiligtum gilt, das am 1. Januar in die Welt hinausstrahlen soll. Gustavo Dudamel, der bisher jüngste Dirigent am Pult des Neujahrskonzert, verspricht eine Neuausrichtung, auch musikalisch:

"Es wird ein sehr venezolanischer Strauss in gewisser Weise", so der 35-Jährige in Bezug auf die beim Neujahrskonzert meistgespielten Komponisten und auf seine Heimat Venezuela. Natürlich habe die Musik der Strauss-Dynastie eine große Tradition, aber ein wenig lateinamerikanisches Feuer könne da nicht schaden.

Sieben Erstaufführungen im Programm

So wird etwa die Tik-Tak-Polka von Johann Strauss Sohn bei Dudamel wohl noch rhythmischer und schneller klingen als in der Aufnahme aus dem Neujahrskonzert 2012 unter Mariss Jansons. Gustavo Dudamel, der seit Jahren als "junger Wilder" der Klassik-Szene gilt, wird auch sieben Erstaufführungen im Programm haben, von Franz Lehar bis Otto Nicolai, zu dessen "Mondaufgang" es silbern ins Publikum regnen soll, wie Philharmoniker-Vorstand Andreas Großbauer verriet:

"Von der Orgel herunter wird der Silberstaub ins Publikum hinein geblasen werden."

"Ich hoffe, wir werden Spaß haben", gab Gustavo Dudamel lässig als Motto aus, nicht ohne das Neujahrskonzert als größtes Klassik-Event der Welt zu würdigen. Es wird auch diesmal in über 90 Ländern im Fernsehen gezeigt, in mehr als 40 Ländern im Radio übertragen, live im Internet gestreamt und erreicht nach Schätzung des ORF mehr als 50 Millionen Menschen.

Gustavo Dudamel bei der Probe zum Neujahrskonzert der Wienerphilharmoniker am 29.12.2016. (picture alliance / Florian Wieser/EPA/dpa)Gustavo Dudamel bei der Probe zum Neujahrskonzert der Wienerphilharmoniker am 29.12.2016. (picture alliance / Florian Wieser/EPA/dpa)

"Ich habe das Neujahrskonzert schon als Kind jedes Jahr im Fernsehen verfolgt. Und es jetzt dirigieren zu können, ist ein Traum, der in Erfüllung geht", so Dudamel, der in Richtung Wiener Philharmoniker tänzerisch-ironisch hinzufügte:

"Ich bin die Dame dieses Events, ihr seid die eleganten Gentlemen, und ich folge euch."

Wie immer gibt es den Donauwalzer als Zugabe

Mit großem Ernst schilderte Dudamel, wie viel er dem Musikbildungsprogramm "El Sistema" in seiner Heimat Venezuela zu verdanken hat, mit dem seit Jahrzehnten tausende Kinder und Jugendliche an klassische Musik herangeführt werden. Für ihn sei auch das Neujahrskonzert Symbol in diese Richtung:

"Ich stehe für eine neue Generation junger Künstler. Mein Auftritt in Wien steht auch für die Träume vieler junger Musiker, dass ihre Chance kommen, ihr Traum wahr werden kann."

Übrigens: sollte jemand fürchten, mit Dudamel werde zu viel Jugendlichkeit, zu viel Neuerung ins Neujahrskonzert einziehen – keine Angst, beim großen Auftritt wird er keine Turnschuhe tragen. Und es wird auch diesmal den Walzer aller Walzer, den Donauwalzer als Zugabe geben:

"Ich bin so glücklich. Wenn ich diesen Walzer an diesem Pult in Wien dirigiert habe, kann ich eigentlich in Frieden sterben, ins Paradies einziehen", schmunzelte Dudamel.

Jugendlicher Spaß, Tradition hin oder her - der Schlussapplaus im Goldenen Saal des Musikvereins wird auch Gustavo Dudamel sicher sein.

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