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Konzert / Archiv | Beitrag vom 09.06.2016

Gürzenich-Orchester mit François-Xavier RothRing-Kampf durch die Epochen

Aufzeichnung aus der Kölner Philharmonie

Der Franzose Francois-Xavier Roth dirigiert. (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)
Der französische Dirigent Francois-Xavier Roth 2011 in Freiburg. (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)

Epochen zusammendenken, Konzertformen hinterfragen: Dafür steht François-Xavier Roth. Mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Philippe Manoury begibt sich Kölns neuer Generalmusikdirektor in den Praxistest.

Rasch hat sich der 1971 geborene François-Xavier Roth den Ruf als Universalist unter den Dirigenten erworben. Von Hause aus Flötist, gründete der französische Musiker 2003 das Ensemble "Les siècles", das die Musik vom Barock bis zur Moderne auf dem jeweils passenden Instrumentarium spielt. Roth ist nicht nur ein Vertreter der Alte-Musik-Szene, er hat auch eine Art "historischer Aufführungspraxis" für neuere Musik bis ins 20. Jahrhundert hinein etabliert. In den letzten Jahren zeigte er als Chef des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg, dass er auch einen traditionell strukturierten Klangkörper leiten kann. Dessen Fusion mit dem Stuttgarter SWR-Orchester konnte freilich auch er nicht verhindern.
Seit dieser Saison leitet François-Xavier Roth das Gürzenich-Orchester als Generalmusikdirektor der Stadt Köln – ein Orchester, das nicht nur traditionell strukturiert, sondern tief in der spätromantischen Tradition verwurzelt ist. Ein Orchester, das einst von Johannes Brahms, Gustav Mahler und Richard Strauss geschätzt wurde. Roth möchte diese Tradition fortführen, aber auch eigene Akzente setzen. So wurde der französische Komponist Philippe Manoury, Jahrgang 1952, längerfristig als "Komponist für Köln" engagiert. Das erste Werk dieser Zusammenarbeit, "Ring", erlebt in diesem Programm seine Uraufführung. Wer bei dem Titel an Richard Wagners Nibelungen-Tetralogie denkt, liegt nicht ganz falsch, denn der Komponist ist – wenn es um Schreibweise und Klangwirkung geht – ein glühender Wagnerianer. Andererseits bedeutet "Ring", dass das in riesiger Besetzung antretende Orchester das Publikum umringt: Manoury möchte die "Hierarchie" des Konzerts aufbrechen, indem er die Musiker im Saal verteilt und sie bereits vor Konzertbeginn spielen lässt. Das plaudernde Publikum wird bei der Platzsuche von Manourys Klängen begleitet.
Neue Perspektiven auch bei Mozart: Roth dirigiert die große g-Moll-Sinfonie, stellt zwischen die Sätze aber drei Konzertarien, die die belgische Sopranistin Sophie Karthäuser singt. Ein "Ring" auch hier: Die Sinfonie umringt den Gesang.

Kölner Philharmonie
Aufzeichnungen vom 22.bis 24. Mai 2016

Philippe Manoury
"Ring" für Orchester (Uraufführung)

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzertarien für Sopran und Orchester:
"Voi avete un cor fedele" KV 217
"Basta, vincesti – Ah non lasciarmi, no" KV 486a
"Bella mia fiamma, addio – Resta, oh cara" KV 528
Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550

Sophie Karthäuser, Sopran
Gürzenich-Orchester Köln
Leitung: François-Xavier Roth

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