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Konzert / Archiv | Beitrag vom 07.02.2020

Gürzenich-Orchester Köln spielt Musik von Karol SzymanowskiExotik aus Polen

Moderation: Stefan Lang. Gast: Patrick Hahn

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Bronzefigur des Komponisten in einem Park. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)
Das Denkmal von Karol Szymanowski in Kielce. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)

1882 geboren, ist Karol Szymanowski einer der wichtigsten Komponisten Polens. Der Dramaturg des Gürzenich-Orchesters Köln, Patrick Hahn, stellt das breite Klangspektrum des Künstlers vor.

Die Werke von Karl Szymanowski sind im Konzertsaal leider die Ausnahme. Dabei würden sie das Abonnement großer und kleiner Häuser bereichern. Szymanowski, 1882 geboren, ist einer der wichtigsten polnischen Komponisten mit einem breiten Klangspektrum. Im Konzert mit dem Gürzenich-Orchester Köln lernen wir ihn als Komponist der Gegensätze kennen.

Ein König, der aus Konventionen ausbricht

"Król Roger" (König Roger) ist die zweite Oper Szymanowskis. Sie spiegelt sein Interesse an antiken Kulturen, lässt seiner Vorliebe für Exotismus freien Lauf. Die Oper entstand im Jahr 1926 und ist auf Sizilien angesiedelt. Der Landstrich war Szymanowski nicht unbekannt: kurz vor dem Ersten Weltkrieg besuchte der Komponist die Insel.

Blick auf die Goldmosaike der Kirche. (imago images / imagebroker)Kuppel der byzantinischen Cappella Palatina Palastkapelle in Palermo in Sizilien. (imago images / imagebroker)

Die Oper spielt zuerst in einer byzantisnischen Kirche, dann im Königspalast. Geistliche flehen König Roger an, die Werte der Kirche vor den Reden des fremden Schäfers, eines philosophischen Eremiten, zu schützen. Der Hirte wird faktisch vor Gericht gestellt. Roger will ihn aber nicht hinrichten, denn er fühlt sich von ihm angezogen. Auch, weil er bestehende Konventionen in Frage stellt. Der König erlebt dadurch eine Art Erleuchtung durch den jungen Hirten.

Die Oper dreht sich also um Glaubensfragen, das aber nur äußerlich. Es geht um dionysische Begierden. All das spiegelt sich in den exotischen Elementen der Musik, die auf orientalische, antike und frühchristliche Momente anspielt.

Klassisches Violinkonzert

"Mozarts Violinkonzerte sind für mich wie Opern, in denen eine Menge unterschiedlicher Charaktere auftreten.", so die erst 18 Jahre junge Geigerin Noa Wildschut. Sie spielt das Werk eines 19-Jährigen: Mozart war damals Konzertmeister der fürsterzbischöflichen Hofkapelle in Salzburg. Beide verbindet über die Jahrhunderte hinweg die Spielfreude. 

Die Künstlerin sitzt in einer Garderobe von beleuchteten Spiegeln umgeben. (Noa Wildschut / Marco Borggreve)“Was mich am Glücklichsten macht, ist die Freude, die ich durch meine Musik an Menschen weitergeben kann.”, sagt Noa Wildschut. (Noa Wildschut / Marco Borggreve)

Noa Wildschut ist zum zweiten Mal zu Gast beim Gürzenich-Orchester Köln, weil ihr Spiel beim ersten Besuch sofort begeisterte, so der Dramaturg des Orchesters Patrick Hahn. Zur Zeit studiert die junge Geigerin in Berlin bei Antje Weithaas - eine Klasse, die besonders viele Talente eint.

Polnische Wurzeln

In der 4. Sinfonie mit konzertierendem Klavier, seiner Sinfonia concertante, folgt Szymanowskis einem polnischen Trend der Entstehungszeit. Seit der Unabhängigkeit 1919 wuchs der Nationalstolz der Polen. Auch Komponisten hatten das Bedürfnis, dieses musikalisch zu artikulieren. So bedient sich seine Sinfonia concertante polnischer Tanzweisen und Volksmelodien. Szymanowski hat das Werk innerhalb weniger Wochen niedergeschrieben.

Der Pianist ist am Flügel in sein Spiel vertieft. (Cédric Tiberghien / Benjamin Ealovega)Der Pianist Cédric Tiberghien liebt Konzertmomente: "Das ist faszinierend, magisch." (Cédric Tiberghien / Benjamin Ealovega)

Für Patrick Hahn ist diese Musik aber alles andere als billige Postkartenmotivik, die er in der Musik zeichnet, sondern er verwanderle die Musik zu etwas ganz Eigenem. Arthur Rubinstein, der Widmungsträger der Komposition und einer der besten Freunde des Komponisten, nannte sie eine Sinfonie in 'spezifisch polnischer Tonsprache'. Patrick Hahn liebt besonders die Partien der Flöte, die sich verwunschen mit dem Klang der Harfe vermengt.

Aufzeichnung des Konzertes vom 14. Januar 2020 in der Kölner Philharmonie

Karol Szymanowski
Suite aus der Oper "Król Roger", zusammengestellt von Iain Farrington  

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Violine und Orchester Nr. 4 D-Dur KV 218

Karol Szymanowski
Sinfonie Nr. 4 op. 60 für Klavier und Orchester ('Symphonie concertante')

Noa Wildschut, Violine
Cédric Tiberghien, Klavier
Gürzenich-Orchester Köln
Leitung: Harry Ogg  

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