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Profil / Archiv | Beitrag vom 24.10.2011

Guerilla-Konzerte im Stadtraum

Der Musiker Marcus Kesselbauer und seine Band Moop Mama

Von Andi Hörmann

Marcus Kesselbauer spielt unter anderem Saxofon. (Stock.XCHNG / Colin Jaccino)
Marcus Kesselbauer spielt unter anderem Saxofon. (Stock.XCHNG / Colin Jaccino)

Sieben Bläser, zwei Schlagzeuger, ein Rapper am Megaphon - Moop Mama ist eine moderne Marching Band, die Hip Hop und Blasmusik mixt. Mit analoger Musik will Bandleader, Komponist und Arrangeur Marcus Kesselbauer den öffentlichen Raum zurückerobern.

Marcus Kesselbauer: "Rhythmusgruppe steht zusammen: große Trommel, kleine Trommel, Tuba. Rechts: die beiden Posaunen und das Tenor. Links: die beiden Trompeten und das Altsaxophon. Vorne: der Keno mit dem Megafon. Und wir werden jetzt hier spielen und schauen, wie die Menschen reagieren."

Musik: Moop Mama "Geliebte"

Marcus Kesselbauer - Vollbart und glatt rasierter Kopf mit Wollmütze - hat die Formation Moop Mama 2009 ins Leben gerufen, die Musik komponiert und arrangiert. Sieben Bläser, zwei Trommler und ein Rapper am Megafon. In München vor dem Deutschen Museum spielen sie eines ihrer Guerilla-Konzerte.

Etwa 50 Leute hören den ersten Song. Beim zweiten sind es schon um die 100. Beim dritten - nun, den erleben sie nicht. Denn: Guerilla, das bedeutet nicht nur unangemeldet, sondern auch: kurz. Die Band packt ein und zieht weiter.

Kesselbauer: "Das ist, so glaube ich, der Rattenfänger-von-Hameln-Effekt (lacht). Es gibt manchmal Menschen, die uns dann tatsächlich folgen. In so einem respektvollen Abstand. Wir haben in Stuttgart gespielt und sind da in den Stadtgarten, wo diese ganzen Stuttgart-21-Leute ihre Trutzburgen hingestellt haben. Da sind bestimmt so 50, 60 Leute hinter uns her marschiert und sind dann überall mit hin gegangen, wo wir gespielt haben. Es wurden dann immer mehr. Das ist ein ziemlich schöner Effekt."

Musik: Moop Mama

"Es ist Ruhestörung. Und zwar auch vor 22 Uhr ist es bereits Ruhestörung. Es werden relativ häufig Personalien von uns aufgenommen. Wir haben es aber auch schon erlebt, dass uns Busgelder angedroht wurden, und dass unsere Instrumente hätten beschlagnahmt werden sollen. Aber das hält uns nur bedingt davon ab, das zu machen, was wir machen."

Musik: Moop Mama

"Egal, ob wir vor 4.000 oder vor 10 Menschen spielen, es gibt immer so einen Moop-Mama-Effekt, so ein Moop-Mama-Moment. Das ist, wenn es sich dann plötzlich so zusammen morpht und ein gebündeltes Energieding wird. Und da haben wir selber so Spaß dran."

Energiegeladen, unverstärkt und vor allem: von Hand gemacht. Marcus Kesselbauer - 1976 in Oberfranken geboren - setzt mit dem Hip-Hop-Brass von Moop Mama auf das Authentische, das Direkte in der Musik. Egal ob auf Konzertbühnen, bei Guerilla-Gigs, oder - zu Hause in seinem Arbeitszimmer.

Begrüßung über Sprechanlage

Marcus: "Ja, hallo?"

Autor: "Hallo."

Marcus: "Ah, Andi. Grüße Dich. Komm hoch."

2. Stock, links: Die 3-Zimmer-Wohnung von Marcus Kesselbauer. Im 9-Quadratmeter kleinen Arbeitszimmer hängen exotische Flöten an der Wand - von einer arabischen Holz-Oboe bis zum israelischen Duduk. In der Ecke: ein elektrisches Piano mit einem Computer-Monitor darauf.

Kesselbauer: "Hier sitze ich am Klavier und spiele so ein bisschen, oder bastle mit Logic, oder schreibe Arrangements mit einem anderen Programm. Und hier unterrichte ich natürlich auch. Es gibt einen Schüler, der ist Saxofon-Schüler, mit dem bastle ich relativ häufig Beats im Unterricht, zu denen er dann zu Hause üben kann. Der ist total hip-hop-begeistert und baut selber schon die ersten Tracks. Das ist ganz spannend, zu sehen, wie man das alles so verknüpfen kann: Unterricht und Hip Hop und alles Mögliche."

Autor: "Und wo ist denn dein Saxofon?"

"Ich habe mehr: Also hier steht eines, hier liegen zwei, hier hinten steht noch eines und das andere habe ich gestern vom Üben ... Ich kann es ja mal holen."

Autor: "Magst du mal zwei Töne spielen?"

"Boah, also normalerweise, so kurz nach dem Aufstehen nimmt mein Körper ja eigentlich kein Mundstück an."

Saxofon-Improvisation

Arbeitszimmer, Konzertbühne oder Stadtraum: Marcus Kesselbauer von Moop Mama steht auf vielen Bühnen. Seine Instrumenten-Kammer zu Hause nennt er gerne "Mutters Schoß": Rückzugsort und Kreativ-Pool zugleich.

"Wir haben jetzt Anfang Sommer eine Straßentour gemacht, bis nach Köln hoch. Frankfurt, Mainz, Würzburg. Das ist ganz großartig. Weil: Du bist draußen, bist mit Kumpels unterwegs und siehst die Städte, Dörfer und Landschaften in Deutschland, und kannst Menschen begeistern. Aber es ist auch ganz wichtig, so einen Hafen zu haben, wo man wieder nach Hause kommen kann, wo man wieder runterfährt, wo man sich ein bisschen erden kann. Und für mich ist gerade - wir stehen ja hier in meinem Arbeitszimmer - das ist für mich ein sehr wichtiger Raum, weil hier halt ganz viele Ideen passieren und ich mit denen spielen und arbeiten kann, sodass neues Material für die Band entsteht."

Das Projekt Moop Mama ist für Marcus Kesselbauer immer auch eine kleine Mission - gegen die soziale Kälte, für eine Aufwertung ungenutzter Plätze im urbanen Raum.

"Wir erobern den öffentlichen Raum zurück. Wir tragen die Musik da hin, wo sie gebraucht wird, nämlich bei den Menschen, die sich gerne mal von der Außenwelt abkapseln, mit ihren Stöpseln in den Ohren und wie wir es nennen: iPod-Ego-Beschallung. Es gibt viele Leute, die gar nicht mehr das Bewusstsein haben, dass Musik von Menschen gemacht wird."

Service:
Am 24. Juni 2011 ist das Debüt-Album "Deine Mutter" von Moop Mama auf dem neu gegründeten Münchner Label Millaphon erschienen. Die Band ist diesen Herbst auf Tour - in Konzerthallen, auf Festivalbühnen und im öffentlichen Raum.

Tourdaten:
24.10.2011 Frankfurt (Alte Brotfabrik)
26.10.2011 Trier (Casino)
28.10.2011 Köln (Luxor)
30.10.2011 Hamburg (Marx)
31.10.2011 Mühlheim an der Ruhr (Ringloschuppen)

Homepage von Moop Mama

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