Seit 23:05 Uhr Fazit

Sonntag, 17.11.2019
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Interview | Beitrag vom 11.10.2019

Grundrente Kritik an einer "Politik des fröhlichen Verteilens"

Benedikt Herles im Gespräch mit Dieter Kassel

Beitrag hören Podcast abonnieren
(Sven Simon/dpa/picture-alliance  )
Der Unternehmensberater und Buchautor Benedikt Herles fordert eine Reform des Rentensystems. (Sven Simon/dpa/picture-alliance )

Die Große Koalition ringt um eine Lösung beim Streitthema Grundrente. Angesichts der Debatte sorgt sich der Unternehmensberater Benedikt Herles um die Zukunftsfähigkeit des Rentensystems und fordert einen Kurswechsel.

Das Streitthema Grundrente steht heute im Mittelpunkt der Verhandlungen zwischen Union und SPD in Berlin. Eine Lösung ist dabei aber noch nicht in Sicht. Schon jetzt fließe zu viel Geld in den Sozialstaat und fehle für Zukunftsinvestitionen, kritisiert der Unternehmensberater Benedikt Herles, der das Buch "Zukunftsblind" verfasst hast. "Natürlich ist es richtig und ein Mandat der sozialen Marktwirtschaft, Alltagsarmut gezielt zu bekämpfen", sagte der Volkswirt.

Es sei nichts dagegen zu sagen, dass man Geringverdiener im Alter besser stelle. "Aber die Grundrente sollte eigentlich die Überschrift 'Konsumieren statt investieren' tragen." Schon heute werde knapp eine Billion Euro für Sozialausgaben ausgegeben. Das Geld fehle an anderer Stelle. "Wir leben in Zeiten epochaler Herausforderungen, man denke an den Klimawandel, an die digitale Transformation", sagte Herles. Das Geld werde für Investitionen in Energie, den Verkehr oder für die digitale Infrastruktur benötigt.

Zweifel am bisherigen Rentensystem  

Die Grundrente werde langfristig bis zu 4,8 Milliarden Euro im Jahr kosten und die Strategie der Bundesregierung zu Förderung von Künstlicher Intelligenz habe bis 2025 insgesamt nur drei Milliarden zur Verfügung. "Hier sehen wir ein klares Missverhältnis." Hinzu komme ein strukturelles Problem, denn das Rentensystem sei schon längst nicht mehr nachhaltig aufgestellt. Durch eine "Politik des fröhlichen Verteilens" werde die Lage noch verschlimmert. "Das kann man als junger Mensch, ich bin jetzt 35, einfach nicht gut finden."

Herles schlug vor, das Rentensystem zukunftssicher zu gestalten und stattdessen langsam den Einstieg in ein kapitalgedecktes System der Altersversorgung zu schaffen. "Wir sollten unseren Sozialstaat langfristig auf die richtigen Beine stellen."

(gem)

Benedikt Herles, Zukunftsblind. Wie wir die Kontrolle über den Fortschritt verlieren
Droemer-Knaur-Verlag 2018, 19,99 Euro

Interview

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur