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Studio 9 | Beitrag vom 05.06.2016

GrundeinkommenDie 1000-Euro-Lotterie

Von Manfred Götzke

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Michael Bohmeyer in den Räumen seines Vereins "Mein Grundeinkommen" in Berlin (picture alliance / dpa / Foto: Violetta Kuhn)
Michael Bohmeyer gründete den Verein "Mein Grundeinkommen", der Grundeinkommen von 12.000 Euro pro Jahr verlost. (picture alliance / dpa / Foto: Violetta Kuhn)

Gerade haben die Schweizer das bedingungslose Grundeinkommen mit großer Mehrheit abgelehnt. Der Berliner Michael Bohmeyer hat den Praxistest gemacht: Per Crowdfunding finanzierte sein Verein schon 43 Menschen ein monatliches Einkommen von 1000 Euro für ein Jahr.

Bedingungsloses Grundeinkommen: Diese Idee geistert immer mal wieder durch den politischen Raum. Sie hat Befürworter und Gegner in fast allen Parteien. Ökonomen haben sie durchgerechnet. In den letzten Jahren ist die Idee allerdings in den Schubladen verschwunden – bis Michael Bohmeyer kam. Er ist der erste, der diese Idee in Deutschland praktisch ausprobiert, jedenfalls in kleinem Rahmen.

Der 31-jährige Jungunternehmer aus Berlin hat vor knapp zwei Jahren ein Experiment gestartet: "Mein Grundeinkommen". Er hat Geld durch Crowdfunding gesammelt und jeden Monat ein bis zwei Grundeinkommen verlost – 1.000 Euro, zwölf Monate lang.

Mehr als 70.000 Menschen haben sich auf seiner Internetseite angemeldet – um Geld für das Projekt zu spenden oder um an der Verlosung teilzunehmen.

Michael Bohmeyer sagt: "Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die solidarischer miteinander sein kann, wo der Mensch nicht unter Ökonomisierungsdruck steht. Ich sehe das Grundeinkommen als ein wunderbares Mittel, um dahin zu kommen, dem Menschen zu sagen: 'Du brauchst Geld zum Leben, deswegen hast du hier Geld zum Leben. Wir vertrauen dir, dass das, was du damit tust, sinnvoll für dich und damit auch für die Gesellschaft ist.' Und damit entstehen neue Freiräume der Menschlichkeit."

Lust am Experiment

Wie hat das bedingungslose Grundeinkommen die glücklichen Bezieher in den letzten Monaten verändert? Warum spendet jemand 1000 Euro pro Monat an Leute, damit sie machen können was sie wollen? Was bewegt den Gründer dieses Experiments?

Michael Bohmeyer: "Mein erster Internet-Kommentar war: 'Eher friert die Hölle zu, als dass Menschen 12.000 Euro für jemand anderes crowdfunden.' Die Hölle ist nicht zugefroren! Stattdessen war nach drei Wochen schon das erste Grundeinkommen zusammen. Es gibt eine totale Lust daran zu experimentieren und mit unserem Projekt Politik mal ausprobierbar zu machen und einfach mal loszulegen."

In Deutschland beziehen mittlerweile 43 Menschen dieses Grundeinkommen. Dass die Schweiz heute als erstes Land über ein bedingungsloses Grundeinkommen abstimmt, ist für Michael Bohmeyer und seine Mitstreiter ein wichtiger Antrieb.

Mehr zum Thema:

Bedingungsloses Grundeinkommen - Was ist der Wert der Arbeit?
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 4.6.2016)

Glücklich mit Grundeinkommen - "Ein Geschenk und ein Ansporn"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 30.12.2015)

Gesellschaftliches Experiment - Finnland will bedingungsloses Grundeinkommen testen
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 29.12.2015)

Auf der Suche nach Geld - Bedingungsloses Schenken - ein Einkommensexperiment
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 16.11.2015)

Bedingungsloses Grundeinkommen - Niemand arbeitet mehr für sich selbst
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 24.10.2014)

Broterwerb - Ich arbeite, also bin ich
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 10.10.2014)

Interview

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