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Samstag, 15.12.2018
 
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Kulturnachrichten

Donnerstag, 19. April 2018

Grütters: Rücktritt Dercons war richtig

Grund für Rücktritt: Nötigen Neuanfang nicht finanzielle Notlage

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hält die Trennung von dem bisherigen Volksbühnen-Intendanten Chris Dercon für richtig. "Der Geburtsfehler ist nie geheilt worden", sagte Grütters. Sie habe Respekt davor, dass beide Seiten den Mut hatten, die Reißleine zu ziehen. Bei einer bedeutenden Personalscheidung wie der Volksbühnen-Intendanz brauche man Sachkunde und ein Gefühl für Tradition und Mitarbeiter des Hauses, erklärte Grütters. Daran habe es gefehlt. Laut Berliner Kulturverwaltung erfolgte die Trennung von Dercon nicht wegen der finanziellen Schwierigkeiten des Theaters. Dercons Dienstvertrag werde im gegenseitigen Einvernehmen zum 31. Dezember 2018 beendet. "Bis zu diesem Zeitpunkt erhält Chris Dercon die vereinbarte Vergütung", heißt es in der von Dercon und Kultursenator Klaus Lederer verbreiteten Erklärung.

Einheitsdenkmal soll 17 Millionen Euro kosten

Ursprünglich waren 10 Millionen Euro geplant

Das in Berlin geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal soll nochmals teurer werden als bisher angenommen. Die kalkulierten Kosten steigen von ursprünglich 10 auf jetzt 17,12 Millionen Euro. Zuletzt war mit rund 15 Millionen Euro gerechnet worden. Ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wollte die Zahlen nicht bestätigen. Die neue Summe geht nach Angaben des Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) aus einem Bericht von Grütters an den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor. Dieser hatte das schon seit Jahren geplante Projekt 2016 wegen des Kostenanstiegs vorübergehend gestoppt. Grund für den neuerlichen Aufschlag sind dem Bericht zufolge höhere Zuwendungen an die mit dem Bau beauftragte Agentur Milla & Partner sowie die teurere Sanierung des Sockels. Für den Verkauf des Grundstücks von Berlin an den Bund sei entgegen anderslautenden Berichten noch kein fester Preis vereinbart, hieß es mit Hinweis auf Grütters' Vorlage.

Plattenfirma lässt Zusammenarbeit mit Rappern ruhen

Bertelsmann Music Group zieht Konsequenzen aus Antisemitismus-Debatte

Nach Angaben eines Sprechers des Konzerns Bertelsmann soll die Zusammenarbeit mit den Musikern Farid Bang und Kollegah vorerst auf Eis gelegt werden. "Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen", sagte BMG-Chef Hartwig Masuch der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Bertelsmann Music Group (BMG) mit Sitz in Berlin hatte in Kooperation mit den Musik-Labels Banger Musik und Alpha Music Empire der Rapper Farid Bang und Kollegah das umstrittene Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" veröffentlicht. Die Musiker waren vorige Woche für das Werk mit dem Musikpreis Echo ausgezeichnet worden. Textzeilen hatten eine Debatte um Antisemitismus und den Echo ausgelöst. Nach eigenen Angaben plant die Musikrechte-Tochter des Medienunternehmens Bertelsmann ein Antisemitismus-Projekt an Schulen.

Uni Greifswald darf sich von Namenspatron trennen

Namenskritiker verweisen auf Ernst Moritz Arndts nationalistisches Gedankengut

Die Universität Greifswald darf sich von ihrem Namenspatron Ernst Moritz Arndt trennen. Das Land habe die von der Greifswalder Universität beantragte Namensänderung genehmigt, teilte das zuständige Bildungsministerium am Donnerstag in Schwerin mit. Die Grundordnung sieht künftig vor, dass die Hochschule den Namen "Universität Greifswald" führt. Die Diskussion um den Uni-Namen läuft bereits seit mehreren Jahren. Hauptargument für die Namensänderung war, dass wesentliche Positionen Arndts im Gegensatz zum Leitbild der Universität stünden. Der Schriftsteller und Greifswalder Geschichtsprofessor Ernst Moritz Arndt (1769-1860) hatte Anfang des 19. Jahrhunderts gegen die Besatzung Deutschlands durch Napoleon gekämpft. Seinen Namen trägt die Hochschule seit 1933. Die Verleihungsurkunde hatte der damalige NS-Politiker Hermann Göring unterzeichnet. Kritiker verweisen auf Arndts nationalistisches Gedankengut und antisemitische Tendenzen in seinen Schriften.

Neue Heimat für Gomringer-Gedicht

Die Zeilen sind seit Mitte der Woche in Bielefeld zu sehen

In Berlin soll das angeblich sexistische Gedicht von Eugen Gomringer auf einer Fassade übermalt werden, in Bielefeld hat es nun eine Zukunft: "Avenidas" schmückt seit Mitte der Woche die Außenwand der Jugendstil-Villa von Marcus und Helen Knauf in der ostwestfälischen Stadt. Mit den aus ihrer Sicht schlicht poetischen acht spanischen Zeilen über Blumen, Frauen und Alleen wollen die Eheleute auf etwa 12 Quadratmetern weißer Wandfläche ein Zeichen für die Kunstfreiheit setzen. Das Gedicht des Alice-Salomon-Poetikpreisträgers Gomringer steht seit 2011 an der Fassade der gleichnamigen Hochschule in Berlin. Es ist umstritten, seit vor zwei Jahren Studierende die Verse in einem offenen Brief als frauenfeindlich kritisierten. Nach einer langen und teils erbittert geführten öffentlichen Diskussion hatte das Hochschulparlament daraufhin im Januar beschlossen, das Gedicht bei einer Fassadenrenovierung im Herbst zu übermalen. Auch Gomringers Wohnort, das nordbayerische Rehau, will ein ähnliches Zeichen setzen und das Gedicht großflächig anbringen lassen.

ARD legt kein weiteres Sparpaket vor

Frist verstreicht am Freitag

Die ARD sieht derzeit keinen Spielraum für ein weiteres Sparpaket, ohne am Programm zu kürzen. "Die Vorstellung, dass wir jetzt schon zum 1.1.2021 erneut Hunderte Millionen ausweisen können, ist nicht realistisch", sagte der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm in München. Darin seien sich die ARD-Intendanten bei ihrer Hauptversammlung in Bremen einig gewesen. Den Bundesländern gehen die bisherigen, im vergangenen Herbst vorgelegten Pläne der öffentlich-rechtlichen Sender nicht weit genug. Die Rundfunkkommission der Länder verlangt von ARD und ZDF bis zu diesem Freitag eine Stellungnahme zu weiteren Einsparüberlegungen. Der Rundfunkbeitrag ist bis 2020 auf 17,50 Euro pro Haushalt im Monat festgelegt. Die ARD verlangt eine Erhöhung als Teuerungsausgleich ab 2021, ansonsten müsse es tiefe Einschnitte im Programm geben. Jeder Sender werde aber beim Sparen nicht nachlassen. So plane die ARD zum Beispiel ein gemeinsames Sendezentrum bei jedem künftigen Sport-Großereignis. Längerfristig sei auch eine Kooperation mit dem ZDF denkbar.

Weiteres Mitglied will Schwedische Akademie verlassen

Demonstration in Stockholm geplant, um Rücktritt aller Mitglieder zu fordern

Die Schriftstellerin Lotta Lotass habe formell beantragt, das aus 18 Mitgliedern bestehende Gremium zu verlassen, berichtete die Tageszeitung "Dagens Nyheter". Die Schwedische Akademie ist in einen Skandal um Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen den Mann von dem mittlerweile zurückgetretenen Mitglied Katarina Frostenson geraten. Frostenson und die Vorsitzende der Akademie, Sara Danius, traten vergangene Woche zurück. Zuvor hatten drei männliche Mitglieder - Klas Östergren, Kjell Espmark und Peter Englund - der Akademie den Rücken zugewandt, weil sie nicht Frostenson entlassen hatte. Der schwedische König und Schirmherr der Akademie, Carl XVI. Gustaf, sagte gestern, er wolle die Regeln der Akademie ändern, um mit dem Rücktritt von Mitgliedern fertig zu werden. Die Mitglieder gehören normalerweise ihr Leben lang zur Akademie. Lotass sagte "Dagens Nyheter" zufolge, der König habe "eine dringliche und weise Intervention" vorgenommen. "Mein Vertrauen in die Akademie als eine Institution ist intakt".

Lars von Trier kehrt zum Filmfestival Cannes zurück

Festival ergänzt Liste der Hauptwettbewerbsfilme

Der dänische Filmemacher Lars von Trier kehrt sieben Jahre nach einem Eklat zum Filmfestival in Cannes zurück. Außerhalb des Wettbewerbs wird er seinen Thriller "The House That Jack Built" präsentieren. In dem Drama spielen die Stars Matt Dillon, Bruno Ganz und Uma Thurman mit. Der Regisseur hatte 2011 für einen Eklat gesorgt, als er bei einer Pressekonferenz zu seinem Film "Melancholia" erklärte, er sympathisiere "ein bisschen" mit Hitler. Die Festivalleitung hatte ihn deshalb zur "persona non grata" erklärt. Das Filmfestival ergänzte außerdem die Liste der Hauptwettbewerbsfilme um drei Titel: "The Wild Pear Tree" des türkischen Regisseurs Nuri Bilge Ceylan", "Un couteau dans le coeur" des Franzosen Yann Gonzales und "Ayka" des kasachischen Regisseurs Sergey Dvortsevoy. Damit konkurrieren 21 Filme um die Trophäe. Das Festival dauert vom 8. bis zum 19. Mai. Jurypräsidentin ist die australische Schauspielerin Cate Blanchett.

AfD-Antrag gegen das Berliner Club "Berghain" gestoppt

Fachmagazin listet das "Berghain" unter den Top Ten der Clubs weltweit

Eine Attacke aus den Reihen der AfD auf den Berliner Club "Berghain" ist gescheitert. Eine Lokalpolitikerin hatte dafür plädiert, dem für Sex und Drogen bekannten Techno-Club die gewerberechtliche Erlaubnis zu entziehen. Das sorgte für Ärger und Spott, schließlich zog die Partei die Notbremse: "Der Antrag ist zurückgezogen", sagte der Sprecher des Berliner AfD-Landesverbands. In dem Antrag hieß es, ein neuer Betreiber müsse die Öffnungszeiten von 22.00 bis 06.00 Uhr morgens einhalten, "um einen drogenfreien Besuch unter Berücksichtigung eines natürlichen Biorhythmus" zu ermöglichen. Und: "Sexuelle Handlungen sind durch entsprechende Beleuchtung und Personal zu unterbinden." Der weltweit bekannte Club war jüngst nach einem «Spiegel»-Bericht über den Drogentod einer Besucherin aus den USA in die Schlagzeilen geraten.

Schriftsteller Dieter Lattmann gestorben

Lattmann gilt als Vater der Künstlersozialversicherung

Der Schriftsteller Dieter Lattmann ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Dies teilte der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Berlin mit. "Mit Dieter Lattmann verlieren wir eine große Persönlichkeit, die die bundesrepublikanische Zeitgeschichte mit geprägt hat", erklärte die VS-Vorsitzende Eva Leipprand. Der Schriftsteller und Kulturpolitiker gilt als Vater der Künstlersozialversicherung. In den späten sechziger Jahren führte er die Schriftsteller in einem Gesamtverband zusammen, als Gründungsvorsitzender des VS versuchte er, deren Anliegen in die Politik einzubringen. Lattmann selbst war auch parteipolitisch aktiv, von 1972 bis 1980 war er SPD-Bundestagsabgeordneter. Sein politisches Interesse und Engagement spiegelt sich auch in seinem literarischen Werk. Stellvertretend dafür stehen unter anderem "Die Einsamkeit des Politikers" und "Jonas vor Potsdam".

Bürgermeister kritisiert Inszenierung von "Mein Kampf"

Staatsanwaltschaft: Hakenkreuz-Symbole in Theateraufführung nicht strafbar

Die geplante Verwendung von Hakenkreuz-Symbolen während einer Theateraufführung von George Taboris Farce "Mein Kampf" in Konstanz stößt beim Kulturbürgermeister der Stadt auf Kritik. "Die Aktion ist offenbar durch die Kunstfreiheit gedeckt, der Intendant ist ausgewiesener Jurist. Aber hier werden Grenzen in verantwortungsloser Weise überschritten, die auch im Namen der Kunst nicht überschritten werden dürfen", sagte Andreas Osner. Er äußerte die Befürchtung, dass Besucher aus dem rechten Spektrum die Aufführung okkupieren und die Inszenierung mit den nationalsozialistischen Armbinden für sich ausschlachten könnten. Die Freikarten-Idee hat bereits für viel Kritik gesorgt.
Das Theater will Besuchern, die sich verpflichten, während der Vorstellung im Saal ein Hakenkreuz-Symbol zu tragen, freien Eintritt gewähren. Inszeniert wird das Stück von Regisseur Serdar Somuncu, die Premiere ist am Freitag, den 20. April.

Maler Max Weinberg tot

Der deutsch-israelische Künstler floh 1935 mit seiner Familie nach Palästina

Der Maler und Grafiker Max Weinberg ist tot. Der deutsch-israelische Künstler starb gestern im Alter von 90 Jahren. Das teilt das hessische Kunstministerium mit. Weinberg wurde 1928 in Kassel geboren, lebte seit 1959 in Frankfurt. Er wurde mit teils großformatigen grell-bunten Bildern bekannt, die an Graffiti erinnerten. Er liebte abstrakte Gestalten mit vielen Augen, Beinen und Brüsten.
Weinberg war 1935 während der NS-Herrschaft mit seinen jüdischen Eltern nach Palästina geflohen. Als 13-Jähriger verkaufte er dort schon Bilder auf der Straße. 1948 wurde er in Israel zum Militär eingezogen und nach Befehlsverweigerung unehrenhaft entlassen. Weinberg studierte 1954 an der staatlichen Akademie für Kultur und Künste in Tel Aviv, bevor er nach Deutschland zurückkehrte. Hessens Kunstminister Boris Rhein (CDU) würdigte Weinberg als jemanden, der anderen mit seinen Bildern neue Welten erschlossen habe. "Seine Werke waren so außergewöhnlich wie seine Persönlichkeit", erklärte er.

Gericht verlängert Hausarrest von Serebrennikow

Teilnahme am Filmfestival in Cannes verhindert

Ein Gericht in Moskau hat den Hausarrest des regierungskritischen Regisseurs Kirill Serebrennikow verlängert. Der Richter habe entschieden, dass der Arrest bis zum 19. Juli dauern solle, berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Durch die Verlängerung des Hausarrests wird es Serebrennikow nicht möglich sein, im Mai am Filmfestival in Cannes teilzunehmen. Sein Film "Leto" geht dort ins Rennen um die Goldene Palme. Serebrennikow wird in einem umstrittenen Verfahren vorgeworfen, zwischen 2011 und 2014 fast eine Million Euro an öffentlichen Geldern veruntreut zu haben. Ihm drohen zehn Jahre Haft. Der Film- und Theaterregisseur, der mehrmals am berühmten Bolschoi-Theater inszenierte, bezeichnete die Vorwürfe als absurd. Zahlreiche russische und internationale Künstler sprachen Serebrennikow ihre Unterstützung aus.

Art Cologne eröffnet

Die größte deutsche Kunstmesse hat begonnen

210 Aussteller aus 33 Ländern zeigen bis Samstag bei der 52. Art Cologne Werke zeitgenössischer Kunst sowie der klassischen Moderne. Dabei werden Arbeiten von über 2000 Künstlern angeboten, von großen Namen bis hin zu jungen Talenten. Die Art Cologne ist die älteste Kunstmesse der Welt. Sie wurde 1967 als "Kunstmarkt Köln" gegründet. Kunst auf einer Verkaufsmesse anzubieten, war damals eine ganz neue Idee, die schnell international kopiert wurde.

Goldener Zaunpfahl für Mädchen-Experimentierkasten

Kosmos erhält Negativpreis für Gendermarketing

Ein Experimentierkasten, der laut Hersteller Mädchen für Naturwissenschaften begeistern soll, ist mit einem Negativpreis für Gendermarketing ausgezeichnet worden. In dem rosafarbenen Set sind unter anderem Bastelanleitungen für einen drehbaren Kleiderständer und eine Waschmaschine enthalten. Die Publizistin und Linke-Politikerin Anke Domscheit-Berg sowie die Autoren Almut Schnerring und Sascha Verlan ("Die Rosa-Hellblau-Falle") haben dem Hersteller Kosmos in Berlin den Goldenen Zaunpfahl 2018 verliehen. Der Kasten komme unter dem Deckmantel der Gleichstellung daher, stelle aber "mal wieder Schönheit, Konsum und Mode als weibliche (Haupt-)Interessen in den Vordergrund", begründete die Jury ihre Wahl.

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Fazit

"Staatssicherheitstheater"Ein Ventil für Gegenwartsekel
Drei Männer lesen einen Stadtplan Berlin, den sie auf den Rücken eines vierten Mannes gelegt haben, der vor ihnen sitzt. (Harald Hauswald/Volksbühne Berlin)

In Leander Haußmanns "Staatssicherheitstheater" sieht unser Kritiker viele Männer mit Handtäschchen in krustigen Klamotten. Deren Stasi-Tätigkeit taugt Haußmann, um Abscheu über die Gegenwart auszudrücken. Doch mit dem Jahr 2018 hat das wenig zu tun.Mehr

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