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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 14.05.2016

Große Vogelschau im Deutschlandradio Kultur"Die Amsel zählt zu den Verlierern"

Moderation: Matthias Hanselmann

Eine Amsel badet. (picture alliance / dpa / Hinrich Bäseman)
Eine Amsel beim Bad. Die Vogelart hat es in Städten zunehmen schwer. (picture alliance / dpa / Hinrich Bäseman)

Auf dem Land schwindet der Lebensraum für Vögel dramatisch, aber auch typische Stadtvogelarten sind bedroht. Wir sprechen in unserem Spezial mit dem Vogelschutzexperten Lars Lachmann und dem Ornithologen Martin Flade über die Hintergründe – und rufen auf zur größten Vogelzählung Deutschlands.

Wissen Sie, welche Vögel in Ihrem Garten oder in Ihrem Stadtpark leben? Kennen Sie den Gesang eines Rotkehlchens oder eines Stieglitzes? Gerade jetzt im Frühjahr sind jede Menge Vögel aktiv – Zeit, sie zu zählen, bei der größten Vogelzählung Deutschlands.

Zum nunmehr neunten Mal präsentiert Deutschlandradio Kultur "Die große Vogelschau". Anlass ist die "Stunde der Gartenvögel" des Naturschutzbund Deutschland (NABU) vom 13. bis 15 Mai. Bei dieser Beobachtungsaktion sollen Vögel im heimischen Garten oder Stadtpark gezählt und die Ergebnisse dann dem NABU gemeldet werden.

"Vogelzählung ist wichtige Datenquelle"

"Die 'Stunde der Gartenvögel' ist eine wichtige Datenquelle", sagt der NABU-Vogelexperte Lars Lachmann. "Wir können dadurch Trends in den Siedlungsgebieten besser erkennen: Wo kommen welche Vögel häufiger vor, wo seltener?"

Im vergangenen Jahr meldeten über 47.000 Teilnehmer mehr als 1,1 Millionen Vögel in 30.700 Gärten und Parks. Auf Platz eins landete erneut der Haussperling, gefolgt von Amsel, Kohlmeise, Blaumeise und Star.

Seine Analyse: "Immer mehr Vogelarten passen sich an den Lebensraum Stadt an und besiedeln Gärten und Parks. Dadurch steigt dort die Artenvielfalt, obwohl die typischen Stadtvögel, die in Siedlungen brüten, besorgniserregend zurückgehen."

Dies zeige auch die letzte Zählung: "Zu den langfristigen Verlierern zählen Amsel, Rotkehlchen und Hausrotschwanz – ganz besonders Mehlschwalbe und Mauersegler."

Strukturwandel im Osten schadet Vögeln

"Die Siedlungsvögel machen es nicht mehr mit, dass immer mehr Bauerngärten verschwinden", sagt Martin Flade. Der Ornithologe ist Referent für Großschutzgebiete beim Landesamt für Umwelt des Landes Brandenburg. "Der Strukturwandel der Dörfer, der im Westen schon in den 60-er-, 70er-Jahren stattgefunden hat, kommt jetzt auch langsam im Osten an. Und dort, wo sich die Dörfer wandeln in reine Schlafdörfer, wo nur noch zum Wochenende die Großstädter rauskommen, die Leute pendeln, da haben wir eben keine Bauerngärten mehr, keine offenen Ställe, keine Misthaufen." Und damit weniger wichtigen Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Tiere.

Martin Flade hat drei Jahre das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin nördlich von Berlin geleitet; dort lebt er in dem Dorf Brodowin, einem wahren Vorzeigeort. In der Region brütet fast die Hälfte der etwa 265 Brutvogelarten in Deutschland, drei Adlerarten – See-, Fisch- und Schreiadler – kommen dort wieder vor; nirgendwo sonst brüten mehr Kraniche. Wenn er all die Vogelarten in seiner direkten Umgebung zählt, kommt er auf rekordverdächtige 173.

Der Landschaftsökologe hat über 20 Jahre lang ein Brutvogel-Monitoring koordiniert, bei dem 120 Vogelarten regelmäßig gezählt werden, um deren Bestandsentwicklung zu verfolgen. Seine Beobachtung: "Besonders die Lage der Brutvögel der Agrarlandschaft hat sich dramatisch verschlechtert, und dies noch einmal verschärft durch die Energie-Agrarwende um 2007. Diese wurde maßgeblich mitverursacht durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz und den dadurch stark forcierten Bioenergiepflanzen-Anbau, vor allem von Mais."

Seine Mahnung: Die derzeitige Energiepolitik sei "die Hauptgefahr für die biologische Vielfalt in Deutschland."

Die große Vogelschau im Deutschlandradio Kultur: Lars Lachmann und Martin Flade sind am Samstag, den 14. Mai von 9:05 Uhr bis 11 Uhr zu Gast bei Matthias Hanselmann und freuen sich auf Fragen rund um die Vogelwelt – und die Beobachtungen der Hörerinnen und Hörer. Beteiligen kann man sich unter der Telefonnummer 00800 2254  2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de – und auf Facebook und Twitter.

Informationen im Internet:

Über die NABU-Aktion "Die Stunde der Gartenvögel": 
www.stunde-der-gartenvoegel.de

Über das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin:
http://www.schorfheide-chorin-biosphaerenreservat.de

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