Mittwoch, 28.10.2020
 

Wortwechsel / Archiv | Beitrag vom 09.06.2017

Großbritannien nach der WahlGespalten Richtung Brexit?

Moderation: Birgit Kolkmann

Podcast abonnieren
Mit dem Wunsch nach schärferen Regeln beim Doppelpass rückt die Union von einem Kompromiss mit der SPD ab, wonach sich Kinder von Ausländern nicht mehr bis zum 23. Geburtstag für eine Staatsangehörigkeit entscheiden müssen (AFP/ Leon Neal)
Großbritanniens Premierministern Theresa May (AFP/ Leon Neal)

"Gewinner der Umfrage zum größten Eigentor ist klar: Theresa May", so kommentierte Ex-Fußballer Gary Lineker das Ergebnis der Unterhauswahl. Die konservativen Tories haben die absolute Mehrheit verloren. Dabei wollte die Premierministerin in zehn Tagen gestärkt die "Brexit"-Verhandlungen beginnen.

Den 8. Juni hat Theresa May für die vorgezogenen Neuwahlen im Vereinigten Königreich ausgewählt. Es sollte ein Befreiungsschlag für die Premierministerin vor den Austrittsverhandlungen mit der Europäischen Union werden. Sie erhoffte sich Rückendeckung und wollte ihre Mehrheit im britischen Unterhaus ausbauen. 650 Plätze sind dort per Direktwahl zu vergeben. 330 hatten die konservativen Tories bisher inne, nun haben sie die absolute Mehrheit verloren.

Innenpolitische Themen im Wahlkampf

Dabei sah es in den Umfragen lange nach deutlichen Zugewinnen aus, aber der Vorsprung schmolz. Nach den Anschlägen in Manchester und London wurde May im Wahlkampf von Oppositionsführer Corbyn vorgeworfen, dass sie in ihrer Zeit als Innenministerin rund 20.000 Polizeistellen abgebaut hat. Auch sozialpolitisch geriet May in die Defensive nach ihrer Sparankündigung, Rentner stärker an den Pflegekosten zu beteiligen. So überlagerten innenpolitische Themen die großen Fragen zur künftigen Rolle des Vereinigten Königreichs in Europa und der Welt.

Wie geht es weiter?

In zehn Tagen sollten die "Brexit"-Verhandlungen beginnen. May und Corbyn haben bekanntlich beide erklärt die EU zu verlassen, auch nach den Protesten von vor allem jüngeren Briten, Grünen und Liberal-Demokraten. Geht es jetzt nur noch um das Wie des Austritts? Welche Szenarien sind denkbar? Was würde die Trennung für beide Verhandlungspartner bedeuten? Gibt es Gewinner oder verlieren Vereinigtes Königreich und Europäische Union gleichermaßen? Ist das auch ein Rückschlag für den isolationistischen Kurs von Politikern wie Theresa May und Donald Trump?

Darüber diskutieren im Wortwechsel:

Eva Heidbreder, Politikwissenschaftlerin an der Otto von Guericke Universität Magdeburg

Nicolai von Ondarza, stellvertretender Leiter der Forschungsgruppe EU/Europa bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin

Thomas Cole, Politischer Analyst in London und Mitglied der Anti-Brexit-Organisation "Open Britain"

Moderation: Birgit Kolkmann

Mehr zum Thema

Kluger Schachzug? - Vorgezogene Unterhauswahl in Großbritannien
(Deutschlandfunk Kultur, Weltzeit, 07.06.2017)

"The New European" - Die Stimme der EU-Briten
(Deutschlandfunk Kultur, Weltzeit, 13.03.2017)

Theresa Mays Brexit-Strategie - Hohes Risiko
(Deutschlandfunk, Kommentare der Woche, 06.05.2017)

Wortwechsel

Zukunft der InnenstädteNiedergang oder Neuanfang?
Leeres Ladengeschäft mit geschlossenen, türkisfarbenen Vorhängen im Schaufenster, in der Innenstadt von Tübingen. (imago images / Arnulf Hettrich)

Den Einkaufsmeilen der Städte fehlt der Umsatz. Inzwischen hat vielerorts das Ladensterben ein bedrohliches Ausmaß angenommen. Die Pandemie ist dabei nur ein Teil des Problems. Die Citys müssen nicht weniger als sich neu erfinden.Mehr

Trumps AmerikaDie gespaltene Nation
Nachdem er positiv auf COVID-19 getestet worden war, versammelten sich Unterstützer des US-Präsidenten Donald Trump mit Flaggen und seinem Konterfei auf einem T-Shirt vor dem Walter Reed National Military Medical Center in Bethesda, Maryland.  (Getty Images / Alex Edelman)

Die USA haben die Wahl – und die Welt schaut gebannt auf ein Land, das polarisierter scheint als je zuvor: Die einen feiern Präsident Donald Trump als Heilsbringer, die anderen sehen in ihm eine Gefahr für die Demokratie. Halten die USA das aus?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur