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Montag, 17.12.2018
 
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Kulturnachrichten

Samstag, 27. Oktober 2018

Grisebach-Auktion erbringt 6,3 Millionen Euro

In Berlin geplantes Exilmuseum kann auf bedeutende Anfangsinvestition offen

6,3 Millionen Euro erbrachte die Versteigerung von mehr als 300 Werken aus dem Privatbesitz des Berliner Kunsthändlers Bernd Schultz. Damit war der Erlös, der der Gründung eines Exilmuseums zugutekommen soll, deutlich höher als ursprünglich geplant. Der Schätzwert der Sammlung sei um rund 1,3 Millionen Euro übertroffen worden, sagte Schultz dem rbb. Aufgrund des zu erwartenden Nachverkaufs rechne er damit, dass das Gesamtergebnis der Versteigerung noch auf sieben Millionen Euro steigen könnte. Besonders erfreut zeigte sich Schultz über den Verkauf einer Zeichnung von Käthe Kollwitz: Das Werk mit dem Titel "Abschied" habe 450.000 Euro erbracht, so der Kunsthändler. Das sei der höchste Preis, der jemals für eine Kollwitz-Zeichnung bezahlt worden sei. Das Geld soll nun komplett in den Aufbau des von Schultz initiierten Museums fließen. Es soll die Berliner Museumslandschaft erweitern und den 500.000 Menschen gewidmet sein, die Deutschland während der Nazi-Zeit verlassen haben. Viele von ihnen kehrten nicht mehr zurück. Die Schirmherrschaft für das Projekt hat Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller übernommen.

Hofer Filmtage: "Goldpreis" für Luzie Loose

Die 1989 geborene Loose erzähle von neuen Formen individueller Schuld

Für ihren Debütfilm "Schwimmen" über die "Generation Smartphone" erhält die Autorenfilmerin Luzie Loose den erstmals bei den Hofer Filmtagen vergebenen "Goldpreis". Die 1989 geborene und in Berlin aufgewachsene Loose erkenne den psychischen Stress der "Handy-Jugend" und erzähle von neuen Formen individueller Schuld, heißt es in der Begründung von Regisseur Edgar Reitz. "Bösartige Konkurrenzkämpfe und Mobbing bestimmen das Leben der Jugendlichen in Internetforen und sozialen Medien. Hier entsteht ein virtuelles Schlachtfeld, auf dem das Handy sich in eine gefährliche Waffe verwandelt", so Reitz. Der "Hofer Goldpreis" der Friedrich-Baur-Stiftung folgt auf den "Heinz-Badewitz-Preis" und wird für die beste Regieleistung bei einem ersten Langspielfilm verliehen. Die Ehrung besteht aus einem Goldbarren im Wert von rund 35 000 Euro und künstlerischer Beratung für den Preisträger.

Georg-Büchner-Preis an Terézia Mora verliehen

Autorin für ihre "eminente Gegenwärtigkeit und lebendige Sprachkunst" geehrt

Die Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Übersetzerin Terézia Mora hat in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis 2018 erhalten. Die 47-jährige deutsch-ungarische Autorin wurde laut Jury-Begründung für ihre "eminente Gegenwärtigkeit und lebendige Sprachkunst" ausgezeichnet, "die Alltagsidiom und Poesie, Drastik und Zartheit vereint". Mora kritisierte in ihrer Dankesrede eine Radikalisierung der Debattenkultur. In den vergangenen Monaten habe sich die öffentliche wie die private Rede in Deutschland in eine Richtung radikalisiert, "die uns zu recht besorgt sein lässt", sagte Preisträgerin. Der Büchner-Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und gilt als renommierteste Literaturauszeichnung in Deutschland. Außerdem wurden bei der Preisvergabe der Kunsthistoriker Wolfgang Kemp mit dem Sigmund-Freud-Preis und der österreichische Journalist und Schriftsteller Martin Pollack mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis geehrt. Pollak rief zur Einmischung auf, um die Meinungsfreiheit in Europa zu retten, die durch nationalistische Politiker etwa in Polen, Ungarn und Österreich bedroht sei. Merck- und Freud-Preis sind mit jeweils 20.000 Euro dotiert.

Lederer: Kultur muss Rückgrat gegen Rechts zeigen

Berlins Kultursenator kritisiert Konzertabsage des Bauhaus Dessau

Angesichts des zunehmenden Drucks von Rechts sieht der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) die Kultureinrichtungen der Bundesrepublik in der Pflicht. Diese müssten miteinander diskutieren, wie weit sie zurückweichen wollten, erklärte Lederer in der ZDF-Kultursendung "aspekte". "Wo kommen wir hin, wenn wir in dieser Richtung nicht Rückgrat zeigen?" Die Stiftung Bauhaus Dessau hatte ein Konzert der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet abgesagt, nachdem rechte Gruppierungen zum Protest gegen den Auftritt aufgerufen hatten. Lederer fand zu dem Vorgang deutliche Worte: "Wenn man das aufgibt, was das Bauhaus ausmacht, damit die Tapete heile bleibt, dann hat man die Idee verraten."

Festivalleiterin fordert freies Theater für München

Mushak: München sei nahezu die einzige Großstadt ohne freies Theater

Festivalleiterin Milena Mushak fordert zum 10. Jubiläum des Festivals "Politik im Freien Theater" ein freies Theater für München. "Es ist eine der ganz wenigen Großstädte in Deutschland, die so etwas nicht hat. Meines Erachtens wäre es wirklich wünschenswert, dass man die Freie Szene derart wertschätzt, dass man jetzt endlich, nach endlosen Debatten, dieses Theaterhaus doch wirklich mal auf den Weg bringt." sagte Mushak im Deutschlandfunk Kultur. Das freie Theater sei im Besonderen ein Ort, an dem politische Bildung passiere. Hier gäbe es auch einen Bildungsauftrag, der an der Lebenswelt der Leute andocken würde. Das Festival "Politik im Freien Theater" zählt zu den international wichtigsten Vernetzungstreffen der Freien Theaterszene. Initiiert wurde es vor 30 Jahren von der Bundeszentrale für Politische Bildung mit der Idee, die freien Theater als Diskussionsorte des politischen Geschehens zu stärken.

Motown-Gitarrist Wah Wah Watson gestorben

Der Musiker hatte unter anderem mit Michael Jackson und Marvin Gaye gespielt

Der Motown-Gitarrist Wah Wah Watson, der unter anderem Marvin Gaye und Michael Jackson begleitete, ist tot. Watson sei bereits am Mittwoch im Alter von 67 Jahren gestorben, berichteten US-Medien unter Berufung auf seine Ehefrau Itsuko Aono. "Er wird sehr vermisst werden, aber Musik ist für immer", sagte sie laut Mitteilung. "Wo auch immer er ist, er groovt." Woran Watson, der mit bürgerlichem Namen Melvin Ragin hieß, starb, wurde zunächst nicht bekannt. Er hatte seine Karriere als Studiomusiker für die Plattenfirma Motown begonnen. Der Benutzung des Wah-Wah-Pedals beim Gitarrenspiel verdankte er seinen Künstlernamen. Vor allem in den 70er und 80er Jahren feierte er solo und als Begleitung für berühmte Musikstars wie Marvin Gaye, Michael Jackson und den Bands The Temptations und The Supremes Erfolge.

Grüne: Bauhaus-Sprecherin ist „Bauernopfer"

Entscheidendere Rolle spielten Direktorin Perren und Kulturminister Robra

Die freigestellte Dessauer Bauhaus-Pressesprecherin Helga Huskamp ist nach Ansicht der Grünen-Politikerin Cornelia Lüddemann ein "Bauernopfer" in der Diskussion um die Absage des Konzerts von Feine Sahne Fischfilet. Im Kern gehe es in dem Fall um die Entscheidung über die Absage des Konzerts von Feine Sahne Fischfilet auf der Bauhausbühne, und die habe die Direktorin Claudia Perren nach einer Beratung mit Kulturminister Rainer Robra (CDU) getroffen. Die Rolle von Perren und dem Stiftungsratsvorsitzenden Robra sei für sie die entscheidende, betonte Lüddemann. Mit der Freistellung der Sprecherin hat die Diskussion um die Absage des Konzerts der linken Punkband am Bauhaus erste personelle Konsequenzen. Die Stiftung hatte ein ZDF-Konzert in der Reihe "zdf@bauhaus" mit der Band abgelehnt, nachdem rechte Gruppierungen zum Protest gegen den Auftritt aufgerufen hatten. Stiftungsdirektorin Claudia Perren hatte nach der anschließenden massiven Kritik Fehler bei der Kommunikation eingeräumt. Feine Sahne Fischfilet wird nun am 6. November in der Alten Brauerei in Dessau auftreten.

Kanadier gewinnt Joseph Joachim Violinwettbewerb

Wettstreit sei der Startpunkt für internationale Karrieren

Der 24 Jahre alte Geiger Timothy Chooi hat den mit 50 000 Euro dotierten ersten Preis des renommierten Joseph Joachim Violinwettbewerbs gewonnen. Der Kanadier habe sich gegen fünf weitere Finalisten durchgesetzt, teilte die Stiftung Niedersachsen mit, die den Wettstreit seit 1991 ausrichtet. Der 24-Jährige erhält außerdem eine besondere Leihgabe - eine Violine des italienischen Geigenbauers Giovanni Battista Guadagini aus dem 18. Jahrhundert. Darüber hinaus sind internationale Debütkonzerte und eine CD-Aufnahme mit dem Preis verbunden. Der zweite und dritte Preis gingen an Violinistinnen aus der Urkaine und Frankreich. Der Joseph Joachim Violinwettbewerb wird alle drei Jahre von der Stiftung Niedersachsen ausgerichtet. Der Wettstreit sei der Startpunkt für internationale Karrieren der Violinisten.

Thalia-Intendant Lux fordert Bekenntnis zu Europa

Dabei gehe es besonders um die gemeinsamen Ideale

Zum 175. Jubiläum seines Hauses fordert der Intendant des Hamburger Thalia-Theaters Joachim Lux ein klares Bekenntnis der Theater zu Europa. "Wir müssen uns zu Europa bekennen, nicht nur als Wirtschaftsraum, sondern zu seinen Idealen", sagte Lux der Deutschen Presse-Agentur. "Denn es gibt sie ja: Es sind die Ideale der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit." Der 60jährige, der das Thalia-Theater in Hamburg seit der Saison 2009/10 leitet, erläuterte: "Theater muss das eigene kulturelle Erbe schützen, bewahren und aus dem Geist der eigenen Gegenwart befragen." Dies sei wichtig, weil der Verlust des kulturellen Gedächtnisses zur Geschichtslosigkeit führe. Gleichzeitig dürfe sich Theater nicht aus der gesellschaftspolitischen Gegenwart davonstehlen, sondern müsse sich zu ihr bekennen. "Beides zusammen schützt gegen den Geist politischer Einfalt, der nicht nur in Deutschland, sondern leider in der gesamten westlichen Welt in Mode ist", meinte Lux.

Berliner Gefangenenzeitung feiert 50. Geburtstag

"der lichtblick" erscheint unzensiert und wird auch im Ausland gelesen

Die Berliner Gefangenenzeitung "der lichtblick" informiert seit 50 Jahren über den Knastalltag. Sie rechne nicht damit, dass die Themen ausgehen, schreibt die Redaktionsgemeinschaft in der Jubiläumsausgabe. Es bleibe Aufgabe, auf Missstände hinzuweisen. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Justiz ist es bundesweit einmalig, dass eine Gefangenenzeitung nicht zensiert wird. Am 25. Oktober 1968 erschien die erste Ausgabe. Heute ist es die bundesweit auflagenstärkste Gefangenenzeitung mit mehr als 8000 Exemplaren. "der lichtblick" erscheint mindestens viermal im Jahr. Es geht um den Gefängnisalltag, Rechtspolitik, Resozialisierung und Strukturprobleme im Vollzug. Die Redakteure sind Strafgefangene im Männergefängnis Berlin-Tegel. Auch in anderen Gefängnissen und im Ausland werden die Hefte gelesen.

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