Seit 15:05 Uhr Interpretationen

Sonntag, 23.09.2018
 
Seit 15:05 Uhr Interpretationen

Kompressor | Beitrag vom 14.03.2018

Grimme-Preis für Fernsehserien Privatanbieter setzen neue Maßstäbe

Michael Ridder im Gespräch mit Gesa Ufer

Podcast abonnieren
(Filmausschnitt: Sky Television)
Babylon Berlin, die Koproduktion von ARD und dem Pay-TV-Anbieter Sky, erhält einen Grimme-Preis. (Filmausschnitt: Sky Television)

Dem klassischen Fernsehfilm fehlt es an Phantasie, sagt Grimme-Preis-Jury-Mitglied Michael Ridder. Es gebe zu viel von den "ewigen deutschen Mittelstandsdramen". Daher wundere es ihn nicht, dass sich dieses Jahr Serien wie "Babylon Berlin" und "4Blocks" durchgesetzt haben.

Die diesjährigen Grimme-Preise sorgen nicht in erster Linie mit ihren Inhalten für Schlagzeilen, sondern vielmehr von wem sie produziert werden: Gleich drei Bezahlsender kommen in diesem Jahr mit ihren Serien zu Ehren.

So wird Netflix für seine Serie "Dark" ausgezeichnet, also ein Streamingdienst erhält für eine Serie eine Auszeichnung für Qualitätsfernsehen. Außerdem bekommen die historische Krimiserie "Babylon Berlin", die erste Koproduktion von ARD und dem Pay-TV-Anbieter Sky, und "4Blocks" des Bezahlsenders TNT Serie einen Grimme-Preis.

Kontroverse über Serie "4Blocks"

Nach Einschätzung des Medienjournalisten Michael Ridder, Mitglied der Auswahljury für die Grimme-Preise, herrschte bei der Debatte um die Preisvergabe innerhalb der Jury sehr große Einigkeit über die Auszeichnung von "Babylon Berlin" und "Dark". "4Blocks" dagegen sei ausgesprochen kontrovers diskutiert worden, betonte Ridder im Deutschlandfunk Kultur:

"Bei '4Blocks' hatten wir zwei Meinungen in der Jury: Die einen haben gesagt: 'Das ist ganz toll, das ist mutig, das ist wuchtig inszeniert, das zeigt uns Bereiche einer gesellschaftlichen Realität, die sonst immer ausgeblendet werden und das gibt auch Leuten Raum, die sonst nicht repräsentiert werden.' Die anderen haben das ins Gegenteil verkehrt und haben gesagt: 'Naja, also die Szene feiert sich hier selbst, da treten echte Rapper auf, die waren schon in echten Gefängnissen, und es ist cool und hip, Drogengeschäfte in Neukölln zu machen und das ist so eine große Saga, die so verklärt wird im West Side Story Stil.' Und diese Fraktion fand das sehr, sehr problematisch."

In der ARD oft nur die ewigen Mittelstandsdramen

Im Gegensatz zu den nun auf dieser Verleihung erstmals ausgezeichneten Streaming- und Serienproduktionen sei der klassische, deutsche Spielfilm aber wohl in der Krise, lautet die Einschätzung von Ridder.

"Der klassische 90-Minüter, diese Urform von ARD und ZDF, da fehlt es so ein bisschen an frischen Stoffen und es fehlt auch an Phantasie bei der Umsetzung dieser Stoffe, also diese ewigen deutschen Mittelstandsdramen mit Ehe und Familie - davon gab es nun einfach zuviel vom Selben, und wenn man dann 'Dark', '4Blocks' und 'Babylon Berlin' als absolute Ausnahme-Serien hat, dann ist natürlich klar, dass die sich durchsetzen", so die Einschätzung Ridders.

(sru)

Mehr zum Thema

"Drama Series Days" - Von libanesischen Gangstern und Meteoriten
(Deutschlandfunk, Corso, 20.02.2018)

Grimme-Preis-Nominierungen - Wenig innovative Fernsehformate
(Deutschlandfunk, @mediasres, 17.01.2018)

Serienjahr 2018 - Epische Stoffe und düstere Neuauflagen
(Deutschlandfunk, Corso, 08.01.2018)

Fazit

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur