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Fazit | Beitrag vom 20.07.2021

Greser & Lenz-Schau in Frankfurt am Main "Wir haben uns nie verbogen"

Heribert Lenz im Gespräch mit Marietta Schwarz

Die Zeichner Achim Greser und Heribert Lenz stehen in der Ausstellung "Ein Vierteljahrhundert Witze für Deutschland" (picture alliance / Bernd Kammerer)
"Jeder ist mal dran": die beiden Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz. (picture alliance / Bernd Kammerer)

Seit 25 Jahren arbeitet das Karikaturisten-Duo Greser & Lenz für die FAZ - eine Ausstellung in Frankfurt am Main zeigt nun ihre besten Arbeiten. Heribert Lenz über die Zusammenarbeit mit dem Blatt, Achtsamkeit und die Grenzen der Karikatur.

Seit nunmehr 25 Jahren erscheinen Zeichnungen des Karikaturisten-Duos Achim Greser und Heribert Lenz regelmäßig in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Eine Auswahl der besten Arbeiten ist nun in der Ausstellung "Greser & Lenz: Schlimm" zu sehen, die das Caricatura-Museum in Frankfurt am Main zeigt.

Der Fundus, aus dem das Museum rund 380 Zeichnungen ausgewählt hat, war riesig: insgesamt rund 2500 Karikaturen. Die Unmenge an lustigen Bildern zeigt schon, dass die Zusammenarbeit von Greser & Lenz mit der FAZ gut funktionieren muss. Es würden auch mal Ideen abgelehnt, berichtet Heribert Lenz. Das Blatt versuche aber nie, Einfluss zu nehmen: "Wir haben uns nie verbogen."

Hier geht es zur Denkfabrik 2021. Auf der Suche nach dem Wir. (Foto: Deutschlandradio / Malte Müller)

Die beiden Zeichner lebe zusammen in einem Haus in Aschaffenburg, jeder verfüge über ein Stockwerk, erzählt Lenz. Das Atelier befinde sich im Anbau, dort treffe er dann Achim Greser morgens. Jeder habe dann schon Zeitung gelesen und ins Internet geguckt. "Wir schauen nach Themen, die länger als einen Tag halten." Nach der Entwicklung einer Idee beginne dann einer zu zeichnen: "Jeder ist mal dran, das ist ausgeglichen."

Vom Klima bis zu Covid-19

Die Themen, mit denen sich das Duo beschäftigt, sind so vielfältig wie die Ereignisse der vergangenen 25 Jahre, das zeigt die Ausstellung. Sie reichen von der Klimadiskussion über das Erstarken des Rechtsextremismus bis hin zur Corona-Pandemie.

Im Mittelpunkt der Arbeiten stehen politische Akteure, aber auch der Mensch von nebenan. Und nicht zu vergessen die Tiere: Wie in ihrer Serie, die sie seit mehr als zehn Jahren zu juristischen Fragestellungen in der FAZ-Rubrik "Staat und Recht" veröffentlichen.

Ein Porträt der beiden Karikaturisten Achim Greser (r) und Heribert Lenz in ihrem Atelier in Aschaffenburg. (picture alliance / dpa / Boris Rössler)Achim Greser (r) und Heribert Lenz 2015 in ihrem Atelier in Aschaffenburg. (picture alliance / dpa / Boris Rössler)

Greser & Lenz lernten sich während ihres Grafikstudiums in Würzburg kennen und entdeckten dort ihr gemeinsames Interesse an der Karikatur, insbesondere an den Werken von F.K. Waechter, einem der zentralen Vertreter der Neuen Frankfurter Schule – für das Duo war dieser der "große Lehrmeister". Das gemeinsame Motto hieß: "Jeder Krieg hat seine Opfer, das gleiche gilt für den guten Witz."

Seit den 1980er-Jahren arbeiteten Greser & Lenz dann für die Satirezeitschrift "Titanic" und erlangten bundesweit große Bekanntheit durch die politischen Comicserien "Genschman" und "Die roten Strolche". Dort sind sie auch eher politisch beheimatet.

Was Witz und Ironie dürfen

Ihren Einstieg bei der FAZ vor einem Vierteljahrhundert hätten er und Greser ehemals natürlich mit der "Titanic"-Redaktion besprochen, berichtet Lenz. Die Reaktion: "Naja, das tut wahrscheinlich nicht länger als fünf, sechs Wochen gut." Sie seien dann aber überrascht gewesen, was die Redaktion an Zeichnungen alles genommen habe.

Die Grenzen der Karikatur? Diese Frage sei für sie geklärt, sagt Lenz: "Da denken wir nicht viel darüber nach." Doch was Witz und Ironie dürfen, werde gerade neu verhandelt.

Besonders in letzter Zeit tauchten "neue moralische Führer" auf, die die Grenzen neu bestimmen wollten - was man dürfe und was nicht und wie achtsam man sein müsse. "Wir haben das Gefühl, dass es im Moment zurückgeschraubt wird", so Lenz. "Das mag gut gemeint sein, aber ich glaube, das ist ein Riesenfehler." Es sei besser, heiter, mit Witz und auch mal grob miteinander umzugehen. Aus zu viel Achtsamkeit erwachse nur "leblose Sterilität".

(ahe/epd)

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