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Lesart | Beitrag vom 17.03.2021

Graphic Novel „Nachtgestalten“Das Wirtshaus als Inspirationsquelle

Jaroslav Rudiš im Gespräch mit Andrea Gerk

Ein kühles Bier auf einem schönen Tresen ist Kneipenkultur pur. (Unsplash / Radovan)
Bier lockert die Zunge, sagt Jaroslav Rudiš, und erzählt von seinen Biergesprächen. (Unsplash / Radovan)

Zwei Freunde ziehen durch die Nacht. Die Graphic Novel „Nachtgestalten“begleitet sie auf der Suche nach dem nächsten Bier, und nach Antworten auf die großen und kleinen Fragen des Lebens. Eine Hommage an das Wirtshaus.

Die Sehnsucht nach dem Tresen – war sie je größer als heute? In einer fernen Zeit, der Ära vor der Pandemie, als die Kneipe noch ein Ort der Begegnung war, spielt diese Geschichte von Jaroslav Rudiš. Ein großer dünner Mann und ein kleiner dicker Mann, von Nicolas Mahler perfekt gezeichnet, ziehen von einer Spelunke zur nächsten.

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Bewegt vom Bier, aber auch von Hoffnung und Verzweiflung, sinnieren sie über die Tragik des Lebens. Kurze Dialoge drehen sich um hoffungslose Liebe, aber auch um den Untergang der Familie im Holocaust und um das Ende der Geschichte. Die beiden retten sich in den Humor – wie ein Wisent zu leben, nur die Männer unter sich, das könnte die Lösung sein, sind sich die beiden Freunde einig.

"Keine kleine Geschichte"

Der Autor hat sich den Fragen, die seine beiden "Nachtgestalten" umtreiben, zuletzt in seinem 500-Seiten-Roman "Winterbergs letzte Reise" gewidmet. In seiner Graphic Novel nun kondensiert er diese Inhalte auf einen Dialog zwischen zwei alten Freunden, der "groß und klein zusammenbringt."

Dass Autor und Zeichner die Idee zu diesem Werk in einem Wiener Wirthaus kam, bei Bier und Schnitzel, sei kein Zufall, so Rudiš. Das Wirtshaus sei für ihn seine "Inspirationsquelle". "Das Wirtshaus ist der Ort, wo man 'ins Gespräch kommt', sich streitet und sich beim nächsten Bier wieder versöhnt."

Jaroslav Rudiš und Nicholas Mahler: "Nachtgestalten"
Luchterhand Literaturverlag, München 2021
144 farbige Abbildungen auf 144 Seiten, 18 Euro

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