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Tonart | Beitrag vom 07.02.2017

Grand Prix of Nations in BerlinInternationaler Chorwettbewerb in der Philharmonie

Von Matthias Nöther

(dpa picture alliance/ Britta Pedersen)
Die Berliner Philharmonie von außen (dpa picture alliance/ Britta Pedersen)

Seit 1988 trägt Interkultur internationale Chorwettbewerbe aus. In der vergangenen Woche fand der Grand Prix of Nations erstmals in Berlin statt: Dreißig Chöre aus 15 Ländern präsentierten in der Philharmonie ihr Können und ihre jeweilige Gesangskultur.

Mal schleudern sie die Töne unbekümmert in den Raum, mal singen sie ganz klassisch – und mit einer hierzulande kaum bekannten Vielfalt der stimmlichen Klangfarben: Von der Lysenko-Musikschule aus Kiew waren die etwa vierzig ukrainischen Schülerinnen im Alter von sieben bis fünfzehn Jahren angereist, um im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie am Grand Prix of Nations teilzunehmen. In kurzer Abfolge konnte man beim Wertungssingen in der vergangenen Woche urwüchsigen Folklorismus, aber auch leise und lyrische Vokalklänge vernehmen.

Traditionelle Trachten und bunte Kostüme

Aus Europa kamen sie, aus Russland, aus Fernost, aus Südamerika – aus großen Metropolen wie aus sehr kleinen Dörfern, mal in konventioneller Konzertkleidung, mal in traditionellen Trachten und bunten Kostümen. Optisch eher unauffällig, aber stimmlich höchst präsent war etwa der achtundvierzigköpfige südfinnische Kamu Mädchenchor, gegründet 2011 von dem Chorleiter Pekka Nebelung.

"Wir haben einen eigenen Raum nur für uns gemietet. Da proben die viel selber in der Woche. Die holen von mir den Schlüssel und gehen rein, wenn die halt proben wollen. Das passiert sehr oft. Aber eigentlich proben wir jede Woche den ganzen Sonntag. Mit verschiedenen Gruppen. Wir haben ja drei Gruppen. Und wir haben den Sonntag gewählt. Weil das ist ein Tag, an dem die Kinder nicht müde sind nach der Schule. Und dann wir haben echt den ganzen Sonntag für uns. Und das hat bis jetzt gereicht, auf jeden Fall."

Für den Veranstalter, das Unternehmen Interkultur, ist die reibungslose Organisation riesiger Chorwettbewerbe mittlerweile Routine. Ähnliche Veranstaltungen werden 2017 nach Berlin in dichter Folge auch noch in den USA, in Italien, Kroatien und Vietnam stattfinden.

Gastgeber in Berlin ist der Rundfunkchor

Keine Routine ist der Grand Prix of Nations dagegen für den Direktor des Rundfunkchors Berlin, Hans-Hermann Rehberg. Der Rundfunkchor fungiert als Gastgeber, Rehberg hat den Chorwettbewerb nach Berlin geholt. Schon lange verfolgt Rehberg die Veranstaltungen von Interkultur mit Begeisterung.

"Immer wenn ich bei den großen Chorsymposien war oder bei den Chorwettbewerben von Interkultur – wenn da so 300.000 Leute in einer Stadt zusammenkommen und miteinander singen und im Wettbewerb miteinander antreten: Da gibt es so viele Farben, so viele Facetten. Es ist auch gut für die Chorszene in Deutschland, einfach mal zu sehen: Was passiert anderswo, wie präsentiert man sich anderswo?

Es gibt Chöre im Bereich Folklore, die nicht einfach nur singen, sondern die Musik auch visualisieren. Und das mit so viel Energie und so viel Emotion, dass der Funke einfach überspringt."

Als eigenen Beitrag zum Grand Prix und als besonderes Ereignis gab der Rundfunkchor in der vergangenen Woche selbst einen Workshop. Laien-Chorsänger konnten sich mit einem eigenen Video bewerben, selbst in den Reihen des renommierten Berliner Chores zu sitzen und mit dem Chorleiter Nikolas Fink für eine Probenphase zu arbeiten.

Die Laien bringen Freude und Begeisterung in die Musik

Erarbeitet wurde etwa die Es-Dur-Messe von Josef Gabriel Rheinberger. Einige Teilnehmer, wie Elke Furé, kamen dafür extra nach Berlin.

"Die Arbeit ist wirklich sehr konzentriert – ich mag das Wort Disziplin nicht – also wirklich eine Arbeitsstimmung. Das macht mir viel Spaß. Das ist immer das Schwierige bei Laienchören, dass sehr schnell, kaum hat man den letzten Ton verklingen lassen, reden schon welche. Das ist immer schwierig: Wie leitet man das?"

Mit der Disziplin seiner Chorsänger hat Dirigent Nikolas Fink auch bei der Durchmischung von Laien und Profis keine Probleme – im Gegenteil.

"Was natürlich immer wieder sehr positiv ist mit den Laien, das merkt man jetzt hier ganz besonders, das ist halt die Freude und Begeisterung, die sie in die Probe mitbringen. Und für uns Profis ist das immer wieder eine ganz gute… ja, wie eine Erinnerung, dass die Freude an der Musik doch im Mittelpunkt stehen sollte. Und da sehe ich eigentlich auch schon den Mehrwert in dieser Zusammenarbeit für uns Profis."

Als Nikolas Fink dann zur Eröffnung und zum Abschluss der großen Wettbewerbskonzerte im Kammermusiksaal sämtliche Chöre des Berliner Grand Prix of Nations dirigierte, hatte er die ganze Breite weltweiten Laienchorsingens vor und hinter sich. Um diese Breite einmal zu einem einheitlichen großen Chorklang zu formen, hatte Interkultur bei dem lettischen Chorkomponisten Ēriks Ešenvalds extra eine Festivalhymne in Auftrag gegeben.

(Musik)

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