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Interview / Archiv | Beitrag vom 29.01.2018

Grammy-Verleihung Erfolge für den Hip Hop

Jens Balzer im Gespräch mit Dieter Kassel

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Kendrick Lamar beim Panorama Music Festival 2016 in New York. Der Musiker steht vor dunklem Hintergrund und macht mit einer Hand das Peace-Zeichen (imago stock&people/ Zumba Press)
"Der Auftakt gehörte Kendrick Lamar", so Musikkritiker Jens Balzer. (imago stock&people/ Zumba Press)

Erstmals stand der Hip Hop im Mittelpunkt der Grammy-Verleihung, diesmal in New York. Der klassische, weiße Gitarrenrock kam praktisch nicht mehr vor, sagt Musikkritiker Jens Balzer, den der politische Charakter der Show beeindruckt hat.

Die Grammys kamen zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder aus New York, der Geburtsstadt des Hip Hop. Da passte es, dass Rapper Kendrick Lamar fünf Preise gewann. Der Grammy für das beste Album des Jahres ging an den R&B-Sänger Bruno Mars - und fünf weitere Preise auch. 

Den Preis für das beste Album des Jahres bekam er für "24K Magic". Den Preis für den besten Song des Jahres erhielt er für "That's What I Like". Ein Schlag ins Gesicht wurde der Abend dagegen für den New Yorker Rap-Star Jay-Z, der mit acht Nominierungen als Favorit gestartet war, dann aber leer ausging.

Preis für Kraftwerk

Über einen Preis durften sich auch die deutschen Elektro-Veteranen von Kraftwerk freuen. Ihr Werk "3-D The Catalogue" wurde mit dem Grammy für das beste Dance-/Electronic-Album des Jahres ausgezeichnet. 2014 waren Kraftwerk beim wichtigsten Musikpreis der Welt bereits für ihr Lebenswerk geehrt worden. Der Preis in diesem Jahr wurde kurz vor Beginn der im Fernsehen übertragenen Live-Verleihung bekanntgegeben.

Auftakt für Kendrick Lamar

Neben der Musik war ein sehr politischer Abend. "Der Auftakt gehörte Kendrick Lamar", sagte Musikkritiker Jens Balzer im Deutschlandfunk Kultur. Er habe schon einmal vor zwei Jahren bei den Grammys für viel Aufsehen gesorgt, als er Sträfling in einer Chain Gang (Gruppe in Ketten) auftrat, das weiße Establishment und die rassistische Musikindustrie beschimpfte.

"Diesmal kam er mit einem Medley aus seinem neuen Album vom letzten Jahr mit einem Stück,  das heißt "Ex, Ex, Ex" und da geht es um den apokalyptischen Zustand der USA unter Trump, aber auch angesichts der eskalierenden Gang-Kämpfe in der schwarzen Community ."

Musikalischer Wandel

Der Musiker sei mit afro-afrikanischen Musikern vor wehenden US-Flaggen in einer Art militärischen Formationstanz aufgetreten. "Das war wirklich eine sehr dramatische Szene", sagte Balzer.

Für den politischen Hip Hop sei Lamar der prägende Künstler der letzten Jahre. "Das eigentlich spektakuläre war vielleicht noch nicht einmal Kendrick Lamar, sondern die Tatsache, dass überhaupt Hip Hop diese Show eröffnet wurde", sagte der Kritiker. "Das hat es eigentlich in der Geschichte der Grammys  noch nie gegeben." In allen wichtigen Kategorien hätten vor allem nicht-weiße Künstler gewonnen. Der klassische, weiße Gitarrenrock, der die Grammys über Jahrzehnte dominiert habe, sei bei der Preisverleihung eigentlich nicht vorgekommen. "Man muss da wirklich sehr genau gucken, um irgendwann mal eine elektrische Gitarre zu finden."

Zeichen für "MeToo"

Auch bei den Grammys setzen Musiker ein Zeichen für die "MeToo"-Bewegung. US-Sängerinnen wie Lady Gaga, Kelly Clarkson, Miley Cyrus und andere trugen in New York weiße Rosen auf dem roten Teppich, um ihre Solidarität für die Bewegungen zu zeigen. Kritiker Balzer fand dennoch auffallend, dass die Preisverleihung für die Musikerinnen eher enttäuschend verlief.

"Es gab sehr interessante Kandidatinnen, die nominiert waren, die sind dann im Zweifelsfall in den wichtigen Kategorien dann doch wieder Männern unterlegen." Balzer nannte als Beispiel Ed Sheeran, der den Preis für den besten Popsong bekommen habe. "Er hat vier Frauen deklassiert, die ich persönlich eigentlich interessanter gefunden hätte." In der Musikindustrie seien die patriachalischen Strukturen überwiegend noch intakt.    

Ein Überblick über ausgewählte Gewinner:

- Album des Jahres: "24K Magic", Bruno Mars

- Aufnahme des Jahres: "24K Magic", Bruno Mars

- Song des Jahres (Songwriter-Preis): "That's What I Like"

- Beste neue Künstlerin: Alessia Cara

- Beste Pop-Solodarbietung: "Shape of You", Ed Sheeran

- Beste Pop-Darbietung eines Duos/einer Gruppe: "Feel It Still", Portugal. The Man.

- Bestes traditionelles Pop-Gesangsalbum: "Tony Bennett Celebrates 90", mehrere Künstler

- Bestes Pop-Gesangsalbum: "Divide", Ed Sheeran

- Bestes Dance/Elektro-Album: "3-D The Catalogue" ("3D Der Katalog"), Kraftwerk

- Bestes Rock-Album: "A Deeper Understanding", The War on Drugs

- Bestes Alternative-Album: "Sleep Well Beast", The National

- Bestes Urban-Contemporary-Album: "Starboy", The Weeknd

- Bester R&B-Song: "That's What I Like", Bruno Mars

- Beste R&B-Darbietung: Bruno Mars

- Bestes R&B-Album: "24K Magic", Bruno Mars

- Beste Rap-Darbietung: Kendrick Lamar

- Beste Rap/Gesangsdarbietung: Kendrick Lamar feat. Rihanna, "Loyalty"

- Bestes Rap-Album: "DAMN.", Kendrick Lamar

- Bester Rap-Song: "HUMBLE.", Kendrick Lamar

- Bestes Country-Album: "From a Room: Vol. 1.", Chris Stapleton

- Bestes Musikvideo: "HUMBLE.", Kendrick Lamar

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