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Studio 9 | Beitrag vom 08.03.2016

Graffitikünstler-Jagd per Geo-ProfilingBanksy, wer bist du?

Von Jens-Peter Marquardt

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Ein dem Streetart-Künstler Banksy zugeschriebenes Bild zeigt den Apple-Gründer Steve Jobs als Flüchtling an einer Wand im illegalen Flüchtlingslager "Jungle" von Calais. (picture alliance / dpa / Jean-Pierre Brunet)
Ein dem Streetart-Künstler Banksy zugeschriebenes Bild zeigt den Apple-Gründer Steve Jobs als Flüchtling an einer Wand im illegalen Flüchtlingslager "Jungle" von Calais. (picture alliance / dpa / Jean-Pierre Brunet)

Banksy ist der bekannteste Street-Art-Künstler der Welt - und doch zugleich der unbekannteste, denn niemand weiß, wer hinter dem Pseudonym steckt. Doch britischer Geoprofiler wollen jetzt Banksys Geheimnis gelüftet haben.

Geo-Profiler jagen normalerweise Verbrecher, oder sie spüren die Ursachen rätselhafter Infektionen auf. Dass sie einen Künstler jagen, kommt eher selten vor. Aber die Methoden des Geo-Profiling könne man auch dafür nutzen, sagt der Biologe Steven Le Comber von der Queen Mary Universität in London:

 "In all diesen Fällen, in der Biologie, in der Verbrechensaufklärung, in der Medizin, suchen wir erst einmal in der Nähe, und nicht in der Ferne. Kümmern uns um die Orte, die bekannt sind, Wohnorte, Arbeitsplätze. Auch die von Freunden und Verwandten. Das ist kein Zufall – der Mensch ist einfach faul."

Bekannt sind die Orte, an denen Banksy seine Graffiti-Bilder hinterlassen hat: Hauswände, Mauern, Zäune, Tore.

Heißt Banksy Robin Gunningham?

Die Wissenschaftler nahmen 140 dieser Kunstwerke als Ausgangspunkt für ihr Profiling. Mit statistischen Methoden haben sie daraus die Konzentrationen und Wahrscheinlichkeiten für die Präsenz von Banksy ermittelt und mit den Adressen in Frage kommender Personen verglichen.

Ergebnis: Am wahrscheinlichsten heiße Banksy in Wahrheit Robin Gunningham. Gebe man bei Google Banksy und Gunningham ein, bekomme man 43.000 Treffer – auch, weil die Mail on Sunday vor acht Jahren nach einer eher konventionellen Recherche Banksy bereits als Robin Gunningham identifiziert hatte, den Absolventen einer Privatschule in Bristol.

 "Ich denke, dass man freier ist, wenn man unbekannt ist"

Die Geoprofiler stützen jetzt diese Annahme, unter anderem weil Banksys Bilder neben London besonders häufig in Bristol auftauchen. Banksy und Gunningham bestreiten allerdings, dass sie ein und dieselbe Person seien, und Banksys Anwälte haben dafür gesorgt, dass die Studie und die Pressemitteilung der Universität erst verspätet veröffentlicht werden konnten.

Mobster, ein anderer anonymer Street-Artist hat dafür Verständnis. Er sagte dem Sender Sky mit verstellter Stimme:

"Ich denke, dass man freier ist, wenn man unbekannt ist. Weil man dann keine Erwartungen erfüllen muss. Das ist eine Auswirkung unserer Erfolgs- und Starkultur, die die Dinge höher bewertet, als sie tatsächlich sind."   

Es könnte aber auch anders sein: dass nämlich gerade das Geheimnis um seine Person den Wert der Banksy-Werke nach oben treibt.

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