Seit 01:05 Uhr Tonart
Freitag, 27.11.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Wortwechsel / Archiv | Beitrag vom 22.12.2017

Gott und die Welt Religiös nicht nur zur Weihnachtszeit?

Moderation: Annette Riedel

Podcast abonnieren
Gottesdienst an Heiligabend 2011 in der Barockkirche der evangelischen Kirchengemeinde Schloß-Ricklingen bei Hannover. Pastor Christoph Dahling-Sander hält gemeinsam mit Mitgliedern der Gemeinde die Fürbitte. (imago/epd )
Weihnachtsgottesdienst in der evangelischen Kirchengemeinde Schloß-Ricklingen bei Hannover (imago/epd )

Fragen des Glaubens spielen derzeit vor allem in politischen Debatten eine Rolle. Offenbar gibt es Konfliktfelder zwischen "Staat" und "Religion". Wie groß muss und kann der "Sicherheitsabstand" zwischen Religion und Politik sein?

"Heidenrepublik Deutschland" nennt der Historiker Michael Wolffsohn die Bundesrepublik. Kaum jemand wisse mehr, warum Weihnachten überhaupt gefeiert würde. All jenen, in deren Augen Religion in der Moderne zum rein Folkloristischen verkommen ist, widerspricht der Soziologe Hans Joas. Er sagt: Das Religiöse sei in Deutschland und Europa keineswegs ungebremst auf dem Rückzug – anders als vorhergesagt. Er spricht von einer wieder erstarkenden "Macht des Heiligen".

Tatsache ist, dass nicht zuletzt durch Migranten, die mehrheitlich "Religion im Gepäck" mitbringen, die Frage nach dem Glauben neue gesellschaftliche und politische Relevanz bekommen hat.

Wie ist das Verhältnis zwischen den Religionen zu organisieren? Welche Konflikte birgt es? Wie groß muss und kann der "Sicherheitsabstand" zwischen Religion und Politik sein?

Darüber diskutieren:

Ellen Überschär, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, ehemalige Generalsekretärin des Evangelischen Kirchentages. Sie sagt: "Ich bin nicht für eine säkulare Gesellschaft. Dafür trete ich nicht ein, sondern ich trete für einen säkularen Staat ein."

Detlef Pollack, Religions- und Kultursoziologe und Sprecher des Exzellenz-Clusters "Religion und Politik" an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er sagt: "Wir haben starke Säkularisierungsprozesse in Westeuropa, aber nicht in dem Maße, dass wir davon reden, dass wir in einer Heidenrepublik leben oder dass Religion am Absterben wäre."

Abdel-Hakim Ourghi, in Algerien geborener Islamwissenschaftler, Islam-Reformer, Philosoph und Religionspädagoge. Er sagt: "Dass wir durch mehr Migranten Gott bei uns retten würden, das ist der falsche Ansatz. Es geht in erster Linie darum, was wir voneinander lernen können."

Michael Schmidt-Salomon, Philosoph und religionskritischer Publizist, Mitbegründer und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung. Er sagt: "Der Staat muss weltanschaulich neutral sein – das heißt, er darf natürlich Muslimen nicht verweigern, was er Christen gewährt."

Moderation: Annette Riedel

Mehr zum Thema:

Typisch deutsch? Weihnachten - "Alle fassen sich an den Händen und bedanken sich"
(Deutschlandfunk Kultur, Typisch deutsch?, 21.12.2017)

Weihnachten - Wenn alles perfekt sein soll – und dann eskaliert
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 20.12.2017)

Weihnachten - Jesus ist konsumkompatibel
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 15.12.2017)

Wortwechsel

Ökonomie in Corona-ZeitenErst Zusammenbruch, dann Neuanfang?
Das überegional bekannte Ausflugslokal Strand Perle am Hamburger Hafen ist während des Lockdown Light geschlossen -Das überegional bekannte Ausflugslokal Strand Perle am Hamburger Hafen ist während des Lockdown Light geschlossen -, Hamburg Hamburg Deutschland Elbstrand *** The supra-regionally known restaurant Strand Perle at the Port of Hamburg is closed during the Lockdown Light The supra-regionally known restaurant Strand Perle at the Port of Hamburg is closed during the Lockdown Light , Hamburg Hamburg Deutschland Elbstrand (www.imago-images.de)

Am Wochenende beraten die G20-Staaten über neue Formen der Zusammenarbeit im Umgang mit den wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Coronapandemie. Welche Instrumente könnten helfen, welche Wege müssen hier neu gefunden werden, um die Folgen zu mildern?Mehr

Nach der US-WahlWie nah oder fern ist uns Amerika?
Die Börse an der New Yorker Wall Street ist mit der US-Flagge geschmückt, die von Scheinwerfern angeleuchtet werden. (Picture Alliance / dpa / NurPhoto / John Nacion)

In ersten Analysen und Reaktionen auf die Präsidenten-Wahl in den USA fordern hierzulande viele Politiker ein neues Selbstbewusstsein Europas – in der Handelspolitik, aber auch in Sicherheitsfragen. Ist die US-Wahl insofern ein Weckruf für Europa?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur