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Kompressor | Beitrag vom 21.09.2021

Gothic CinemaWenn dunkle Wolken am Mond vorbeiziehen

Katharina Rein im Gespräch mit Massimo Maio

Filmszene aus "Sleepy Hollow": Eine Frau sitzt neben einem Kamin, Papier mit einer Zeichnung in der Hand, vor sich eine große Kerze. Sie schaut unsicher in Ruchtung des Betrachters. (picture alliance / United Archives/IFTN)
Ein Klassiker des Gothic Cinema: der Film "Sleepy Hollow" von Tim Burton aus dem Jahr 1999 (picture alliance / United Archives/IFTN)

Nein, Gothic Cinema ist kein unbekanntes Filmgenre: Der Begriff steht vielmehr für einen Stil, den man sowohl in Horrorfilmen als auch bei Harry Potter findet. Die Kulturwissenschaftlerin Katharina Rein hat diesem Filmzusammenhang ein Buch gewidmet.

Der Begriff "Gothic Cinema" ist auch Filmfans nicht unbedingt geläufig. Die Namen von Regisseuren, deren Filme man ihm zurechnen kann, aber schon: So hat beispielsweise Oscar-Preisträger Guillermo del Toro mit "Crimson Peak" ein Paradebeispiel für das Gothic Cinema gedreht. Auch Filme von Tim Burton kann man dem Gothic Cinema zurechnen.

Was aber ist Gothic Cinema? "Wir erkennen es, wenn wir es sehen", schreibt Katharina Rein in ihrem Buch "Gothic Cinema. Eine Einführung". Es sei weniger ein Genre, eher ein Filmstil und eine atmosphärische Stimmung, sagt die Kulturwissenschaftlerin.

Diese Stimmung gebe es auch in Harry-Potter-Filmen, die man gar nicht in die Ecke Gothic oder Horror stecken würde, aber die mit der typischen Atmosphäre spielten. Zum Gothic Cinema gehören laut Rein ein motivisches Repertoire und bestimmte Figuren. Ein sehr klassisches Beispiel sei "der Mond, an dem dunkle Wolken vorbeiziehen".

Die Gothic-Horror-Romanze "Crimson Peak" von Guillermo del Toro ist in den Augen von Rein ein Neo-Gothic-Film par excellence: Einerseits versammle er typische Figuren des Gothic Cinema, die auf die Literatur des 18. Jahrhunderts zurückgehen. Dazu komme die Ästhetik, etwa das typische Farbspiel des Italo Gothic mit sehr starken künstlichen Komplementärkontrasten. Der Film schaffe zugleich etwas Neues, etwa mit modernen Geistern, und kreiere dabei ein harmonisches Ganzes.

Wie Gothic und Horror sich unterscheiden 

"Die meisten Gothic-Filme sind auch Horrorfilme", sagt Rein. Dennoch könne man das Genre Horror von dem Stil Gothic abgrenzen. Ein Horrorfilm spiele mit Schockmomenten und könne zu jeder Zeit spielen, erklärt die Kulturwissenschaftlerin. Das Gothic Cinema arbeite mit Spannung und einer bedrückenden Atmosphäre.

Zudem seien Zeitlichkeit in Form eines starken Vergangenheitsbezugs, das Setting und die Ästhetik definierend. Der starke Bezug auf die Vergangenheit zeige sich auch bei den Figuren des Gothic Cinema, die durch Traumata aus der Vergangenheit geprägt seien.

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In Deutschland ist eher die Gothic-Musik und die Gothic-Subkultur bekannt, nicht der Filmstil. "Man kann Parallelen ziehen", so Rein, denn all das hänge zusammen, sei aber nicht miteinander zu verwechseln. Es gebe auch eine sehr starke Verschränkung: So sei etwa die Ästhetik aus Tim Burtons Filmen in den Kleidungsstil der Subkultur eingeflossen.

Kultur- und filmhistorisch ist aus ihrer Sicht am Gothic Cinema besonders spannend, dass es sich dafür interessiere, was am Rande der Gesellschaft passiert, und dass die Filme oft von marginalisierten Gruppen erzählen.

Katharina Rein: Gothic Cinema. Eine Einführung
Springer VS, Wiesbaden 2021
228 Seiten, 28 Euro

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