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Fazit | Beitrag vom 10.01.2020

Goslarer Kaiserring für Hans Haacke Der unbequeme Künstler

Susanne Pfeffer im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Hans Haacke steht in London vor seiner Skulptur "Gift Horse". (picture alliance / AP Photo / Matt Dunham)
Hans Haacke legt in seiner Konzeptkunst die Zusammenhänge zwischen Politik, Kapital und Kulturinstitutionen offen. (picture alliance / AP Photo / Matt Dunham)

Der deutsche Konzeptkünstler Hans Haacke ist ein Veteran politischer Kunst. Mit seinen Arbeiten ist der 83jährige immer wieder angeeckt, was auch damit zu tun hat, dass er unbequeme Dinge aufzeigt. Nun wird er mit dem Goslarer Kaiserring geehrt.

Warum Hans Haacke den Goslarer Kaiserring, einen der weltweit renommiertesten Preise für moderne Kunst, erst jetzt erhält, kann sich Susanne Pfeffer, Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main und Jurymitglied des Kunstpreises Kaiserring Goslar, auch nicht erklären.

Einer der wichtigsten Künstler der bildenden Kunst

Wichtig sei nur, dass er ihn nun bekäme, weil "natürlich Hans Haacke als einer der wichtigsten Künstler im aktuellen, aber auch im historischen Kontext der bildenden Kunst wirklich schon seit langem ein Kandidat für den Kaiserring hätte sein können." Darum habe sie sich sehr gefreut, dass sich die Jury dann sehr eindeutig für Haacke entschieden habe.

Das Herausragende an seinem Werk sei schon allein die Bandbreite seiner Arbeiten, so Pfeffer. Haacke hat unter anderem an der Documenta in Kassel teilgenommen, ist mit seiner Arbeit "Der Bevölkerung" im Reichstagsgebäude vertreten, und momentan läuft eine Einzelausstellung im New Museum in New York. Dabei legt er auch immer wieder den Finger in die gesellschaftliche oder politische Wunde.

Das zeigen, was verschleiert werden soll

"Er hat sehr viele Ausstellungen auch in Deutschland gehabt, die immer sehr umstritten waren, weil er eigentlich oft sehr offenkundige, sehr gesellschaftliche Zusammenhänge aufzeigt, die eigentlich für alle sichtbar wären, wenn sie nicht gerne verschleiert werden würden", sagt Pfeffer. Der Künstler habe sich beispielsweise schon ganz früh mit der Provenienzforschung beschäftigt, was in Deutschland leider erst in den vergangenen Jahren immer stärker betrieben worden sei.

Die Kunstinstallation von Hans Haacke "Der Bevölkerung" im Innenhof des Bundestags in Berlin. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)Die Kunstinstallation von Hans Haacke "Der Bevölkerung" im Innenhof des Bundestags in Berlin. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

Seine Arbeit "Der Bevölkerung" sei eine ganz wichtige Arbeit. Auch wenn die Kunstwerke aus der jeweiligen zeitlichen Begebenheit entstanden seien, hätten sie heute noch eine große Aktualität: "Er war beispielsweise auch ein Künstler, der sehr früh die Natur als Bestandteil der Gesellschaft betrachtet hat und sehr viele Arbeiten geschaffen hat, die heute fast noch zeitgenössischer denn je wirken, weil sie sich wirklich mit den Ökologien unserer Welt auseinandergesetzt haben."

(kpa)

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