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Mittwoch, 02.12.2020
 
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Kulturnachrichten

Freitag, 30. Oktober 2020

Kunstmuseen kritisieren Schließung

Die Direktorinnen und Direktoren deutscher Kunstmuseen haben die Schließung ihrer Häuser scharf kritisiert. Museen gehörten schon aufgrund der ohnehin vorhandenen Sicherheitsstandards zu den sichersten öffentlichen Orten, heißt es in einer Stellungnahme der Leitungen von bundesweit 36 Kunstmuseen und Kunst-Stiftungen. Die seit März entwickelten Hygienekonzepte hätten sich bewährt. Bei allem Verständnis für die Herausforderungen durch die Pandemie sei das die falsche Entscheidung. Die Schließung der Museen erscheine als symbolische Geste, heißt es weiter. Gerade in Zeiten der Pandemie sollten sie dem Publikum offenstehen und in ihrer Rolle gestärkt werden.

Appell: Bibliotheken müssen offen bleiben

Der Deutsche Bibliotheksverband hat an Länder und Kommunen appelliert, trotz steigender Infektionszahlen öffentliche Bibliotheken nicht zu schließen. Die Einrichtungen hätten strenge und der jeweiligen Situation angepasste Abstands- und Hygiene-Maßnahmen entwickelt und ihre digitalen Angebote erweitert, erklärte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Andreas Degkwitz, in Berlin. Gerade jetzt in der Zeit harter Einschränkungen seien die Dienstleistungen und Angebote der Bibliotheken ein wichtiger Beitrag zur Daseinsvorsorge. Vor allem Familien und sozial Benachteiligte seien mehr denn je auf diese Angebote angewiesen, so Degkwitz. Der Bibliotheksverband reagierte damit auf die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz. Dort wurden keine Maßnahmen zu Bibliotheken genannt. Die konkrete Ausgestaltung der Beschlüsse liegt demnach bei den einzelnen Bundesländern.

Kulturszene: Kritik an Corona-Maßnahmen

Die Akademie der Künste fordert mehr Differenzierung bei künftigen Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung. Sie erkläre sich zwar nach wie vor solidarisch mit den von Politik und Wissenschaft vorgegebenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie, teilte die Präsidentin Jeanine Meerapfel mit. Die erneute Schließung von Museen, Ausstellungen, Theatern, Konzertsälen und Kinos verursache aber gesellschaftlichen und kulturellen Schaden kaum absehbaren Ausmaßes. Die Akademie der Künste fordert, dass den hervorragenden Hygienekonzepten der Institutionen bei den künftigen Entscheidungen Rechnung getragen wird. Auch die Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen INTHEGA kritisiert, die absehbaren langfristigen Schäden würden in der kulturellen Infrastruktur der Städte und Gemeinden und in der einmaligen kulturellen Vielfalt Deutschlands kaum wieder zu beheben sein. Dies gelte auch für die Gastspieltheater, deren Programme für die Kultur im ländlichen Raum unverzichtbar seien, so INTHEGA-Präsidentin Dorothee Starke.

Berliner Philharmoniker: Petrenko warnt vor "Knockdown" für Kultur

Der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko, hat die Aussetzung aller Kulturveranstaltungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bis Ende November kritisiert. "Der erneute Stopp für unsere Konzerte ist aus meiner Sicht eine Maßnahme an der falschen Stelle", erklärte Petrenko. "Natürlich wollen wir alle dazu beitragen, dass sich das Virus nicht weiter verbreitet", sagte der Dirigent. "Wir müssen aber gemeinsam aufpassen, dass aus dem sogenannten Lockdown für die Kultur kein Knockdown wird, insbesondere auch für unsere freischaffenden Kolleginnen und Kollegen." Es sei sehr bitter, die Philharmonie wieder schließen zu müssen, erklärte Intendantin Andrea Zietzschmann. Mit Hygiene- und Schutzkonzepten, neuen Programmen und Ideen hätten die Philharmoniker bisher alles dafür getan, dass das Publikum gut und sicher aufgehoben sei.

Politologe und Aktivist Peter Grottian ist tot

Der Politologe und Aktivist Peter Grottian ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Das erfuhr die taz von Mitstreitern und Freunden des Verstorbenen. Seit 1979 bis zu seiner Emeritierung 2007 war Grottian, der in Wuppertal geboren wurde, Professor an der FU Berlin für Politikwissenschaft. Er war allerdings nicht nur in der Wissenschaft tätig, sondern galt als Enfant terrible der Berliner Protestkultur. Er engagierte sich zum Beispiel in Menschenrechts- und Bürgerrechtsorganisationen, bei Sozialprotesten, in globalisierungskritischen Bewegungen und gegen Rüstungsexporte.

Corona-Maßnahmen: Italiens Kulturszene protestiert

Den zweiten Tag in Folge haben in Italien Kulturschaffende gegen die Corona-Politik der Regierung und die Schließung von Theatern und Kinos protestiert. In Mailand, Turin, Genua, Rom und Neapel gingen Tänzer, Sängerinnen, Schauspielerinnen, Theaterdirektoren und andere Beschäftigte der Kulturszene in großer Zahl auf die Straßen. Die Mitte-Links-Regierung in Rom hatte die Schutzmaßnahmen angesichts stark steigender Infektionszahlen Anfang dieser Woche verschärft. Kultureinrichtungen wurden geschlossen, Bars und Restaurants dürfen nur noch bis 18 Uhr Gäste bedienen. Aufgerufen zu den Demonstrationen in über 15 Städten hatten mehrere Verbände und Gewerkschaften aus den Bereichen Show, Unterhaltung und Kommunikation. Die Beteiligten argumentieren, dass zum Beispiel die Theater wegen strenger Corona-Schutzkonzepte sichere Orte seien.

Elbphilharmonie: Teil-Lockdown prinzipiell richtig

Der Intendant der Hamburger Elbphilharmonie, Christoph Lieben-Seutter, hat Verständnis für den Teil-Lockdown und den damit einhergehenden weitgehenden Stillstand des kulturellen Lebens geäußert. "Es ist zwar schade um die vielen schönen Konzerte im November, aber ich halte die Entscheidung prinzipiell für den richtigen Weg, um die Pandemie in den Griff zu bekommen", sagte Christoph Lieben-Seutter der Deutschen Presse-Agentur. Nach Angaben seines Hauses fallen in den vier Wochen vom 2. November an 146 Veranstaltungen in der Elbphilharmonie und in der Laeiszhalle aus, "viele davon waren ausverkauft". Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hatte zuvor im ARD-Fernsehen gesagt, er halte etwa die Schließung der Elbphilharmonie für nicht zielführend. "Es ist aus meiner Sicht, aus virologischer Sicht, nahezu unvorstellbar, dass dort massenhaft Infektionen aufgetreten sind."

300 Millionen Euro zusätzlich für Deutsches Museum

Das Deutsche Museum in München erhält für seine Generalsanierung weitere 300 Millionen Euro vom Freistaat Bayern und dem Bund. Eine Vereinbarung zur Finanzierung sei jetzt unterzeichnet worden, teilte das bayerische Wissenschaftsministerium in München mit. Bund und Land stellen das Geld zu gleichen Teilen zur Verfügung, zusätzlich zu den 445 Millionen Euro, die schon bewilligt wurden. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) betonte, Deutschland sei ein Innovationsland. Dazu trügen auch Orte wie das Deutsche Museum bei, die frühere technische Neuerungen beinahe zum Anfassen zeigten und so Lust auf die Innovationen von heute und morgen machten. Das Deutsche Museum München wurde 1903 gegründet und ist mit 66.0000 Quadratmeter Ausstellungsfläche eins der größten Wissenschafts- und Technikmuseen der Welt.

Art Cologne wird auf April verschoben

Die schon einmal verschobene Art Cologne wird jetzt doch nicht ersatzweise im November stattfinden. Sie müsse wegen der neuen Corona-Regeln auf den 14. bis 18. April 2021 verschoben werden, teilte die Koelnmesse mit. April ist der reguläre Termin für die Messe. Art Cologne-Direktor Daniel Hug sagte, dass die Messe mit umfangreichen Maßnahmen eigentlich ausgezeichnet auf eine Ausrichtung unter Corona-Bedingungen vorbereitet gewesen wäre. "Von Seiten der Galerien und Händler kam viel Unterstützung und Vertrauen. Umso wichtiger ist es, dass wir mit der Verschiebung in den April neue Perspektiven für alle Beteiligten schaffen können." Alle bereits bezahlten Tickets würden erstattet, man müsse dafür nicht eigens aktiv werden. Die Art Cologne ist die größte deutsche Kunstmesse.

Jan Myrdal mit 93 Jahren gestorben

Der Schriftsteller und Herausgeber Jan Myrdal ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren, wie die Jan-Myrdal-Gesellschaft der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Den Angaben zufolge wurde der Literat am Donnerstag mit einer mutmaßlichen Blutvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert, ehe er am Freitagvormittag starb. Myrdal wurde am 19. Juli 1927 in Stockholm geboren und erlebte seinen Durchbruch als Autor 1963 mit dem Buch "Rapport från kinesisk by" ("Bericht aus einem chinesischen Dorf"). Viele seiner Werke wurden auch ins Deutsche übersetzt.

Greenwald steigt bei "The Intercept" aus

Der US-Journalist Glenn Greenwald ist im Streit aus dem von ihm mitbegründeten Journalismus-Projekt "The Intercept" ausgestiegen. Die Redaktionsspitze der Investigativ-Website habe sich geweigert, einen Artikel über den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden mit kritischen Abschnitten zu veröffentlichen, erklärte Greenwald. "The Intercept" wehrte sich gegen die Vorwürfe und warf Greenwald vor, "zweifelhafte Behauptungen" der Kampagne von US-Präsident Donald Trump wiederzugeben. Greenwald wollte nach eigenen Angaben einen Artikel veröffentlichen, in dem er Nachrichtenredaktionen eine positive Voreingenommenheit gegenüber Biden vorwirft. Konkret sei es um die distanzierte Berichterstattung über Korruptionsvorwürfe gegen Bidens Sohn gegangen. Glenn Greenwald hatte 2013 die von Edward Snowden weitergegebenen Geheiminformationen über die NSA-Überwachungsprogramme publiziert und war dafür mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden.

Auch Museen müssen im November schließen

Die Kultusminister der Bundesländer haben verfügt, dass auch Museen in den nächsten vier Wochen geschlossen bleiben. Das geht laut der Deutschen Presse-Agentur aus einem Beschluss hervor, den die Ressortchefs in einer Konferenzschaltung fassten. In der Vereinbarung von Bund und Ländern zur Verschärfung der Corona-Einschränkungen wurden die Museen bislang nicht explizit erwähnt. Vorgesehen ist offenbar auch, dass der Probebetrieb in den Theatern weitergehen kann. Damit soll ermöglicht werden, dass der Spielbetrieb im Dezember auch wieder aufgenommen werden kann. Bibliotheken, Archive und Musikschulen dürfen geöffnet bleiben.

Internationaler Hochhauspreis geht nach Schweden

Als weltweit innovativster Wolkenkratzer sind die Doppel-Türme "Norra Tornen" in der schwedischen Hauptstadt Stockholm ausgezeichnet worden. Das Wohngebäude erhielt in Frankfurt am Main den Internationalen Hochhauspreis. Die Jury hob die kastenartigen Betonfertigteilelemente hervor, mit denen die Fassaden der bis zu 125 Meter hohen "Nördlichen Türme" rings herum bestückt sind. Es handele sich um zeitlos-wegweisende Architektur, die einen Beitrag zu einem stimmigen Stadtgefüge leiste. Im Finale war auch ein Neubau im Frankfurter Bankenviertel, der "Omniturm" des dänischen Architekten Bjarke Ingels. Das Gebäude mit seinem charakteristischen Hüftschwung gehört damit nach Ansicht der Jury immerhin zu den fünf besten Wolkenkratzern der Welt. Der Hochhauspreis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird seit 2004 alle zwei Jahre von der Stadt Frankfurt, dem Deutschen Architekturmuseum und der DekaBank vergeben.

Reformplan für Stiftung Preußischer Kulturbesitz bis Sommer

Die Reformkommission für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) will bis zum Sommer 2021 eine Entscheidung zur künftigen Ausrichtung vorlegen. Darauf haben sich die Mitglieder auf ihrer ersten Sitzung verständigt. Das teilte Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Berlin mit. Es sei ihr wichtig, dass in die Reformdebatte nicht nur die Leitung der SPK und die Länder, sondern auch die Direktorinnen und Direktoren der Einrichtungen und die Mitarbeiter aktiv eingebunden würden, erklärte Grütters. Gemeinsames Ziel sei es, die Stiftung modern und zukunftsfähig zu gestalten, damit die Museen und Kultureinrichtungen ihr Potenzial besser entfalten können. Anfang Juli hatte der Wissenschaftsrat der Institution dringenden Reformbedarf attestiert und deshalb deren Auflösung in ihrer jetzigen Form empfohlen. Die einzelnen Häuser sollen künftig bei personellen, finanziellen und strukturellen Belangen eigenständiger werden.

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