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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 02.04.2008

Götterdämmerung in Zimbabwe

Von Günter Hellmich

Robert Mugabe  (AP)
Robert Mugabe (AP)

Robert Mugabes Herrschaft in Zimbabwe geht nun wohl ihrem Ende entgegen. Obwohl auch bei dieser Abstimmung wieder manipuliert und Druck ausgeübt wurde, hat es die Opposition offensichtlich geschafft, den greisen Diktator abzuwählen. Es ist allein noch an ihm dies nachzuvollziehen.

Nach allen Erfahrungen bei früheren Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Zimbabwe erscheint dies Ergebnis als ein kleines Wunder in den Annalen der afrikanischen Demokratiebewegung. Auch wenn man sich für die geknechtete Opposition freut - wenn Mugabe noch die volle Unterstützung seiner ZANU-PF und der Sicherheitskräfte hätte, sähe das Wahlergebnis anders aus. Hätte er mit den erprobten Mitteln anderer Potentaten ein ihm genehmes Resultat durchgesetzt.

Mit der fortschreitenden Korrosion der Wirtschaft und Gesellschaft Zimbabwes aber zerbröselte offensichtlich auch die Macht Mugabes. Eine Autorität, die sich wie bei anderen afrikanischen Führern immer noch aus den Tagen des Befreiungskampfes gegen die Kolonialherren legitimiert, nicht aus den Leistungen als Politiker eines unabhängigen Staates. Daraus erwuchs auch die Solidarität der südafrikanischen Führung, die Mugabe nicht in die Parade fuhr, als er schon längst zum politischen Irrläufer geworden war. Thabo Mbeki hat mit seiner Rücksicht auf Comrade Bob dazu beigetragen, dass es soweit kam wie es mit Zimbabwe gekommen ist. Im Interesse seines eigenen Landes, das ein Gutteil des Flüchtlingsstroms aus dem Nachbarland aufnehmen musste und muss, hätte er seinen Einfluß geltend machen müssen. Mittel und Möglichkeiten dazu hätten sich aus der gemeinsamen Mitgliedschaft in der Staatengemeinschaft SADC ergeben.

Nun wo es in Zimbabwe zu einer Entwicklung der Krise gekommen ist, in der über Chaos und gewalttätigem Machtkampf oder Wiederaufbau und demokratische Entwicklung entschieden wird, kann sich Pretoria seiner Verantwortung allerdings nicht mehr entziehen.Ebenso wenig die anderen Nachbarstaaten und – ja – auch China, das wegen des Boykotts des Westens immer mehr zum Wirtschaftspartner Mugabes wurde.

Zimbabwe ist in eine entscheidende Phase seiner Entwicklung eingetreten. Die Wiederholung einer Bürgerkriegssituation wie in Kenia ist allerdings auch im schlimmsten Fall nicht zu erwarten, weil hier die in afrikanischen Konflikten übliche ethnische Komponente fehlt. Mugabe und seine Kontrahenten gehören der gleichen Volksgruppe an. Ein schwacher Trost, aber ein Hoffnungsschimmer.

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