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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.04.2015

"goEast" in WiesbadenFilmemachen in Kriegszeiten

Nach einem Beitrag von Wolfgang Hamdorf

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Blick in einen Kinosaal in Mainz (dpa / picture-alliance / Fredrik von Erichsen)
Das Festival goEast stand dieses Jahr unter dem Motto Filmemachen in Kriegszeiten (dpa / picture-alliance / Fredrik von Erichsen)

Jedes Jahr treffen sich in Wiesbaden mittel- und osteuropäische Filmemacher beim "goEast"-Festival. Das Programm spiegelte eine durch kriegerische und friedliche Umbrüche gezeichnete Region.

Sehr unterschiedlich waren die Tonlagen und Stimmungen der Filme. Regisseur Želimir Žilnik, der für seinen Dokumentarfilm "Destination_Serbistan" mit dem Preis des Auswärtigen Amtes ausgezeichnet wurde, begleitete für seinen Film afrikanische Migranten auf ihrem Weg durch serbische Dörfer. Seinen Film sieht er als Kontrapunkt der Fernsehbilder über den hundertfachen Tod im Mittelmeer:

„Was wollen die Medien und die Politiker eigentlich mit solchen Bildern erreichen? Sie wollen zuerst einmal Angst erzeugen und dann so ein Gefühl der Dankbarkeit, dass Gott uns hier in Europa behütet. Wir sehen Sterbende und Verzweifelte und denken Gott sei Dank, dass wir nicht an ihrer Stelle sind."

Wie prägen Tabus und Geheimnisse unsere Gegenwart

Die junge Kroatische Regisseurin Tiha K. Gudac spürte in ihrem Dokumentarfilmdebüt "Goli -Nackte Insel" einem Familiengeheimnis nach – der Gefangenschaft ihres geliebten Großvaters in einem brutalen Arbeitslager des Tito-Regimes. In der Familie durfte darüber nie gesprochen werden. Gudac möchte die Auswirkungen des Schweigens auf die Betroffenen, aber auch auf die nachfolgenden Generationen zeigen: 

"Wie prägen die Tabus, die Geheimnisse, die Leichen im Keller die unterschiedlichen Schichten unseres Bewusstseins, unserer Gegenwart? Es ging mir in erster Linie darum zu verstehen."

Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, mit den gesellschaftlichen Brüchen und Umbrüchen, war der gemeinsame Nenner bei den 11 Spiel- und sechs Dokumentarfilmen im Wettbewerb. Der Hauptpreis wurde dem serbischen Regisseur Vuk Ršumović für seinen Film "Niemandskind" verliehen. Der Regiepreis ging an den halbdokumentarischen Spielfilm Koza des slowakischen Regisseurs Ivan Ostrochovský.

In "goEast" lagen auch dieses Jahr Geschichte und Gegenwart wie Gesteinsschichten aufeinander. Die Schatten längst vergangener aber nicht vergessener Unmenschlichkeiten neben der brutalen Realität aktueller Konflikte. Das macht das Festival in Wiesbaden zu einem faszinierenden Kaleidoskop einer durch kriegerische und friedliche Umbrüche gezeichneten Region.

 

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