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Radiofeuilleton - Kino und Film / Archiv | Beitrag vom 28.07.2013

Glück statt Wirtschaftskraft

Bhutan und das Bruttonationalglück

Von Noemi Schneider

Der König von Bhutan interessiert sich nicht fürs Bruttoinlandsprodukt. (picture alliance / dpa)
Der König von Bhutan interessiert sich nicht fürs Bruttoinlandsprodukt. (picture alliance / dpa)

In einigen Ländern der Welt steht das Streben nach Glück in der Verfassung. Aber nur im kleinen Königreich Bhutan wird das Bruttoglücksprodukt auch gemessen. Der Filmemacher Harald Friedl hat eine Dokumentation über dieses ungewöhnliche Land gedreht.

Auf über 2000 Metern Höhe, mitten im Himalaya-Gebirge zwischen Indien und China versteckt, liegt das Königreich Bhutan. Auf einer Fläche, so groß wie die Schweiz, leben 700.000 Menschen, die als die glücklichsten und friedliebendsten Menschen der Welt gelten.

Erst 1974 ließ der bhutanische König Touristen in das Land einreisen, 1999 wurden Fernsehen und Internet eingeführt und 2003 ein Mobilfunknetz. Hotelkonzerne und Fast-Food-Ketten sucht man bis heute vergebens in Bhutan, dem "Land des Donnerdrachens", wie es wegen der heftigen Stürme genannt wird.

1979 entgegnete der bhutanische König einem indischen Journalisten, der sich nach dem Bruttoinlandsprodukt des Landes erkundigte:

"Das Bruttoinlandsprodukt interessiert mich nicht. Mich interessiert das Bruttoinlandsglück!"

König führte "Index des guten Lebens" ein

Wirtschaftswachstum war für die Bhutaner nie eine entscheidende Größe, stattdessen führte der König den "Index des guten Lebens" ein, nachdem der Glücksfortschritt und die Zufriedenheit der Bewohner mit ihren Lebensverhältnissen als ausschlaggebend im internationalen Vergleich gelten.

Im März 2008 dankte der Drachenkönig freiwillig ab und erklärte die absolutistische Monarchie für beendet. Nach der Verabschiedung der Verfassung dürften die Bhutaner erstmals ihre Volksvertreter in die Nationalversammlung wählen. Die Suche nach dem Bruttonationalglück ist in der Verfassung fest verankert.

Artikel 9 Absatz 2: "Der Staat bemüht sich, jene Bedingungen zu fördern, die das Streben nach Bruttoinlandsglück ermöglichen."

Um das Bruttoinlandsglück zu ermitteln, befragen regelmäßig Forscher des Zentrums für bhutanische Studien eine Auswahl von Einwohnern, die durch den Computer ermittelt werden nach ihren Lebensverhältnissen und ihrer Zufriedenheit.

"Auf einer Skala von 0 bis 10: 0 bedeutet, Sie sind todunglücklich, 10 bedeutet, Sie sind rundum glücklich. Wie ist das für Sie? Wie stufen Sie ihr Glück ein?"

Glücklich mit ihrer ersten demokratisch gewählten Regierung, die sich hauptsächlich aus Abgeordneten der Partei für Frieden und Wohlstand zusammensetzte, waren die Bhutaner allerdings nicht. Bei den Parlamentswahlen am 13. Juli 2013 wählten die Bhutaner ihre amtierende Regierung ab und beförderten die oppositionelle Volksdemokratische Partei auf die Regierungssitze.

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