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Studio 9 | Beitrag vom 12.07.2018

GlosseEine Liebeserklärung an die Badelatsche!

Von Julius Stucke

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Ein Badelatsch im Fokus (imago stock&people)
Ein Badelatsch im Fokus (imago stock&people)

Schlappe vor Gericht: Puma hatte juristisch versucht, Dolce & Gabbana den Verkauf von Luxus-Badeschlappen mit Fellriemen zu verbieten - und verlor. "Latsche - ick liebe dir", meint Julius Stucke in seiner Glosse - trotz des Streits.

Du, Latsche, es schmerzt mir tief unter den Sohlen. Ich kann es kaum ertragen, mitanschauen zu müssen, wie man Dich vor Gericht zerrt, sich um Dich streitet. Wem Du gehörst? Wer der Erste war? Wer ein Recht auf dich hat? Dabei weiß doch jeder: Liebe kann man nicht besitzen. Die gehört keinem. Ja, Latsche, es brennt mir auf den Zehennnägeln endlich 'mal zu sagen: Ich liebe Dich, Latsche!

So. Das musste mal raus. Jetzt fühle ich mich besser. Iirgendwie befreit. Freiheit ist es doch, wofür Du stehst. Ewigkeiten schon verhalten wir uns wie zivilisationskrankes Fußvolk. Zwängen unsere Füße in Socken, enge Lederschuhe – und dann? Kommt der Fußgeruch und wir trauen uns erst recht nicht wieder raus aus dem Schuh. Ein Teufelskreis, der immer absurdere Schuhformen hervorgebracht hat. Stiefel. Stiefelletten. Springerstiefel. Gummistiefel. Moonboots... Aber du bist Widerstand – gegen die Norm. Du gibst unseren Zehen die Freiheit zurück.

Es sind die anderen, die aggressive Geräusche machen

Latsche – ick liebe Dir! Denn Stadtmode hieß im vergangenen Jahrzehnt ja: Trend ist es erst, wenn es hässlich, blöd und - ja, ganz ehrlich – scheiße aussieht. Je oller je doller. Aber in diesem Sommer sehe ich immer mehr junge Menschen, die sich diesem Trend entgegenstellen und selbstbewusst gut gekleidet: Latschen tragen! Ein so elegantes Accessoire. Während die anderen aggressive Geräusche machen. Absatzschuhe zum Beispiel: Wenn das hinter mir auftaucht, fühle ich mich direkt verfolgt, gehetzt, unruhig. Du hingegen strahlst Ruhe aus, Geborgenheit. Ein Anker in unserer hektischen Welt.

Der Seehofer unter den Badelatschen

Latsche – ich liebe Dich. Dafür, dass Du auch pure Politik bist. "Bodyshaming? Nicht mit mir!" So wie junge Feministinnen BH-freie Tage fordern, rufe ich: Jeder darf seine Füße in der Öffentlichkeit zeigen. Ob pedikürt oder nicht. Ob gerade oder krumm. "Zeigt her Eure Schwielen, zeigt her eure Hornhaut, tragt eure eingewachsenen Zehennägel mit Stolz!" Du bist bodenständig. Geerdet. Du bist der Jesus unter den Tretern. Und trotzdem elegant. Das Cabrio unter den Fußmöbeln bist du doch schon immer – warum nicht in Zukunft auch mal Extravaganz? Die Bänkervariante aus echtem Schuldnerleder! Oder das Modell Grenzenlos: von junge Flüchtlingen auf dem Weg nach Europa eingelatscht! Die Trumpilette: Eine Latsche die gar keine ist. Oder die Sozenschlappe: Läuft von selber ein. Das Modell Martin Schulz: "Hat jemand meine Schlappen gesehen?" Und zuletzt Die Badelatsche Seehofer: Gibt erst nach 69 ahren den Geist auf!

(sru)

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