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Interview | Beitrag vom 23.09.2021

GesundheitWie der Klimawandel die inneren Organe gefährdet

Jan Galle im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Ambulante Dialyse im Dialyse-Zentrum des Dominikus Krankenhauses Heerdt, Nordrhein-Westfalen: Patient und Krankenschwester bei der Blutwäsche. (picture alliance / dpa / imagebroker / Oliver Ring)
Wie klimafreundlich ist die Dialyse? Die Krankenhäuser könnten ressourcenschonender arbeiten, sagt der Nierenarzt Jan Galle. (picture alliance / dpa / imagebroker / Oliver Ring)

Der Nierenarzt Jan Galle warnt vor den Folgen des Klimawandels für die Gesundheit. Besonders ältere Menschen, die kein gesundes Durstempfinden mehr hätten, drohten in Hitzeperioden innerlich zu vertrocknen.

Der Klimawandel beschäftigt schon länger auch die Ärztinnen und Ärzte. Wenn die Temperaturen steigen, wird der Körper neuen Belastungen ausgesetzt.

Auch der Nierenexperte Jan Galle denkt verstärkt darüber nach und ist gerade dabei, eine Kommission "Klima und Niere" zu gründen.

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Die Niere müsse durchblutet werden - und um das zu können, brauche der Körper Wasser, sagt Galle. Wenn es zu wenig Körperwasser gebe, arbeite die Niere nicht mehr gut. Wenn es nun heißer werde, brauche der Mensch mehr Wasser als bisher.

Erwachsene hätten ein "relativ gesundes Durstempfinden", erklärt der Direktor der Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren am Krankenhaus Lüdenscheid. Sie tränken dann einfach mehr.

Doch auf sehr kleine Kinder und ältere Menschen treffe das nicht zu. Während das Trinken bei den Kindern zumeist von den Eltern kontrolliert werde, gebe es bei Senioren das Phänomen, dass diese in Hitzeperioden innerlich vertrockneten.

Dem akuten folgt das chronische Nierenversagen

Das kann laut Galle zu akutem Nierenversagen führen und wenn es öfter passiert, auch zu chronischem. Die Niere selbst könne sich nur bedingt anpassen, betont er.

Das ist der medizinische Hintergrund, warum Nierenärzte den Klimawandel immer mehr in den Blick nehmen. Der andere: Nephrologen wie Galle sehen sich in einer Vorbildfunktion. Mediziner trügen große Verantwortung, sie könnten auch in Bezug auf den Klimawandel etwas bewegen, betont er.

So kann zum Beispiel das gesamte System der Dialyse daraufhin überprüft werden, wie klimafreundlich es ist. Wasser- und Energieverbrauch, Einwegmaterial und Patiententransporte: Es gebe viele kleine Hebel, an denen die Nephrologie ansetzen könne, um ressourcenschonender zu arbeiten, betont Galle.

(ahe)

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