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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 13.08.2021

Gesine Schwan über die Bundestagswahl"Scholz ist der zukünftige Kanzler"

Moderation: Korbinian Frenzel

Bundesfinanzminister Olaf Scholz wird bei dem Besuch eines Stahlwerks in Hamburg von Journalisten befragt. (Imago / photothek / Xander Heinl)
Der Kandidat erhält viel Aufmerksamkeit: Bundesfinanzminister Olaf Scholz wird bei dem Besuch eines Stahlwerks in Hamburg von Journalisten befragt. (Imago / photothek / Xander Heinl)

In Umfragen legt die SPD derzeit zu, auch Kanzlerkandidat Olaf Scholz steht gut da. Die SPD-Politikerin Gesine Schwan über einen Mann, der möglicherweise bald viel Überzeugungsarbeit bei den Liberalen leisten muss.

Nach einer neuen Umfrage für das ZDF-Politbarometer sieht die Forschungsgruppe Wahlen die SPD und ihren Kanzlerkandidaten im Aufwind. Olaf Scholz sei "wieder ernsthaft im Rennen", heißt es beim Mannheimer Meinungsforschungsinstitut.

Hier geht es zum Literatursommer von Deutschlandfunk Kultur. (Foto: imago / fStopImages / Malte Müller)

Die Sozialdemokraten haben demnach bei der Bundestagswahl am 26. September eine realistische Chance, die Grünen zu überrunden. Damit habe die SPD wieder eine Machtoption, so die Forschungsgruppe. Nach der Umfrage kommen die Sozialdemokraten auf 19 Prozent und liegen nun gleichauf mit den Grünen.

Die SPD wittert also Morgenluft – und laut der SPD-Politikerin Gesine Schwan liegt das sowohl am Versagen der Konkurrenz als auch am Zugewinn eigener Kraft. Die Spitzenkandidaten von CDU und Grünen, Armin Laschet und Annalena Baerbock, hätten viel falsch gemacht, und das nachhaltig, meint Schwan.

Baerbock etwa habe einen großen Teil ihrer Autorität verloren, und Laschets Verlautbarungen seien "überraschend nichtssagend". Die eigene Partei sieht Schwan dagegen gestärkt. Die SPD habe vieles richtig gemacht und "neue Substanz" aufgebaut. In dem Trio Laschet – Baerbock – Scholz sei Letzterer der fähigste Kandidat und damit auch "der nächste Kanzler".

Die SPD streitet derzeit nicht

Zur "neuen Substanz" der SPD gehört auch, dass es derzeit kaum offenen Streit in der Partei gibt. Die ungewöhnliche Ruhe sei aber kein "Burgfrieden, um die Wahl zu gewinnen", betont Schwan: "Die Partei steht nicht gegen Olaf Scholz."

Dieser habe sich aber ausbedungen, im Wahlkampf allein im Mittelpunkt zu stehen. Das sei einerseits plausibel und verständlich, berge aber auch die Gefahr des Personenkults und von Ermüdungserscheinungen, meint Schwan.

Die SPD wird nach dem derzeitigen Stand der Umfragen vor allem dann eine Chance haben, den Kanzler zu stellen, wenn sie stärker als die Grünen wird und die FPD von einer rot-grün-gelben Koalition überzeugen kann. Ob ihr das gelingt, steht aber noch in den Sternen. Für den FDP-Mann Wolfgang Kubicki ist Scholz von seinen Fähigkeiten her zwar ein respektabler Kandidat, doch die SPD selbst sei ein "Trümmerhaufen". Rot-Grün-Gelb hält Kubicki deswegen für unwahrscheinlich (AUDIO).

(ahe/mit Material von rtr)

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