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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 24.01.2019

Gesellschaftliche Bewertung von MüllDie Stadt der letzten Dinge

Von Christian Conradi

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Sperrmüll in Berlin (imago/Jürgen Ritter)
Eine regelmäßige Sperrmüllabholung gibt es in Berlin nicht und vieles landet auf der Straße. Nach dem Motto: Irgendeiner wird sich wohl schon darum kümmern. (imago/Jürgen Ritter)

Möbel, Kühlschränke, Matratzen - gerade in Großstädten wie Berlin gehört der Sperrmüll auf Gehwegen mit zum Stadtbild. Für die einen ist das täglicher Ärger. Unser Autor hat sich diesem Entledigen von Dingen philosophisch genähert.

Wer schon mal durch Berlin spaziert ist, dem sind sie sicher aufgefallen: Die vielen Dinge, die auf Gehwegen und an Straßenrändern abgestellt und illegal entsorgt wurden. Pappkisten voller Bücher, alte Kleidung, Fahrräder, Fernseher, Möbel. Vieles, was nicht mehr gebraucht wird, landet irgendwann auf der Straße, denn eine regelmäßige Sperrmüllabholung gibt es in Berlin nicht.

Der Unrat wird zum Sinnbild einer ständigen Neubewertung

Dieser offensichtliche Makel, den diese beispiellose Vermüllung darstellt, eröffnet aber auch eine interessante philosophische Perspektive, denn der Unrat auf Berlins Straßen wird zum Sinnbild einer ständigen Neubewertung dessen, was Wert und wertlos bedeutet.

Denn wo Abfall ist, ist Ordnung. Abfall ist das Nebenprodukt des systematischen Ordnens und Klassifizierens von Dingen. Ordnung und Unordnung bedingen einander, weil die Ordnung, auf die wir uns verständigt haben durch das, was sie ausschließt bestimmt wird. Soziale Systeme organisieren sich über die Übereinkunft von ‚dauerhaft‘ oder ‚vergänglich‘, auch wenn sich die Grenze immer wieder verschiebt.

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