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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.01.2016

Gesellschaft Ungleich heißt nicht ungerecht

Stefan Liebig im Gespräch mit Anke Schaefer und Christopher Ricke

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Eine Friseurin schneidet einem Kunden die Haare.  (picture alliance / dpa / Foto: Andreas Keuchel)
Trotz der Debatte über soziale Gerechtigkeit - 65 bis 75 Prozent der Deutschen empfinden ihr Einkommen als gerecht. (picture alliance / dpa / Foto: Andreas Keuchel)

Die Ungleichheit in Deutschland hat zugenommen - dieser Satz legt für die meisten nahe, dass es in unserem Land immer ungerechter zuginge. Das stimme nur bedingt, meint der Soziologe und Gerechtigkeitsforscher Stefan Liebig. Ungleichheit könne sogar gerecht sein.

Was ist soziale Ungleichheit? Ab wann herrscht 'Gerechtigkeit'? Und kann Ungleichheit trotzdem gerecht sein? Hier werden immer wieder Begriffe durcheinander geworfen. Deshalb haben wir Stefan Liebig, Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld und Experte für empirische Gerechtigkeitsforschung gebeten, das einmal genauer aufzudröseln.

Es sei wichtig festzuhalten, dass Ungleichheit nicht immer ungerecht sind, so Liebig im Deutschlandradio Kultur. "Wenn wir in den Medien oder auch in den wissenschaftlichen Publikationen lesen, dass die Ungleichheit wieder zugenommen hat, dann  mus das nicht unbedingt heißen, dass unsere Gesellschaft ungerechter wird. Es muss aber auch nicht heißten, dass sie gerechter wird. Die Frage ist nämlich: Welche Ungleichheiten nehmen zu und welche Ungleichheiten nehmen ab?"

Es gebe gerechte Ungleichheiten - etwa solche, die sich auf Leistung bezögen - und ungerechte Ungleichheiten, so Liebig. "Ungerechtigkeit besteht dann, wenn die mit gleicher Leistung unterschiedliche Einkommen beziehen."

 

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