Das Feature, vom 20.01.2015

GesellschaftReich ohne Eigentum oder der Homo Oeconomicus bricht aus

Von Nora Bauer

Neun angehende Wissenschaftler beendeten ein Ökonomiestudium in Bayreuth, um gemeinsam ein Projekt zu realisieren, das sie "Dranbleiben" nennen. Gegen den Zeitgeist von zunehmender Individualisierung, Flexibilisierung und Ökonomisierung aller Lebensbereiche setzen sie die Utopie gemeinsamen Lebens und Arbeitens.

Ein Haus steht auf Geldscheinen. (dpa /Revierfoto)
Reichtum entsteht nicht durch Besitz, sondern durch Gemeinsamkeit. (dpa /Revierfoto)

Ihr Reichtum entsteht nicht durch Besitz, sondern durch Gemeinsamkeit. Sie entwickelten den global vernetzten Arbeitskreis Plurale Ökonomie, der Alternativen zur klassischen Volkswirtschaftslehre erforscht, und sie fanden Anschluss an die Initiative Freiraum Alfter. Seit über 30 Jahren kauft der gemeinnützige Verein in der Eifel Häuser auf, um sie dann an junge Leute und Familien zu bezahlbaren Preisen zu vermieten. Die Mieter leisten die Renovierungsarbeit.

Dabei wird kein Eigenkapital eingesetzt und dennoch die Finanzierung so kalkuliert, dass die Kredite allein durch die Mieteinnahmen getilgt werden. Die Nutzergemeinschaft selbstverwalteter Häuser arbeitet dabei eng mit der Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS) in Bochum zusammen. Die Genossenschaftsbank versteht sich als sozial und ökologisch verpflichtetes Geldinstitut und will vor allem nachhaltige Projekte fördern. Ziel aller Projekte ist nicht Besitz, sondern Gemeinsamkeit, nicht Wachstum, sondern geteilte Verantwortung für Gemeingüter. Beinahe ganz nebenbei sichern sie auch die individuellen Existenzen. Vielleicht ist dies eine Geschichte von naiven Weltverbesserern, Versagern und Spinnern. Vielleicht aber auch nicht.

Produktion: DLF 2015

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Reich ohne Eigentum oder der Homo Oeconomicus bricht aus (Text)