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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 25.11.2020

Geschlechterrollen in der PolitikKinder machen Männer zu besseren Politikern

Gesine Schwan im Gespräch mit Korbinian Frenzel

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Robert Habeck beim digitalen Bundesparteitag der Grünen. (picture alliance / Kay Nietfeld / dpa)
Auch als Politiker hat Robert Habeck (Grüne) nach Meinung von Gesine Schwan (SPD) von geteilter Familienarbeit profitiert. (picture alliance / Kay Nietfeld / dpa)

Frauen denken eher ans Gemeinwohl, Männer wollen Macht ausüben: Diese Rollenverteilung in der Politik stimmt nicht so ganz. Die SPD-Politikerin Gesine Schwan erkennt Entwicklungen beim Männlichkeitsideal - durch den Umgang mit Kindern.

Die EU-Kommission will mehr Frauen in der Außenpolitik fördern und hat dafür an diesem Mittwoch einen Aktionsplan zu mehr Geschlechtergerechtigkeit vorgestellt. Aber sind die Ergebnisse von Politik andere, wenn Frauen entscheiden? Die SPD-Politikerin Gesine Schwan meint, die Vielfalt von Perspektiven sei entscheidend. Sie führe zu mehr Gemeinwohl:

"Bei Frauen ist nochmal das Besondere, dass es eine Tendenz gibt, das Machtverständnis weniger als Gegenmacht, als Unterdrückung und auch als Quelle der Befriedigung, weil man die anderen unter sich hat, zu verstehen, sondern dass Frauen eher an gelungenen Beziehungen liegt."

Gesine Schwan im Porträt (imago/Eibner-Pressefoto/EP)Gesine Schwan ist Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission. 2019 bewarb sie sich mit Ralf Stegner um den Parteivorsitz. (imago/Eibner-Pressefoto/EP)

Menschen zusammenzubringen und zu gemeinsamen Projekten zu finden, sei deshalb auch immer ihr Anliegen gewesen, wenn sie Macht wollte, so Schwan. In der Welt von heute könnten Probleme ohnehin nur noch durch Verständigung und den Sinn für andere Meinungen, Gesten und Signale gelöst werden. Dieser Sinn für Verständigung werde von Frauen "viel mehr aufgenommen".  

Auf schreiende Babys muss man sich einlassen

Bei Männern beobachtet Schwan allerdings auch ein sich wandelndes Männlichkeitsideal und Machtverständnis – "und zwar dadurch, dass sie mehr mit kleinen Kindern zu tun haben". Das sei ihre These:

"Man kennt ja als Mann ganz anders die Menschen, wenn man mit Babies zu tun hatte, die man nicht in die Ecke stellen kann, weil sie einen mit Schreien kaputtmachen, wo man sich darauf einlassen muss, wenn sie mit Schwäche zu tun haben, wenn sie Kranke pflegen. Das ist eine wichtige Sozialisierung, die für Frauen gewirkt hat. Je mehr Männer das machen, desto besser werden sie."

Als Beispiel führt die SPD-Politikerin den Grünen-Co-Vorsitzenden Robert Habeck an: Dieser habe bewusst auf die Teilung der Familienarbeit Wert gelegt. In einem solchen Fall ändere sich auch das Männlichkeitsideal. Wenn Männer dieses in die Partnerschaftlichkeit einbrächten, könnten sie gewinnen, ist Schwan überzeugt. "Sonst verlieren sie nur".

(bth)

Die gesamte Sendung mit Gesine Schwan hören Sie hier:

Gesine Schwan, 1943 in Berlin geboren, ist Präsidentin und Mitgründerin der Humboldt-Viadrina Governance Platform. Die SPD-Politikerin und Politikwissenschaftlerin ist zudem Vorsitzende der Grundwertekommission ihrer Partei. 2004 und 2009 kandidierte sie für das Amt der Bundespräsidentin. Von Oktober 1999 bis September 2008 war sie Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Zuletzt hatte sich Schwan zusammen mit Ralf Stegner erfolglos für den SPD-Parteivorsitz beworben.

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