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Sein und Streit | Beitrag vom 06.01.2019

Geschlechterrollen im WandelDie Stimmen der Autorität

Von Étienne Roeder

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Ein großer Mann hält eine Rede, symbolisiert durch eine Sprechblase, zu einer Menge kleiner Menschen. (imago / Ikon Images)
Die Stimmen großer Männer? Längst kann Autorität auch ganz anders klingen. (imago / Ikon Images)

Autorität leitet an, gewinnt unser Vertrauen, gebietet Respekt. Aber mit welcher Stimme eigentlich? Und muss die unbedingt tief und männlich sein? Keineswegs, wie dieser klangliche Streifzug durch die letzten Hundert Jahre zeigt.

"Abend wird es wieder,
über Wald und Feld.
Säuselt Friede nieder
Und es ruht die Welt."

Die erste Stimme, die ein Mensch wahrnimmt, hört er nur gedämpft. Verborgen im Innern ihres Körpers ist es für jeden und jede von uns die Stimme der Mutter, die für lange Zeit einzige Referenz bleibt.

Vater in dem Film "Das Weiße Band": "Ich will Dir nur helfen. Ich liebe Dich von ganzem Herzen."

Die ersten Stimmen sind weiblich

Bald kommen neue Stimmen hinzu, geben Orientierung und Halt, ermuntern oder grenzen ein. Autoritäten, das sind in den ersten Lebensjahren: Die Eltern. Mutter, Hebamme, Kinderpflegerin: Klingt die Stimme der Autorität in den ersten Lebensjahren noch weiblich, so verändert sich das mit den Jahren. 

Lehrer in dem Film "Die Feuerzangenbowle": "Sind sie der neue Schüler? - Bitte. - Nehmen Sie die Mütze ab und stehen sie auf, wenn ich mit Ihnen spreche. Setzen sie sich da vorne hin, damit ich sie besser beobachten kann."

Beobachten konnte Man(n) oder Frau, wie der Anteil der weiblichen Autorität mit dem Grad der Öffentlichkeit abnahm. Das war Jahrhunderte so. Und wie klang sie also früher, die Autorität?

Öffentliche Autorität klang lange männlich

Hildegard Knef: "... der Vater war wütend, er wollt’ einen Sohn, ich schaute mich um und wusste auch schon. Von nun an geht’s bergab..."

Wenn es nicht gerade um den Haushalt oder das Kinderkriegen ging, klang die Autorität vor allem sehr männlich: Ob in Politik:

Kaiser Wilhelm II: "Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Mann und Ross."

In der Wissenschaft:

Albert Einstein: "Es ist mir eine Freude und zugleich eine Ehre in dem Lande zu sprechen, in dem meine Wissenschaft, die Theoretische Physik geboren ist."

Oder im Sport:

Heinz Florian Oertl: "Was hat dieser Mann geleistet. Der Sieger von Montréal auf dem Siegerkurs in Moskau. Liebe junge Väter, haben Sie Mut. Nennen sie ihre Neuankömmlinge dieses Tages ruhig Waldemar. Waldemar ist da!"

Autorität ist Verhandlungssache

Autorität ist allerdings nicht angeboren, es ist keine Gabe, sondern Verhandlungssache. Im Privaten:           

Internetvideo: Mädchen (ca. 3 Jahre): "Jetzt reicht’s" - Vater: "Hörst Du bitte auf zu schreien!" - Mädchen: "Du sollst doch zuhören, wenn ich was sage!"

Oder auf gesellschaftlicher Ebene. Wie Clara Zetkin im Reichstag 1932.

Clara Zetkin: "Das Gebot der Stunde ist die Einheitsfront aller Werktätigen um den Faschismus zurückzuwerfen."

Zunächst in England – mit der Suffragettenbewegung-  und später auch in Deutschland leisteten Frauen der männlichen Autorität in der Öffentlichkeit Widerrede. Ab 1919 gab es weibliche Stimmen, die parlamentarische Autorität erlangten. Schon im 19. Jhd studierten Frauen als Gasthörerinnen Medizin, Seit 1900 sprachen sie dann auch als Ärztinnen. Ab 1923 gab es die erste weibliche Professur in Deutschland. Und:

Angela Merkel: "Wir schaffen das. Wir schaffen das und wo uns was im Wege steht muss das überwunden werden."

2005 die erste Bundeskanzlerin. Nicht unwidersprochen natürlich. Besonders männliche Stimmen fordern weibliche Autorität gern heraus.

Männer wollen wirken, Frauen verstehen?

Hannah Arendt: "Männer wollen immer furchtbar gern wirken. Nein ich will verstehen!"

Verstehen konnte man starke Frauenstimmen, die Autorität ausstrahlten, denen man Autorität zusprach schon lange.

Christian Lindner: "Das Ergebnis schwächt Merkels Autorität ..."

Oder auch nicht. Auf jeden Fall klingt die Stimme der weiblichen Autorität, mit Zwischentönen, Pausen und Reflexion.

Margaret Thatcher: "It made America realize, that Britain was her real and true friend and that noone else in Europe was. They are weak some of them in Europe you know. Weak!"

So kann Autorität klingen. Großbritanniens Eiserne Lady, Margareth Thatcher beschrieb ihren Regierungsstil einmal wie folgt:

Thatcher: "Clear, decisive, purposeful!"

Klar, Entschieden, zielgerichtet.

Merkel: "Wir schaffen das."

Die Stimmen der Zukunft

Probleme mit weiblicher Stimmautorität gibt’s immer wieder, ganz besonders im Fußball:

Fußballmoderatorin: "Und da ist das 1:0, Jessica Landström, 57. Minute, hochverdient!"

Wie klingt die Stimme der Autorität heute? Und wie wird sie in Zukunft klingen? Weniger plakativ, weniger geschlechtlich konnotiert, vielleicht unisex? Gar digital? Werden bald Siris und Alexas Stimmen durch die Bauchdecken zu den Neuankömmlingen dieser Erde sprechen?

Siri: "Natürlich. Gerne. Also. Ok, los geht´s. Ich muss nur kurz den Frosch im Hals loswerden. Uff, Singen ist schwieriger als man denkt…"

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