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Kompressor | Beitrag vom 04.06.2018

Geschlechterklischees im ComicAutark statt immer nur hübsch

Von Jennifer Rieger

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Ms. Marvel, das Alter Ego der 16-jährigen Kamala Khan aus New Jersey, einer jungen Muslimin. Sie ist ein neuer Stern am Superhelden-Himmel des US-Comicverlags Marvel.  (Adrian Alphona / Marvel / dpa)
Eine starke Comic-Heldin: Ms. Marvel, das Alter Ego der 16-jährigen Kamala Khan aus New Jersey, einer jungen Muslimin. (Adrian Alphona / Marvel / dpa)

In Comics werden Geschlechterklischees gerne überzeichnet: Frauen rekeln sich sexy, strecken dem Betrachter möglichst viel Po und Busen entgegen. Zeichnerinnen setzten diesen Bildern nun autarke, starke Frauenfiguren entgegen.

Woran erkennt man, ob eine Comicente eine weibliche Comicente ist? Klar – an den langen Wimpern und der rosa Schleife auf dem Kopf. Geschlechterklischees in Comics sind vielleicht überholt, weg sind sie aber noch lange nicht.

In einem bebilderten Vortrag auf dem 18. Internationalen Comic-Salon in Erlangen zeigt Comiczeichnerin Lisa Frühbeis die schönsten Beispiele: Super maskuline Typen in Ganzkörperstrumpfhosen, sexy Babes, die von ihren Zeichnern auf ungesund wirkende Weise verdreht werden. Das nenne man die "Broken back pose", "weil die so ausschauen als hätten sie den Rücken gebrochen", sagt Frühbeis. Das komme sehr häufig vor. "Wenn man da mal anfängt zu suchen, kann ich gar nicht mehr aufhören zu lachen, weil das so albern ist, wie alle Frauen den Rücken gebrochen haben, damit sie möglichst viel Po und Busen gleichzeitig dem Leser entgegenstrecken können."

"Wie, die müssen hübsch aussehen? Nee!"

Das größte Problem sieht Lisa Frühbeis darin, dass weibliche Charaktere in Comics oder in Trickfilmen in erster Linie hübsch aussehen müssen. "Wie, die müssen hübsch aussehen? Nee!", meint sie. "Die müssen autark sein. Die müssen authentisch sein und die haben Emotionen und die müssen in der Geschichte rübergebracht werden. Darum geht es eigentlich."

Das Thema brennt offensichtlich vielen unter den Nägeln. Während des Vortrags stapeln sich die Zuschauer förmlich vor der Bühne. In ihrem feministischen Comicstrip "100 Days of strange life", der alle vier Wochen im "Tagesspiegel" erscheint, beweist Lisa Frühbeis, wie gut Feminismus und Comics zusammenpassen. Wie auch Katja Klengel, die Frau hinter der Comic-Kolumne Girlsplaining, die auf der Online-Plattform Broadly erscheint.

"Es finden einfach Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten statt"

"Hereinspaziert, hereinspaziert! Live in person: Hairy woman! Sie ist so haarig, dass sogar Haare auf ihren Haaren wachsen", ruft Katja Klengel. "Da hilft kein Rasierer mehr." In ihren Comics geht es um gegendertes Spielzeug, Sexualität, den Wahnsinn des Alltags – und um Körperbehaarung. "Ah, wer bist du? Ich bin der Geist der verrosteten Rasierklingen… siehst du meine Fesseln? Das sind die Ketten des Patriarchats, die ich zu Lebzeiten nicht sprengen konnte!"

"Niemand soll irgendwas weggenommen werden, keine Star Wars Plakate werden überklebt und abgehangen, nichts dergleichen soll passieren", sagt Katja Klengel. "Aber es finden einfach Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten statt, über die man einfach reden muss."

"Dieser Kampf ist echt zäh"

Es tut sich was. Nicht nur bei den Inhalten – gerade in Deutschland, wo die Comicszene eher klein ist, sagt Lisa Frühbeis, etablieren sich immer mehr Frauen auf dem Markt. In Frankreich sei es dagegen sehr wie viel schwieriger. "Da ist auch die Szene unausgeglichener, was männliche und weibliche Zeichner angeht. Aber in Deutschland, würde ich sagen, ist dadurch, dass die Szene klein ist die Möglichkeit auch größer, mit einem Stoff zu einem Verlag zu kommen." Natürlich sei eine so kleine Comic-Szene "eigentlich schade", aber als Frau profitiere man davon.

Trotzdem: "Dieser Kampf ist echt zäh und manchmal fragt man sich mal wieder, muss ich jetzt wirklich wieder den Buhmann spielen und sagen: Hallo, hier, bitte tut auch Frauen in die Jurys. Und dann zack, 100 deutsche beste Plakate, also ein großer Grafikdesignpreis, sechs Männer in der Jury. Dann wird das Foto veröffentlicht, dann schreiben die ersten auf Facebook darunter: Hä, wieso nur Männer? Und dann sagen die: Oh! Und dann ist es denen halt nicht mal aufgefallen." Doch die Frauen sind optimistisch. Sie arbeiten daran, dass es auch in Zukunft viele gute Comics geben wird, in denen Charaktere stark, schwach, weich, empathisch, gut oder böse sein dürfen – unabhängig von ihrem Geschlecht.

"Lasst euch von niemandem einreden, ihr wärt hässlich, weil ihr Körperbehaarung habt. Ihr entscheidet, was schön ist", sagt Katja Klengel. "Body positive hairy woman! Sie liebt ihren Körper und versteckt sich nicht mehr! Werde auch du body positive!"

Fazit

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