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Über Podcast | Beitrag vom 31.01.2020

GeschichtspodcastsVergangenheit anders erzählen

Von Karla Kenya, Dennis Kogel und Hagen Terschüren

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Ein Bücherregal mit alten Büchern. (Unsplash / Iñaki del Olmo)
Es gibt für jedes Interesse den passenden Podcast - auch für historische Themen. (Unsplash / Iñaki del Olmo)

Kaum ein Podcast-Genre ist so facettenreich wie Geschichtspodcasts – von der Hochglanzproduktion bis zum Hobbyprojekt gibt es alles. Doch wie unterhaltsam darf Geschichtsvermittlung sein?

Geschichte hatte in der Schule für manche den Ruf, ein eher dröges Fach zu sein. Was half: Eine Lehrkraft, die Zahlenfakten in spannende Geschichte(n) verpackt hat und mit jedem Wort fesseln konnte. Genau dieser Effekt kann auch durch Podcasts erreicht werden. Grund genug, sich zwei Beispiele in der Welt der Geschichtspodcasts anzusehen: Einerseits den Hobbypodcast "Zeitsprung" und andererseits "1619": eine Podcast-Miniserie des "New York Times"-Magazins, die Teil einer crossmedialen Aufbereitung zu 400 Jahre Sklaverei in den USA war.

Zeitsprung

Bei "Zeitsprung" sitzen die beiden Historiker Richard Hemmer und Daniel Meßner in ihren jeweiligen Wohnzimmern und erzählen sich gegenseitig historische Fakten, die der andere noch nicht kennt – seit mittlerweile fünf Jahren und über 200 Episoden. Der Sound in diesen 30 bis 50 Minuten langen Folgen ist dabei zwar nicht mit professionellen Produktionen zu vergleichen, aber die ehrlichen, spontanen Reaktionen auf die Geschichten und die gute Chemie der beiden Moderatoren, lassen einen das schnell vergessen.

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1619

Bei "1619" hört man das Budget hingegen von der ersten Sekunde an. Hier gibt es Soundeffekte, Musik, Interviewgäste und eine beachtliche Produktionsqualität. In fünf Folgen begleiten die Journalistin Nikole Hannah-Jones und zwei Kolleginnen dafür in einem Reportage-Format Afroamerikaner und zeigen, wie die Geschichte der Sklaverei schwarze Menschen in den USA bis heute beeinflusst. Die Wohnzimmer-Atmosphäre, die bei "Zeitsprung" den Charme ausmacht, weicht hier einem Bombast, der sonst eigentlich nur in ganz großen Dokumentarfilmen zu erleben ist.

Was dem Genre fehlt

Bei unserem Sprung in die tiefen Gewässer der Geschichtspodcasts ist uns aufgefallen, was "1619" neben der Produktion noch so besonders macht: das Themengebiet. Denn die meisten Podcasts scheinen sich eher mit Skurrilitäten, dem Mittelalter und der Kirche zu befassen – wichtige und unterhaltsame Inhalte, aber es zeigt auch, dass längst nicht jede Geschichte erzählt wird. Der Historiker, Archäologe, und wissenschaftliche Mitarbeiter bei der Stiftung Luthergedenkstätten, Mirko Gutjahr, ist auch der Ansicht, dass Themen wie die Kolonialgeschichte unterrepräsentiert sind.

Ein Grund sei, dass es viel weniger Fachliteratur über die Geschichte marginalisierter Menschen gebe, aber auch welche Themen den Podcastenden lägen. Trotzdem habe die Szene ihren ganz eigenen Reiz. Gutjahr, der mit "das geheime Kabinett" auch einen Geschichtspodcast betreibt, ist der Meinung, dass Nischenthemen in Podcasts viel mehr als in jedes Medium ein Publikum finden könnten – und selbst im Schulunterricht werde mittlerweile damit gearbeitet.

(hte)

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