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Zeitfragen | Beitrag vom 03.02.2021

Geschichten vom RIASInspiriert vom amerikanischen Freiheitsversprechen

Von Ralf Bei der Kellen

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Der RIAS-Schriftzug auf dem Funkhaus am Hans-Rosenthal-Platz in Berlin vor strahlend blauem Himmel (picture alliance / imageBROKER / Schoening Berlin)
Steht unter Denkmalschutz: Der RIAS-Schriftzug auf dem Deutschlandradio-Funkhaus in Berlin. (picture alliance / imageBROKER / Schoening Berlin)

Am 7. Februar 1946 startete in Berlin der RIAS sein Programm, zunächst als Drahtfunk, ab September als Rundfunk. Er war nicht nur "freie Stimme der freien Welt", sondern auch Experimentierfeld für Radioformate.

Berliner Taxifahrer sagen mitunter noch heute: "Ach, zum RIAS wollen Sie!"

RIAS, Rundfunk im Amerikanischen Sektor – diese Abkürzung stand für den unkonventionellsten aller westdeutschen Sender. Auch wenn der RIAS ein Kind des Kalten Krieges war, lebte das Programm nicht zuletzt von seiner Unterhaltsamkeit.

Berlin war nach 1945 in vier Sektoren geteilt. Aber eine der vier Besatzungsmächte, die Sowjetunion, versuchte, die Lufthoheit über den Rundfunk in ganz Berlin zu erringen. Als Antwort darauf gründeten die US-Amerikaner eine eigene Rundfunkstation - den RIAS. Sendestart auf Mittelwelle war der 5. September 1946.
"Eine freie Stimme der freien Welt" - so lautete der Anspruch.

Verstärkung der Sendeleistung mit Nebenwirkungen

Der Sender wuchs verhältnismäßig schnell mit seiner Strahlungsleistung und es gab teilweise groteske Nebenwirkungen, erzählt Walter Kober, Leiter der Senderanlage in Berlin-Britz:

"Man hörte dann also zum Beispiel in der Gegend aus der Dachrinne das RIAS-Programm. Oder ein Beispiel ist mir besonders noch in Erinnerung: dass in der nächsten Nachbarschaft in einem kleinen Häuschen der Elektroherd in dem Moment, wo er eingeschaltet wurde, plötzlich zu sprechen anfing."

Der SPD-Politiker Egon Bahr steht am Dienstag (07.02.2006) im Funkhaus in Berlin neben dem alten RIAS-Logo. (dpa/ picture-alliance/ Stephanie Pilick)Egon Bahr (1922-2015) war vor seiner Politikerkarriere auch Leiter des Bonner Büros des RIAS. (dpa/ picture-alliance/ Stephanie Pilick)

Deutsche Journalisten, inspiriert vom amerikanischen Freiheitsversprechen, machten Programm nicht nur für Berlin, sondern auch für die sowjetische Zone, ab 1949 die DDR. Sie entwickelten Informations- und Unterhaltungsformate, die wegweisend waren für die bundesdeutsche Rundfunklandschaft.

Egon Bahr, damaliger Leiter des Bonner Büros des RIAS, sagte später über die Vorgänge der Programmgestaltung:

"Die Menschen kamen ungehindert aus der DDR - es gab ja noch keine Mauer - und haben uns mit interessanten Informationen versehen. Es war eben nicht in dem Sinne eine Agentenzentrale, dass wir ein Agentennetz aufgebaut hätten. Wir hatten unsere regelmäßigen, aber nicht unsere systematischen, über die ganze DDR verstreuten Mitarbeiter. Wir hatten IMs, aber wir hatten keine Stasi-Organisation."

Gewaltiges Entsetzen über Einmauerung West-Berlins

Als im August 1961 die Berliner Mauer gebaut wurde, berichtete der RIAS nicht nur im Tagesprogramm. Der Mauerbau wurde auch in den Unterhaltungssendungen thematisiert.

Wann auch immer man in jenen Tagen den RIAS einschaltete: Das Entsetzen über die Einmauerung West-Berlins war gewaltig.

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Eine Institution war damals schon Friedrich Luft, der Theaterkritiker. Jeden Sonntag präsentierte er auf unnachahmlich atemlose Weise seine Theaterkritik. Nach dem Mauerbau konnte auch er nicht einfach über das Theaterleben sprechen:

"Dass sie die eigene Bevölkerung einzingeln muss, damit ihr die nicht davonläuft. Dass sie sie nur mit einer Ulbricht’schen chinesischen Mauer in der Brutmäßigkeit halten kann und mit durchgeladenen Karabinern: Ein schlimmeres, ein vollständigeres Eingeständnis der Unfähigkeit und der Verlassenheit, der Angst und Einsamkeit einer Regierung gab es nie."

Der beliebte Quizmaster während einer "Dalli-Dalli"-Sendung im Juni 1978. (dpa/ picture-alliance/  Istvan Bajzat)Der beliebte Quizmaster Hans Rosenthal (1925-1987) war beim RIAS für Unterhaltung zuständig. (dpa/ picture-alliance/ Istvan Bajzat)

"Der RIAS sendet bis zur Wiedervereinigung!" So hatte Programmdirektor Heinz Adolf von Heintze im Mai 1959 den Programmauftrag definiert. Und so ging nach Maueröffnung und Wiedervereinigung die Geschichte der wohl ungewöhnlichsten Rundfunkstation auf deutschem Boden, die immer auch eine amerikanische war, zu Ende.

RIAS fusionierte zum 1. Januar 1994 mit dem ostdeutschen DS Kultur und wurde Teil des Deutschlandradios. Der RIAS-Schriftzug auf dem Haus am Hans-Rosenthal-Platz steht heute unter Denkmalschutz. Und so ist aus dem "Rundfunk im Amerikanischen Sektor" heute ein "Rundfunk in allen Sechzehn" geworden – in 16 Bundesländern.

(Online-Text: ajo)

Autor: Ralf Bei der Kellen
Es sprechen: Haino Rindler und der Autor
Ton: Hermann Leppich
Regie: Karena Lütge
Redaktion: Winfried Sträter

Die Erstausstrahlung des Features "Geschichten vom RIAS" war am 7. September 2016.

Hier gibt es das vollständige Manuskript.

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